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THE DA VINCI CODE - SAKRILEG (USA 2006)

von Martin Eberle

Original Titel. THE DA VINCI CODE
Laufzeit in Minuten. 152

Regie. RON HOWARD
Drehbuch. AKIVA GOLDSMAN
Musik. HANS ZIMMER
Kamera. SALVATORE TOTINO
Schnitt. DANIEL P. HANLEY . MIKE HILL
Darsteller. TOM HANKS . AUDREY TAUTOU . IAN McCALLEN . PAUL BETTANY u.a.

Review Datum. 2006-05-18
Kinostart Deutschland. 2006-05-18

Die Idee aus Dan Browns Romanvorlage hat schon einigen Charme:
Jesus Christus und Maria Magdalena sollen verheiratet gewesen sein und ein Kind gezeugt haben. Statt Petrus hätte deren gemeinsame Tochter die Weltkirche führen sollen. Statt Zölibat, Sinnlichkeit, statt Hass und Krieg Sex und Frieden. Damit aber der Altherrenverein Katholische Kirche weiterhin so machtvoll die Welt bewegen kann, setzt der ruchlose Geheimbund Opus Dei einen Meuchelmönch auf all jene an, die dieses Geheimnis heute noch lüften könnten.
Eine hübsche Verschwörungstheorie, die nebenbei auch noch die manische Frauenfeindlichkeit der katholischen Kirche erklärt.

Was macht Regisseur Ron Howard draus? Einen zweieinhalb Stunden dauernden Blockbuster-Schinken, der so einiges auffährt: perfekte Kameraeinstellungen, eine elegante, gefühlvolle Montage, pittoreske Orte und ein namhaftes Schauspieleraufgebot.

Aber: alles für die Katz. Denn der Film ist WAHNSINNIG langweilig, UNGLAUBLICH spannungsarm, IRRE öde.

Diese, nun ja, retardierenden Momente, zwischen denen der Film hin und her taumelt, sind sicherlich der Romanvorlage geschuldet. Selbst nur die Highlights von 2000 Jahren Kirchengeschichte führen zu einem ständigen Erklärungsnotstand. Die Verschwörungstheorie muss in ewig langen Elaboraten erzählt werden, wobei all die hübschen Versatzstücke aus christlicher und heidnischer Mythologie (Tempelritter, Blutlinien uvm.) zu einem wirren, halbseidenen Garn gesponnen werden, das nicht immer Sinn macht.
Optisch ambitionierte Flashbacks sollen die Textstrecken zwar aufpeppen, aber so irrsinnig originell sind Jetztzeitverwebungen mit Rückblenden nun auch wieder nicht und ändern im Übrigen nichts am Grundproblem: der ständigen Langeweile.

Diese Ödnis scheint übrigens auch auf Superstar Tom Hanks übergegangen zu sein. Er spielt den Symbolexperten Robert Langdon seltsam sediert und gibt mit seiner spärlichen Mimik ein schlecht motiviertes Bill-Murray-Double ab: ähnlich zurückgenommen aber nicht annähernd so souverän.

Wie auf einem Kindergeburtstag mit Schnitzeljagd trödelt er von einer vorhersehbaren Station zur nächsten. Der Plot wirkt dabei so kraftlos und hinfällig, dass man flugs den Pfadfindern beitreten möchte, das zittrige Kerlchen schafft es doch nie allein über die Strasse! Braucht man aber doch nicht, denn im Drehbuch hat die Deus ex machina einen festen Platz. Sie zaubert uns immer wieder einen sinnlosen Schritt weiter.

Zugegeben, es gibt auch schöne Momente: immer dann, wenn die perfide Schizomoral der Kirche durchschimmert. Das schafft Paul Bettany, der den mordenden Mönch Silas spielt, besonders eindrucksvoll. Er changiert zwischen brutalem Ausputzer und büßendem Sünder. Aber es bleibt nur bei kurzen Momenten.

Man meint, den Drang der Filmemacher zu spüren, nur ja niemanden zu sehr auf die Füße treten zu wollen. Schnell wird es wieder wischiwaschi, monologisch, langatmig, unentschlossen, rudimentär. Für einen Actionfilm gibt es zu wenig Action, für einen Thriller zu wenig thrill, für eine Romanze zu wenig Romantik.... was will also dieser Film? Vielleicht doch uns alle zum Glauben an eine Maria Magdalena-Christentumsvariante bekehren, denn zum Schluss macht THE DA VINCI CODE eine deutliche Wende zur klerikalen Kitschklamotte mit alberner Gebetseinlage.

Mit etwas Glück findet der Film sein Publikum, denn siehe: "Selig sind, die da geistig arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich." (Matthäus 5.4)

Und dann passt es ja wieder, denn so ein Himmelreich soll ja nun auch nicht der spannendste Ort sein.











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