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THE CONGRESS (USA 2013)

von Sebastian Moitzheim

Original Titel. THE CONGRESS
Laufzeit in Minuten. 122

Regie. ARI FOLMAN
Drehbuch. ARI FOLMAN
Musik. MAX RICHTER
Kamera. MICHAEL ENGLERT
Schnitt. NILI FELLER
Darsteller. ROBIN WRIGHT . HARVEY KEITEL . JON HAMM . PAUL GIAMATTI u.a.

Review Datum. 2013-09-13
Kinostart Deutschland. 2013-09-12

Ich würde lügen, würde ich behaupten, ich hätte Ari Folmans THE CONGRESS verstanden. Im Ansatz. Ich bin mir aber auch nicht ganz sicher, ob es an dem Film überhaupt etwas zu verstehen gibt, oder ob Folman einfach mal eine ungeordnete, unzusammenhängende, widersprüchliche Masse an Ideen an die (Lein-)Wand geworfen hat, in der Hoffnung, dass irgendetwas hängen bleibt. Es gibt allerdings definitiv eine Menge zu sehen, zu entdecken und zu fühlen in THE CONGRESS, was ihn trotz seinem wahlweise als stream-of-consciousness oder einfach als Schwachsinn zu bezeichnenden Inhalt durchaus sehenswert macht.

THE CONGRESS ist technisch gesehen eine sehr lose Interpretation von Stanislaw Lems Roman Der futurologische Kongress, praktisch kann man diese Tatsache allerdings vermutlich ignorieren. Robin Wright spielt Robin Wright, eine alternde Schauspielerin, der es in den letzten Jahren an Rollenangeboten mangelt und die sich aus Verzweiflung von ihrem Agenten (Harvey Keitel) überreden lässt, ihr digitales Abbild an die Miramount Studios (sic) zu verkaufen. Das bedeutet: Miramount scannt Wright, ihren Körper, ihre Emotionen und erstellt ein digitales Abbild, das sie nach eigenem Belieben in Filmen verwenden können und das sich nach Bedarf verjüngen und verändern lässt. Wright verpflichtet sich dafür, nie wieder zu schauspielern.

Bis hierhin ist THE CONGRESS als Realfilm inszeniert. Erst, als wir Wright 20 Jahre später wieder begegnen und sie zum Futurologischen Kongress (was immer das ist) begleiten, wechselt Folman zur Animation - und die Handlung von einer persönlichen Geschichte über eine alternde Schauspielerin zu einer dystopischen Sci-Fi-Story. Es geht möglicherweise um die Zukunft des Films oder um virtuelle Realität oder um die (angeblichen) Gefahren von Psychopharmaka oder um alles das oder um gar nichts.

Folman schafft es weder im ersten Realfilm-Teil noch im animierten Teil den Eindruck zu erwecken, die Ereignisse von THE CONGRESS würden in einer durchdachten, funktionierenden Welt stattfinden, eine Welt, die größer ist als das Gezeigte, die nicht ausschließlich um die Geschichte von Robin Wright herum konzipiert ist (noch erweckt er den Eindruck, dass er Interesse daran hätte, eine solche Welt zu entwerfen). Man ist daher nie wirklich involviert in das Geschehen - zu unglaubwürdig, zu wenig rund sind die von Folman erdachten Szenarien und zu zweckmäßig die meisten Charaktere.

Was den Reiz von THE CONGRESS ausmacht, ist vielmehr die schiere Reizüberflutung, besonders im zweiten, animierten Teil. Folmans visueller Einfallsreichtum, die Referenzdichte seiner animierten Welt, seine offensichtliche Freude daran, die Möglichkeiten des Trickfilms auszureizen und Dinge zu zeigen, die im Realfilm noch immer nicht möglich wären (oder zumindest in ihrer Cartoonhaftigkeit wie Fremdkörper wirken würden) machen Spaß und lassen zumindest teilweise vergessen, dass Folman entweder nichts oder viel zu viel zu erzählen hat.

Dennoch: Auf ganzer Länge ist THE CONGRESS in erster Linie anstrengend. Immer wieder gibt es Momente, die im Gedächtnis bleiben, die manchmal sogar berühren, doch sie hängen in der Luft, sind nie Teil einer involvierenden, größeren Erzählung. Folman ist ganz offensichtlich ein Mann mit vielen, vielen Ideen. Würde er die ein oder andere dieser Ideen einmal wirklich ausformulieren und -arbeiten und nicht immer auf halbem Wege das Interesse verlieren, könnte er sicher großartige, faszinierende und einzigartige Filme drehen. Ansonsten kommt eben so was wie THE CONGRESS heraus.











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