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CRAWL (Australien 2011)

von Florian Lieb

Original Titel. CRAWL
Laufzeit in Minuten. 80

Regie. PAUL CHINA
Drehbuch. PAUL CHINA
Musik. CHRISTOPHER GORDON
Kamera. BRIAN J. BREHENY
Schnitt. BIN LI . JOHN SCOTT
Darsteller. GEORGINA HAIG . GEORGE SHEVTSOV . PAUL HOLMES . ANDY BARCLAY u.a.

Review Datum. 2012-09-25
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Im Falle abgelegener Häuser in der Einöde gilt wohl der Grundsatz: Geschenkt ist noch zu teuer. Wenn das nächste Zeichen der Zivilisation mehrere Kilometer entfernt ist, stehen Mörder und Psychopaten in Konsequenz vor der Tür. So auch in Paul Chinas Debütfilm CRAWL, in welchem sich Georgina Haigs kesse Kellnerin eines kroatischen Auftragskillers erwehren muss, der auf der Durchfahrt durch die australische Steppe einen Unfall gebaut hat. Eine im Prinzip recht simple Story auf die der Trailer, der geschickt A SERIOUS MAN der Coen Bros. nachäffte, nicht wirklich schließen lassen wollte. Wer also einen bizarr-interessanten Mix aus den Coens und David Lynch erhofft, wird bitter enttäuscht. Denn CRAWL ist letztendlich nicht mehr als 0815-Genrekost. Und nicht einmal gute.

Dies fängt bereits bei der Besetzung an. Paul Holmes als Bar-Besitzer Slim ist eine Spur zu schleimig geraten und letztlich auch zu unglaubwürdig in seiner unbedeutenden Rolle, als dass er wirklich überzeugen könnte. Und dass George Shevtsov ein geheimnisvoller auf Cowboy machender kroatischer "Hitman" ist, will auch nicht so recht im Hirn ankommen. Wenn zwei der drei zentralen Figuren also nicht funktionieren, funktioniert der Film selbst auch nur bedingt. Denn auch Haid kann mit ihren großen runden Emma Stone-Äuglein keine große Empathie erzeugen, wie auch der paranoide Grusel im alleinstehenden Haus selten auf den Zuschauer überzuspringen vermag. Insbesondere dann nicht, wenn sich die Figuren völlig losgelöst von jeder Rationalität der obligatorischen fehlenden Logik des Horror-Genres ergeben.

Wie so oft sind die Charaktere eindimensionale Abziehbilder aus dem Horror-Panini-Heft. Man mag sich nicht mehr drüber ärgern, nur dann, wenn letztlich nicht mal der gewünschte Effekt erzielt wird. CRAWL reißt selten mit und generiert zu keinem Zeitpunkt ein Interesse an seinen Figuren. Denen fehlt primär ein gewisses Maß an Eigenständigkeit. Ein Handeln oder eine Motivation, die sich durch ihre Persönlichkeit erklären lassen - und nicht, weil es das Genre, oder die Vorstellung des Drehbuchautors vom Genre, so vorsieht. Dass China den Film mit einer RED-Kamera gedreht hat, führt letztlich auch zu dem eher gegenteiligen Effekt eines billigen TV-Films, dessen bunte Farbgebung, gerade in Slims Bar, dem angestrebten dunklen Horor-Thriller-Charme von CRAWL zuwiderläuft. So ist die geringe Laufzeit von nur 80 Minuten am Ende eine der größten Qualitäten von Chinas Debütfilm.











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