AFTER DARK Film TALK Facebook Twitter

das manifest¬  kontakt¬  impressum¬  verweise¬  übersicht¬ 
[   MEINUNGSMACHER  |   GEDRUCKTES IST TOT  |   KAPITELWAHL  |   UNENDLICHE TIEFEN
   MENSCHEN  |   GESPRÄCHE  |   FEGEFEUER DER EITELKEITEN  |   MIT BESTEN EMPFEHLUNGEN   ]
MEINUNGSMACHER

DINNER FÜR SPINNER (USA 2010)

von Sebastian Moitzheim

Original Titel. DINNER FOR SCHMUCKS
Laufzeit in Minuten. 114

Regie. JAY ROACH
Drehbuch. DAVID GUION . MICHAEL HANDELMAN
Musik. THEODORE SHAPIRO
Kamera. JIM DENAULT
Schnitt. ALAN BAUMGARTEN
Darsteller. STEVE CARELL . PAUL RUDD . ZACH GALIFIANAKIS . JEMAINE CLEMENT u.a.

Review Datum. 2010-09-14
Kinostart Deutschland. 2010-09-23

In ANCHORMAN und JUNGFRAU (40), MÄNNLICH SUCHT... arbeiteten Paul Rudd und Steve Carell bereits zusammen und bewiesen, dass die komödiantische Chemie zwischen den beiden stimmt. Regisseur Jay Roach, unter anderem verantwortlich für die harmlos-witzige Ben Stiller Komödie MEINE BRAUT, IHR VATER UND ICH, vereinte die beiden für DINNER FÜR SPINNER erneut vor der Kamera. Dessen Prämisse, übernommen vom gleichnamigen französischen Film aus dem Jahr 1998, klingt wahlweise nach bissiger Satire oder Voyeur-Kino für Menschen, die auch über Dieter Bohlens DSDS-Beleidigungen lachen - das Ergebnis ist beides nicht.

Rudd spielt Tim Conrad, der unbedingt in seinem Job vorankommen will und sich dafür auf ein zweifelhaftes Angebot seines Chefs (Bruce Greenwood) einlässt: Er soll zu einem Dinner mit ihm und weiteren Vorgesetzten einen "Idioten" mitbringen, einen Menschen, über den sich die anderen Anwesenden amüsieren können. Der skurrilste Idiot wird mit einem Preis "geehrt". Trotz vehementer Widersprüche seiner Freundin Julie (Stephanie Szostak) und eigener Skrupel beschließt Tim, das Dinner zu besuchen, als er Barry (Carell) kennenlernt. Der baut in seiner Freizeit kleine Szenen aus toten Mäusen, glänzt nicht gerade mit sozialen Kompetenzen, wohl aber einem grenzenlosen Optimismus und etwas kindlicher Weltsicht und bringt, als er ungefragt bei Tim auftaucht und kurzerhand einer Stalkerin (Lucy Punch) dessen Adresse gibt, Tims Beziehung zu Julie, die sich zu allem Überfluss auch noch zu dem durchgeknallten Künstler Kieran (Jemaine Clement) hingezogen fühlt, gehörig durcheinander.

Die große Stärke des Films ist seine Charakterzeichnung: Steve Carells Barry ist grandios schräg, aber auch extrem liebenswert. Natürlich lacht man über ihn, doch man kann auch kaum anders, als auf seiner Seite zu stehen. Tim, der an dem Dinner nicht aus Spaß an der Grausamkeit, sondern Ehrgeiz und dem Bedürfnis, seine Freundin zu beeindrucken, teilnimmt, taugt als Identifikationsfigur und bleibt, nicht zuletzt dank Mr. Nice Guy Paul Rudd, stets sympathisch.

Diese Liebe zu den Figuren, die am Ende natürlich von Rudds Charakter in einer fluffigen Hollywood-Moral zusammengefasst wird, nimmt DINNER FÜR SPINNER einerseits zwar den Biss, andererseits aber vor allem dem grandiosen Finale die voyeuristische Qualität - wenn klar ist, dass die "Idioten" hier eigentlich die Guten sind, Tims Vorgesetzte die im Original namensgebenden Schmucks, lässt sich deutlich hemmungsloser über die liebenswerten Verrückten lachen. Das Dinner selbst ist dann auch ein Schaulaufen skurriler Figuren, das seinesgleichen sucht und in einem "Duell" zwischen Carell und dem auf seine unnachahmlich absurde Art erneut großartigen Zach Galifianakis gipfelt.

Bis zu diesem Finale ist es jedoch ein langer Weg - knapp zwei Stunden läuft DINNER FÜR SPINNER und kann leider nicht durchgehend unterhalten. Nicht jede Pointe sitzt, nicht jeder Aspekt der Handlung ist glaubwürdig. Was seine Freundin in Künstler Kieran sieht, der zwar witzig, aber auch ziemlich bescheuert und in keinster Weise anziehend ist, bleibt offen und wirkt als Grund für Tims Unsicherheit und sein Bedürfnis, Julie zu beeindrucken, doch etwas konstruiert. Auch Tims Stalkerin Darla ist zwar nötig, um die Handlung in Gang zu bringen, ihre Szenen hätten aber gern ein Bisschen kürzer ausfallen können, denn wirklich lustig sind sie nicht.

So bleibt DINNER FÜR SPINNER ein zweischneidiges Schwert: Einerseits ist es erfreulich, dass die Gefahr, hier eine oberflächliche, menschenverachtende Komödie zu drehen, umgangen wurde, andererseits legt allerdings die Besetzung, mit Rudd, Carell, dem unterrepräsentierten Galifianakis und einer Riege aus Serien wie FLIGHT OF THE CONCHORDS oder THE IT CROWD bekannter Nebendarsteller geradezu ein Who is who? der aktuellen Comedy, deutlich mehr Potential nahe, als der Film letztlich ausschöpft.











AFTER DARK Film TALK | Facebook | Twitter :: Datenschutzerklärung | Impressum :: version 1.11 »»» © 2004-2018 a.s.