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DRAG ME TO HELL (USA 2009)

von Stefan Rybkowski

Original Titel. DRAG ME TO HELL
Laufzeit in Minuten. 99

Regie. SAM RAIMI
Drehbuch. SAM RAIMI . IVAN RAIMI
Musik. CHRISTOPHER YOUNG
Kamera. PETER DEMING
Schnitt. BOB MURAWSKI
Darsteller. ALISON LOHMAN . JUSTIN LONG . LORNA RAVER . DILEEP RAO u.a.

Review Datum. 2009-06-08
Kinostart Deutschland. 2009-06-12

Der Vorhang öffnet sich, wir sehen das Logo Universals. Doch es ist nicht irgendeines, sondern jenes Universal-Logo, das man eigentlich schon seit einigen Jahren nicht mehr verwendet. Die Zeiten haben sich geändert, das zeigt auch der Horrormarkt selbst. Der Trend geht in Richtung Remake, Reboot, Reimagination oder wie auch immer man diese unoriginären Verwurstungen altbekannter Stoffe nennen mag. Da wirkt es fast schon wie eine Frischzellenkur, fast schon eine paradoxe, wenn uns Sam Raimi mit DRAG ME TO HELL eine Geisterbahnfahrt präsentiert - eine, die sich ebenfalls reichlich bei anderen Filmen bedient, nämlich bei seinen eigenen (kein Wunder, denn das Script stand bereits kurz nach ARMEE DER FINSTERNIS). Nach einer kurzen, aber den Rest des Filmes wegweisenden Vorspannsequenz folgen die Credits, ebenfalls schön im Retrodesign gehalten und mit Lettern, die die ganze Leinwand in Besitz nehmen. Und bereits hier wird eines ganz deutlich: Raimis neuer Film hat ein beeindruckendes Sounddesign, und das nicht nur der immensen Lautstärke wegen.

Bei Raimis DRAG ME TO HELL kommt alles zusammen, und so ist er vor allem auf audiovisueller Ebene ein Augenschmaus. Da spielt es dann auch weiter keine Rolle, dass der Plot an sich absolut nichts Neues an den Tisch bringt oder auch nur irgendwie originell wäre. Vielmehr bedient sich Raimis Geschichte um eine von einer alten Zigeunerin (Lorna Raver) verfluchte junge Frau (Alison Lohman) bei TANZ DER TEUFEL und dessen Ablegern. Raimi spinnt einmal mehr eine Geschichte um verrückte Dämonen, Besessene, mystische Schriften und derlei Humbug. Was so quatschig klingt, ist letzten Endes auch quatschig, doch wie auch beim Prinzip der Geisterbahnfahrt spielt das alles keine Rolle. Wir wissen, dass es all das, was es zu sehen gibt, so in der Realität wohl kaum geben mag, aber es ist einfach ein perfekter Vorwand dafür, uns Angst und Schrecken einzujagen, uns unserer eigenen Ängste bewusst werden zu lassen und sie irgendwie auch zu genießen. Kurz: man macht sich das wohl älteste dramaturgische Mittel des "eleos" und "phobos" zu nutze.

In der Tat, die Geisterbahn scheint die am besten geeignete Metapher für DRAG ME TO HELL zu sein. Raimi spielt nicht nur mit Schockmomenten, die zwar nicht immer urplötzlich, sprich überraschen, kommen, dafür aber stets effektiv sind. Es gibt jede Menge Schattenspiele, denn eigentlich ist das einzige, was wir von den diversen Dämonen zu sehen bekommen, die Christine jagen, ein ausgefeilter und angsteinflössender Schatten. Ferner ist auch in DRAG ME TO HELL - wie auch in der Geisterbahn - das meiste Handgemacht, nur selten kommt CGI zum Einsatz, was der Atmosphäre ebenfalls sehr zu gute kommt. Fehlen eigentlich nur noch Ekeleffekte, mit denen Raimi alles andere als sparsam umgeht; ständig wechseln irgendwelche eklig-schleimigen Körperflüssigkeiten von einer Körperöffnung in die andere, eingefangen mit einem leckeren Close-Up. Man hat es wahrlich nicht einfach in DRAG ME TO HELL, erst recht nicht, wenn man zartbesaitet ist, zündet der Film doch ein Feuerwerk nach dem anderen. Egal ob man anfällig für Lautstärkenhorror ist (hier endlich mal wirklich gut eingesetzt!), Ekeleffekte scheut oder sich einfach nur vor Unsichtbaren gruselt, der wird hier unter Dauerbeschuss genommen, denn Raimis Film funktioniert auf allen Ebenen hervorragend.

Die Geisterbahnfahrt erreicht dann irgendwann auch ihren Höhepunkt, eine Seance, die nochmals alle Register zieht und Emotionen irgendwo zwischen Schockstarre, Zittern und lautstarkem Lachanfalls hervorruft. Und als wäre der Horror nicht schon genug, streift Raimi wenig später auch einen ethischen Diskurs um Leben und Tod, Leben schenken und Leben nehmen, der doch einige interessante Aspekte hervorbringt, was dann hinsichtlich des restlichen Inhaltes doch etwas überrascht. Die Darsteller, allen voran Alison Lohman und Justin Long, hingegen stechen nicht sonderlich heraus, doch das ist auch nicht weiter schlimm, denn auf Plotebene sollen sie auch nichts weiter tun als ihre Drehbuchfiguren füllen. DRAG ME TO HELL ist auch kein Schauspiel- oder Erzählkino, es ist klassisches Gruselkino, das seine Stärken im Handwerk und im Audiovisuellen trägt, begleitet von einem nicht minder fantastischen Score Christopher Youngs, der erhaben über allem schwebt und ohne den der Film nur halb so gut ausfiele. Mit DRAG ME TO HELL ist Raimi nicht nur ein grandioses Comeback zu seinen eigenen Wurzeln gelungen, sondern auch einer der besten Horrorfilme seit sehr vielen Jahren.











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