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DIRTY (USA 2006)

von Hasko Baumann

Original Titel. DIRTY
Laufzeit in Minuten. 97

Regie. CHRIS FISHER
Drehbuch. CHRIS FISHER . GIL REVAILL
Musik. RYAN BREVERIDGE
Kamera. ELIOT ROCKETT
Schnitt. TOM SANDERS . MIKLOS WRIGHT
Darsteller. CLIFTON COLLINS JR. . CUBA GOODING JR. . KEITH DAVID . WYCLEF JEAN u.a.

Review Datum. 2006-05-18
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Zwei Cops. Beide Ex-Gangbangers, beide korrupt, beide schon auf der schwarzen Liste der internen Ermittler. Fahren Streife in der Hölle namens Los Angeles. Der Weiße wird noch von moralischen Selbstzweifeln geplagt, dem Schwarzen ist schon alles scheißegal, so lange der Rubel rollt. Diese zwei Cops begleitet DIRTY einen schicksalhaften Tag lang. Ja, ein bißchen wie TRAINING DAY, ein bißchen wie NARC. Die waren auch ein bißchen wie andere Filme, aber sie waren gut. Sehr gut. Und DIRTY ist sehr schlecht.

Seit bei einer illegalen Aktion ein Unschuldiger durch ihre Hände starb, ist das Verhältnis von Officer Armando Sancho (Collins Jr.) und Officer Salim Adel (Gooding Jr.) nicht mehr dasselbe. Während Sancho immer wieder von dem traumatischen Erlebnis eingeholt wird, kennt Adel kein Halten mehr und belästigt Frauen, wo er nur kann. Für einen Gangsterboß (weggetreten: Wyclef Jean), dessen Fiesheit man am Akzent und am weißen Anzug erkennen kann, wollen sie einen letzten großen Deal über die Bühne bringen, aber da haben die zwei schmutzigen Cops am falschen Seil gezogen. Ihr Einheitsleiter (hat begriffen, daß er im Sleaze gelandet ist und chargiert hemmungslos: Keith David) ermutigt seine "Soldaten" zwar, dealt aber auch mit der Internen rum. Zwischen alle Fronten geraten, muß sich das Duo letztendlich zum Äußersten treiben lassen, und der Sensenmann holt ganz weit aus.

Chris Fisher glaubt offenkundig, er habe hier was Wichtiges zu erzählen. Daher versucht er, seine klischeebeladene Polizeifilmstory so effekthascherisch wie möglich aufzumotzen. Das geht peinlichst in die Hose. Der Voiceover von Collins Jr. haut DIRTY vom Fleck weg die Beine weg, viel zu viel und viel zu schlecht wird da schon vor den Credits erzählt, wofür der Film nachher keinen erzählerischen Aufwand mehr betreiben will. Sanchos Trauma manifestiert sich in billigsten Horrorfilm-Effekten, ständig krachen Zombiefratzen ins Geschehen. Wenn Officer Adel Frauen begrabscht, giert Fisher genauso danach wie sein schmieriger Protagonist. Überhaupt ist DIRTY eine Ansammlung von unausstehlichen Charakteren. Keine Identifikationsfigur, keine Spannung. Action gibt es auch keine, es sei denn, man will sehen, wie Oscar-Preisträger Cuba Gooding Jr. jemandem die Hand wegschießt.

Daß Gooding, bestes Beispiel für das Post-Oscar-Karriereloch, nach augenrollendem Schwachsinn wie SNOW DOGS und BOAT TRIP gern mal wieder zeigen wollte, daß er auch spielen kann, sei ihm gegönnt. Aber das Schwein in Uniform kauft man ihm nicht ab. Da helfen auch die geschätzten 2.000 "Fuck"s nicht, die ihm das Drehbuch vorschreibt. Noch enttäuschender Collins Jr., der in CAPOTE jüngst zu überzeugen wußte und hier eher an Bürger Lars Dietrich, der einen auf harte Sau machen will, erinnert.

Mit seiner prätentiösen Regie, die völlig stillos zwischen aufgesetztem Realismus (wilde Close-Ups, bis man nichts mehr sieht) und Hip Hop-Video-Sexismus (wo es geht, werden Möpse und Ärsche geifernd abgefilmt) umherflimmert, hat Fisher seinem uninteressanten und vulgären Polizeifilm den Todesstoß versetzt. Spätestens, wenn das russische Roulette angesetzt wird (das einer der beiden Teilnehmer in einem anderen Film genauso entschieden hat), will man nur noch duschen.











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