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THE DOMESTICS (USA 2018)

von André Becker

Original Titel. THE DOMESTICS
Laufzeit in Minuten. 95

Regie. MIKE P. NELSON
Drehbuch. MIKE P. NELSON
Musik. NATHAN BARR
Kamera. MAXIME ALEXANDRE
Schnitt. JULIA WONG
Darsteller. TYLER HOECHLIN . KATE BOSWORTH . SONOYA MIZUNO . LANCE REDDICK u.a.

Review Datum. 2018-08-11
Kinostart Deutschland. 2018-08-23

THE DOMESTICS ist ein klassisches B-Movie. Und das ist als Kompliment zu verstehen. Regisseur Mike P. Nelson lässt Erinnerungen an die rohe Unmittelbarkeit der Blütezeit der B-Filme der achtziger und neunziger Jahre wach werden. An eine Zeit, in der die wahren Qualitäten dieser gerne als Videothekenramschware verunglimpften Werke noch im Verborgenen darauf warteten entdeckt zu werden. Was früher im Monatstakt auf die Kundschaft losgelassen wurde, ist heute die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen. Globale Streamingdienste mit ordentlich Zaster in der Hinterhand setzen bekanntermaßen lieber auf schicke Big-Budget-Produktionen, die vom Mainstream-Hochglanz mittlerweile kaum noch zu unterscheiden sind. Filmschmieden wie Cannon oder PM-Entertainment, die mit Herzblut (was man freilich erst später wirklich schätzen lernen konnte) und klarer vertrieblichen Ansage den Genre-Film pushten, wären heute wohl undenkbar.

Von der ersten Sekunde an durchzieht THE DOMESTICS ein unverkennbarer Stallgeruch, der den Film narrativ und inszenatorisch lenkt und in der Spur hält: Die Story auf ein klappriges Plot-Gerüst beschränkt, die aufgeworfenen Konflikte effekthascherisch abgebildet, jeglicher Anflug von Anspruch aus dem Skript getilgt. Mike P. Nelson zeigt uns ein rasantes Road-Movie aus dem Herzen eines apokalyptischen Amerika. Er zeigt uns einen rabiaten Endzeitfilm, der jedes noch so abgehangene Klischee mit naiv-liebenswürdiger Hinwendung huldigt. Und er zeigt uns schlussendlich einen No-Nonsense-Actionfilm der alten Schule. Mit marodierenden Gangs. Mit ultra-blutigen Shoot-outs. Mit Mann-Gegen-Mann-Kämpfen in denen Schraubenzieher, Messer und Äxte den Tod bringen.

Im Zentrum ein Ehepaar (Tyler Hoechlin, Kate Bosworth), verkracht aber mit einer Resthoffnung auf die Rettung ihres einstigen Liebesglücks. Um die Eltern der Frau zu suchen nimmt das Paar die gefährliche Reise durch ein dahinvegetierendes Amerika auf sich. Ein Land das fast alle zivilisatorischen Errungenschaften abgelegt hat, nachdem der Großteil der Bevölkerung von einem teuflischen Giftgasangriff dahingerafft wurde. Die wenigen Personen, denen das Gift nichts anhaben konnte fristen entweder ein angsterfülltes Dasein oder sind Mitglied in einer der zahlreichen Gangs, die das Land in jeweils eigenen Hoheitsgebieten kontrollieren. Für die Eheleute beginnt ein alptraumhafter Road-Trip, bei dem das Zusammentreffen mit Kannibalen noch zu den harmloseren Begegnungen gehört.

Natürlich hat auch THE DOMESTICS mit riesenhaften Logiklöchern und sonstigen Scherereien zu kämpfen. Zudem bleiben, abgesehen vom Finale, sämtliche Konfrontationen und Auseinandersetzungen kleiner skaliert und eher höhepunktarm. Wirklich ausgedehnte Fights gibt es nicht. Die Kämpfe sind kurz, hart und meist mit prägnanten Finishings versehen. Was dem Film enorm zugutekommt ist, dass er ständig in Bewegung ist. Die Hauptfiguren treffen in kürzesten Abständen auf zahlreiche unterschiedliche Gangs, mit jeweils eigenen Verkleidungen und spezifischen habituellen Merkmalen. Diese Vielzahl an Feinden führt allerdings auch dazu, dass im Filmverlauf kein zentraler Antagonist in Erscheinung tritt. Die Hetzjagd verliert so leider ein wenig an Dringlichkeit. Ein wahrhaft grausiger Endgegner wäre hier sicherlich sehr förderlich gewesen. So bleiben die Gegner bloßes Kanonenfutter, die wie in einem Videogame darauf warten aus den Sohlen gepustet zu werden. Level für Level.

Es mag an dem gegenwärtigen Nichtvorhandensein brauchbarer Genre-Kost in diesem Segment liegen, dass man bei einem Film wie THE DOMESTICS eher gewillt ist ein wenig milder zu urteilen. Nicht zu leugnen ist jedoch, dass Regisseur und Drehbuchschreiber Nelson es versteht seine kleine Endzeitvision sehr kurzweilig und mit einem jederzeit sichtbaren Bekenntnis zum echten Filmhandwerk (kein erkennbares CGI, keine leblosen Green-Sreens, stattdessen Old-School-Effekte sowie Action und Stunts ohne künstliches Beiwerk) zu inszenieren. Echte Krawall-Unterhaltung eben, die dem Feuilleton wahrscheinlich die Schamesröte ins Gesicht treibt, bei ihrer Zielgruppe aber auf selige Zustimmung stoßen dürfte.











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