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DEATH RACE (USA 2008)

von Peter Martin

Original Titel. DEATH RACE
Laufzeit in Minuten. 89

Regie. PAUL W. S. ANDERSON
Drehbuch. PAUL W.S. ANDERSON . ROBERT THOM . CHARLES B
Musik. PAUL HASLINGER
Kamera. SCOTT KEVAN
Schnitt. NIVEN HOWIE
Darsteller. JASON STATHAM . JOAN ALLEN . TYRESE GIBSON . NATALIE MARTINEZ u.a.

Review Datum. 2008-09-14
Kinostart Deutschland. 2008-11-27

DEATH RACE bringt's! Und zwar das, was Paul W.S. Anderson und Jason Statham immer bringen. Ob das schlecht oder ganz furchtbar schlecht ist, hängt einzig und allein von der individuellen Toleranz- und Geschmacksgrenze ab.

Andersons hat seine Karriere auf seiner unvergleichlichen Fähigkeit aufgebaut, aus jedem Genrefilm jeglichen Spaß und jedes Leben rauszupressen. Er geht da hin, wo andere schon waren und feilt alle Kanten rund. So auch bei DEATH RACE. Das Original von 1975, laut Regisseur Paul Bartel auch schon von Produzent Roger Corman verhunzt, war mehr als ein guilty pleasure. Das Konzept - Autorennen durch Amerika, Punkte sammeln mit dem Überfahren von Passanten - war zu übertrieben, um ernst genommen zu werden, also wurden die Cartoon-Elemente voll ausgereizt. Tak Fujimotos farbenfrohe Kameraarbeit, David Carradines Post-Kung Fu-Held mit Maske (Spitzname Frankenstein), Sylvester Stallones Übermacho Machine Gun Joe (Sly schrieb seine Dialoge komplett um), schöne nackte Frauen, hier und da ein zerquetschter Schädel, Witze und noch mehr Witze (insbesondere über Franzosen); das alles verband sich zu einem temporeichen, kräftigen Topf Schwachsinn.

Corman sagte zu Bartel, daß ein härterer und realistischer Film viel erfolgreicher gewesen wäre. Es hat zwar über 30 Jahre gedauert, aber Cormans Wunsch sollte in Erfüllung gehen. Es ist keine Überraschung, daß Cormans Name drei Mal im Vorspann auftaucht. Anderson versetzt sein Todesrennen in die nahe Zukunft, aber wirft die Idee eines landesweiten Rennens und die damit verbundenen Angriffe auf unschuldige Zivilisten über Bord. Stattdessen stellt er sich vor, das Justizsystem sei privatisiert worden und die schlimmsten Hardcore-Kriminellen alle zusammen in ein Inselgefängnis gepfercht. Einige von ihnen dürfen um Leben und Ton Rennen fahren, zum Vergnügen von Millionen von Pay Per View-Zuschauern - und dem Versprechen auf Bewährung, wenn sie 5 Rennen überleben.

Natürlich eliminiert Andersons Mischmasch aus DEATH RACE, DIE KLAPPERSCHLANGE und ROBOCOP die satirischen Untertöne des Originals und ersetzt sie durch billige, offensichtliche Witze. "Wir sind größer als der Super Bowl", kräht die Gefängnisdirektorin - gespielt von Joan Allen, ein Karriereschritt, der sprachlos macht. Die Cartoonfarben wurden zu einem bedrückenden Grau, manchmal fast schwarz-weiß, in monochromer Monotonie. Das "große Rennen" wird in drei tägliche Events aufgeteilt, um die Fernseheinnahmen zu steigern, aber jedes Rennen findet auf derselben Strecke statt, wo es kein Publikum außer den Mannschaften in der Boxengasse gibt. Es gibt keine Umschnitte zu blutdürstigen Zuschauern, so daß jede Referenz zu römischen Gladiatoren (oder dem Super Bowl) nicht stattfindet. Anderson stellt die Kamera in seltsamen, nicht gerade schmeichelhaften Winkeln auf, die es unmöglich machen, den Rennen zu folgen - oder herauszufinden, wer welches Auto fährt, insbesondere bei diesem verworrenen Schnitt.

Statham spielt Jensen Ames, einen ehrbaren, liebevollen Familenmenschen und früheren Rennfahrer, dem man den Mord an seiner Frau angehängt hat. Als er im Gefängnis ankommt, lädt ihn Joan Allen ein, am Death Race teilzunehmen, und zwar als der legendäre Frankenstein (die Eröffnungssequenz zeigt den Tode des vorigen Maskenträgers, der mit der Stimme von David Carradine spricht). Statham läßt sich schließlich darauf ein, nur weil ihm verprochen wird, daß er schon nach einem Sieg die Freihet geschenkt bekommt.

Es ist eine Rolle, die Statham im Schlaf spielen könnte, und genau das macht er dieses Mal auch. Er wacht ab und zu auf im Zusammenspiel mit Chefmechaniker Ian McShane, der ständig mit Weisheiten um sich wirft, und mit Erzrivalen Machine Gun Joe (Tyrese Gibson, der sich für härter hält als er ist). Natalie Martinez füllt ein Tank Top schön aus, aber sie legt es nie ab, und als Chefnavigator hat sie nicht mehr zu tun als Brust raus und schreien.

Unser größtes Lob muß aber Joan Allen gelten. Als Gefängnisdirektorin Hennessey liefert sie eine Leistung ab, die einen Oscar wert ist - schon allein für ihre Fähigkeit, Dialogzeilen wie "Frankenstein kann nicht getötet werden, er ist eine Maske" mit ernster Miene darzubieten. Ms. Allen, wir verneigen uns, und hoffen, daß Sie ihre Gage weise investieren. Es muß eine sehr große Summe gewesen sein.











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