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THE DISAPPEARANCE OF ALICE CREED (Großbritannien 2010)

von Andreas Neuenkirchen

Original Titel. THE DISAPPEARANCE OF ALICE CREED
Laufzeit in Minuten. 98

Regie. J BLAKESON
Drehbuch. J BLAKESON
Musik. MARC CANHAM
Kamera. PHILIPP BLAUBACH
Schnitt. MARK ECKERSLEY
Darsteller. GEMMA ARTERTON . EDDIE MARSAN . MARTIN COMPSTON

Review Datum. 2010-10-08
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Alice Creed (Gemma Arterton) ist alles andere als verschwunden in THE DISAPPEARANCE OF ALICE CREED. Schließlich ist sie eine von nur drei Figuren im Regiedebüt des Briten J Blakeson, da muss sie Präsenz zeigen.

Die anderen beiden Figuren sind ihre Entführer. Der nervöse, junge Danny (Martin Compston) und der abgebrühte, ältere Vic (Eddie Marsan) verschleppen die Millionärstochter in eine Hütte im Wald, ketten sie ans Bett und machen sich daran, von ihrem alten Herren ein saftiges Lösegeld zu erpressen. Aber so einfach, wie es klingt, ist es nicht. In Wirklichkeit hält jede Figur etwas vor den anderen geheim, und in Wirklichkeit gibt es komplexere Beziehungen zwischen allen Beteiligten als nur die zwischen Opfer, Täter und Komplize. Es bestätigt sich das Sprichwort, dass es in der Welt keine Zufälle gibt, sondern nur Pläne anderer Leute, von denen man nichts weiß.

Trotz der Reduzierung auf nur drei Figuren und kaum mehr Handlungsorte ist THE DISAPPEARANCE OF ALICE CREED alles andere als ein verrücktes neumodisches Filmexperiment, sondern ein sehr traditionsbewusster, um nicht zu sagen altmodischer Film noir voller klassischer Suspense-Situationen und romantischen Verstrickungen, die durch materielle Habgier noch verkompliziert werden. Statt Gut und Böse gibt es allenfalls Durchtrieben und Weniger Durchtrieben. Sobald klar ist, dass dieser Film seine Spannung nicht aus der Entwicklung der Entführungssituation sondern aus der Entwicklung der Beziehungen der Figuren entwickelt, ist er eine fast ungetrübte Freude. Die vielen überraschenden Wendungen sind clever und punktgenau platziert. Die Charaktere sind zwar nicht im herkömmlichen Sinne sympathisch, aber sie haben sich in eine so haarsträubende Bredouille geritten, dass man nicht anders kann als mitzufiebern und insgeheim doch gewisse Identifikationspunkte auszuloten. Das Ensemble macht es einem leicht. Alle drei Darsteller, insbesondere HAPPY-GO-LUCKY-Nazi Marsan, sind in den letzten Jahren zu gern gesehenen Gesichtern in Nebenrollen geworden. In THE DISAPPEARANCE OF ALICE CREED beweisen sie, dass sie einen Film auch tragen können. Hier und da beschleicht einen schon das Gefühl, dass sich die drei so benehmen, wie es vermeintlich nur Menschen im Kino tun: dämlich. Man sollte jedoch nicht zu streng mit ihnen sein, denn tatsächlich kommt es auch im echten Leben hin und wieder vor, dass Menschen sich dämlich benehmen, vor allem in Stresssituationen. Dem Drehbuch kommt die Dämlichkeit bisweilen zupass, wenn es darum geht, auf den nächsten dramatischen Höhepunkt hinzuarbeiten. Aber dass ein Drehbuch schlauer ist als seine Protagonisten, sollte man einem Film nicht vorwerfen, der genau mit diesem Umstand seinen Zuschauer, der ja die eigentliche Hauptperson ist, blendend unterhält.

Ganz zum Schluss ergibt auch der Titel einen Sinn, so man bis drei zählen kann. Erzählt wurde hier zwar die Entführung der Alice Creed, aber schlussendlich geht es doch um ihr Verschwinden. Der Titel ist genauso sorgfältig durchdacht wie der Rest des Films. Keine intellektuelle Großtat, aber ein Glücksfall von intelligenter Unterhaltung.











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