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THE DARK AND THE WICKED (USA 2020)

von André Becker

Original Titel. THE DARK AND THE WICKED
Laufzeit in Minuten. 95

Regie. BRYAN BERTINO
Drehbuch. BRYAN BERTINO
Musik. TOM SCHRAEDER
Kamera. TRISTAN NYBY
Schnitt. WILLIAM BOODELL . ZACHARY WEINTRAUB
Darsteller. MARIN IRELAND . MICHAEL ABBOTT JR. . JULIE OLIVER-TOUCHSTONE . XANDER BERKELEY u.a.

Review Datum. 2022-04-18
Kinostart Deutschland. 2022-04-14

Als Bryan Bertino im Jahr 2008 den kleinen aber feinen Thriller THE STRANGERS vorlegte, wurde ihm vielerorts eine glorreiche Zukunft im Genre-Kino prognostiziert. So wirklich geklappt hat es mit der Karriere danach aber nicht. Bertino blieb im Geschäft, allerdings mit einem eher überschaubaren Output und Regiearbeiten, die schnell wieder vergessen waren und allerhöchstens auf den einschlägigen Festivals ihr Publikum fanden (etwa THE MONSTER, der hierzulande im Rahmen der Fantasy Filmfest White Nights 2017 lief). Das im Zusammenhang mit Bertino selbst heute noch mit THE STRANGERS geworben wird, ist mehr als bezeichnend.

Der 2020 produzierte THE DARK AND THE WICKED ließ jedoch aufhorchen. Die überwiegend positiven Reviews stimmten optimistisch hier gerade kein am Reißbrett entworfenen Horror-Schnellschuss aufgetischt zu bekommen, sondern einen Genre-Film mit Seltenheitswert. Das Wort Hype ist in diesem Zusammenhang vielleicht ein wenig hoch gegriffen, aber Bertinos vierte Regiearbeit hat durchaus hohe Erwartungen geschürt.

THE DARK AND THE WICKED ist bewusst minimalistisch angelegt (hier wäre eine deutliche Parallele zu Bertionos Erstlingswerk THE STRANGERS). Es gibt einen zentralen Schauplatz, wenige Hauptfiguren und ein sehr reduziert angelegtes Drehbuch, das die Handlungseckpfeiler bewusst vage lässt. Bertino geht es dabei weniger um den Plot als vielmehr um die Atmosphäre, die er bereits in den Anfangsminuten mit stimmungsvollen Einstellungen aufbaut.

Fast der gesamte Film spielt dabei in den Räumen einer abgelegenen Farm. Hier haben sich die Geschwister Louise und Michael Straker (überzeugend: Marin Ireland, Michael Abbott Jr.) eingefunden um von ihrem schwerkranken Vater Abschied zu nehmen. Die Reise zu ihren Eltern wird jedoch schnell zu einem Alptraum, denn auf dem Gelände der Farm lauert etwas Böses, dass droht die gesamte Familie in den Abgrund zu reißen.

Bertino dreht in den sehr effizient genutzten etwa 90 Minuten Spielzeit gekonnt an der Spannungsschraube und verwendet hier sowohl Andeutungen als auch konkrete Schreckensbilder um das Bedrohungsszenario des Films schrittweise aufzudecken. Es sind oftmals die Auslassungen, die besonders stark an den Nerven zerren und für die nötige Grusel-Stimmung sorgen. Etwa wenn die Geschwister immer wieder Geräusche und schemenhafte Gestalten wahrnehmen, die sich doch nie allumfassend zeigen. Bertinos Inszenierungsstil setzt allerdings nicht nur auf subtilen Horror, sondern integriert auch mehrere Jump scares, die vom Regisseur aber sehr dezent eingesetzt werden und ihre Wirkung meist nicht verfehlen.

THE DARK AND THE WICKED wirkt daher auch nicht aus der Zeit gefallen. Bertinos souveräner Umgang mit den Mechanismen des Horrorkinos legt vielmehr offen, dass der Regisseur weiß, welche Stilmittel er wann und in welcher Intensität einsetzen muss. Unter der Oberfläche des Haunted-House-Horrors erzählt der Film aber ebenso von der Unfähigkeit den Tod zu akzeptieren und ihn als Bestandteil des Lebens zu sehen. Über fast jeder Szene liegt daher auch eine große Traurigkeit, die sich tief in den Gesichtern der Protagonisten eingegraben hat und die fast mit den Händen greifbar ist.

Bryan Bertino hat mit THE DARK AND THE WICKED einen überdurchschnittlich gut inszenierten, hochgradig spannenden, Horrorfilm geschaffen, der zeigt, dass man auf den Regisseur (wieder) zählen kann und auch seine Folgeprojekte weiter im Augen behalten sollte. Schön, dass diese Produktion, mit einiger Verspätung, hierzulande doch noch mit einem limitierten Release in den Kinos zu sehen ist.











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