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COHERENCE (USA 2013)

von André Becker

Original Titel. COHERENCE
Laufzeit in Minuten. 89

Regie. JAMES WARD BYRKIT
Drehbuch. JAMES WARD BYRKIT . ALEX MANUGIAN
Musik. KRISTIN ØHRN DYRUD
Kamera. NIC SADLER
Schnitt. LANCE PEREIRA
Darsteller. EMILY BALDONI . NICHOLAS BRENDON . MAURY STERLING . ELIZABETH GRACEN u.a.

Review Datum. 2014-12-24
Kinostart Deutschland. 2014-12-25

Der mit Mini-Budget realisierte COHERENCE startet wie ein klassisches Beziehungsdrama. Eine Gruppe von Freunden (u.a. Emily Baldoni, Nicholas Brendon) trifft sich zu einem gemeinsamen Abendessen. Die Stimmung wirkt ausgelassen, aber bereits nach kurzer Zeit beginnen, wenngleich eher zaghaft, die ersten kleineren Anfeindungen und verbalen Sticheleien. Alte Konflikte hängen unausgesprochen in der Luft und schnell wird deutlich, dass die anwesenden Personen mit schwerwiegenden (emotionalen und zwischenmenschlichen) Problemen zu kämpfen haben. Zeit zum Diskutieren bleibt jedoch nicht, denn plötzlich geschehen mehrere mysteriöse Vorkommnisse, die scheinbar mit einem vorbeifliegenden Kometen zusammenhängen und die physikalischen Gesetze durcheinander wirbeln. Als die Gruppe entdeckt, dass mehrere Realitäten parallel nebeneinander existieren und insofern auch mehrere Versionen ihrer Selbst das Zeit-Raum-Gefüge beeinflussen nimmt das Unheil seinen Lauf.

Das Spielfilmdebüt von Regisseur James Ward Byrkit (bislang vorwiegend an Drehbüchern beteiligt) glückt das Kunststück bereits nach kurzer Zeit und ohne billige Schocks eine hochgradig beklemmende, extrem intensive Atmosphäre zu kreieren. Dies liegt in erster Linie daran, dass der Film anfangs bewusst lediglich kleine Informationsbröckchen als Orientierung anbietet. COHERENCE bleibt diesbezüglich allerdings vollkommen unberechenbar, da im Filmverlauf mehrere Ereignisse die jeweiligen Deutungsmuster der Geschehnisse neu anordnen und zusätzliche Implikationen das Publikum zum stetigen Mitdenken auffordern.

Die Stärke des Films ist vor allem das geschickt aufgebaute Verwirrspiel mit Erklärungsansätzen und den jeweiligen Folgen für die Handlungen der Protagonisten und den Fortgang der kammerspielartig inszenierten Geschichte. Das clevere Skript vollzieht dabei mehrere unerwartete Wendungen, die dazu führen, dass die einzelnen Puzzleteile der Story erst am Schluss zusammenfinden und dennoch mehrere Fragen unbeantwortet bleiben und sich primär im Kopfkino des Zuschauers manifestieren. Was ist Realität? Was pure Einbildung? Und vor allem: Gibt es einen Ausweg für die Beteiligten?

COHERENCE ist endlich mal wieder ein intelligent aufgebauter Science Fiction-Film, der aufgrund der unheilvollen Stimmung auch als nervenaufreibender Horrorfilm funktioniert. Das atemlose Tempo und die vielschichtigen Interpretationsebenen der rätselhaften Begebenheiten erzeugen einen Sog, dem man sich nur schwerlich entziehen kann. Der spröde Look der Bilder und die mitunter improvisiert wirkenden Dialoge sorgen darüber hinaus für ein authentisches Independentfilm-Flair. Trotz einiger verzwickter Story-Prämissen bleibt James Ward Byrkits Low-Budget-Werk ein zwar komplexes, aber letztlich doch überwiegend zugängliches Stück elektrisierendes Spannungskino. Ein definitiver Geheimtipp, der eine Entdeckung und eine weiterführende Auseinandersetzung lohnt.











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