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CHUCKYS BABY (USA 2004)

von Hasko Baumann

Original Titel. SEED OF CHUCKY
Laufzeit in Minuten. 89

Regie. DON MANCINI
Drehbuch. DON MANCINI
Musik. PINO DONAGGIO
Kamera. VERNON LAYTON
Schnitt. CHRIS DICKENS . ILINCA NANOVEANU
Darsteller. JENNIFER TILLY . REDMAN . HANNAH SPEARRITT . JOHN WATERS u.a.

Review Datum. 2005-05-10
Kinostart Deutschland. 2005-05-26

Was ist nur aus all den Hackfressen der 80er geworden? Pinhead ist als Stichwortgeber in Sachen "Direct to Video" unterwegs. Jason muß sich von Freddy Krueger rumkommandieren lassen, der wiederum selber schon seit diversen Fortsetzungen als Möchtegern-Komiker nervt. Michael Myers muß die Leinwand mit Busta Rhymes teilen. Und Chucky, die Mörderpuppe? Da wollen wir mal ehrlich sein: Nach seinem grandiosen Einstand in Tom Hollands CHILD'S PLAY anno 1989 ging uns der kleine häßliche Messerstecher in Teil 2 und 3 schon ziemlich auf den Zünder. Daß ausgerechnet Ronny Yu der siechen Serie mit BRIDE OF CHUCKY nochmal eine Vitaminspritze verabreichen würde – damit war nicht zu rechnen.

Genauso wenig wie mit diesem nunmehr fünften Teil des Kasperletheaters. Hatte Ronny Yu noch das Groteske an Chucky und seiner neuen Puppenbraut Tiffany mit viel Witz präsentiert, so ist Don Mancinis SEED OF CHUCKY nur noch grotesk. Schon ziemlich zu Anfang sieht man den zwei abgrundtief häßlichen Puppen beim Knutschen zu, während aus dem Rumpf eines frisch enthaupteten Mannes Blut auf ihre Visagen spritzt – da fragt man sich dann doch, was man sich hier eigentlich ansieht. Der Rest ist ähnlich absurd: Nachdem Chucky (wie immer gesprochen von Brad Dourif) und Tiffany (wieder Jennifer Tilly) von einer Puppe, die ihr Sohn zu sein glaubt (!), reanimiert werden, beschließen sie, Nachwuchs zu bekommen, was natürlich nur durch Fremdbesamung eines Menschen zu bewerkstelligen ist. Da man in Hollywood eh gerade sich selbst spielen sollte, will man nach den Stars greifen und wählt die echte Jennifer Tilly als unfreiwillige Mutter aus. Was folgt, ist hysterisches Gewusel, ein wenig goriges Gehacke und die Mörderpuppenversion von ORDINARY PEOPLE.

Wie auch schon in Wes Cravens NEW NIGHTMARE spielen die menschlichen Hauptdarsteller, Jennifer Tilly und der entsetzlich fade Redman, sich selbst. War Wes Cravens Film, so uneinheitlich und wirr er letztlich aussah, immerhin der Versuch eines Vexierspiels mit Realität und Fiktion, so ist dieses Prinzip bei CHUCKY ein einziger billiger Gag. Und dieser Gag geht komplett auf Kosten von Jennifer Tilly, einer überaus sympathischen und talentierten Schauspielerin, die sich hier als dumme, nuttige, verbitterte Schlampe darstellt. Warum Frau Tilly sich derart entwürdigen läßt, vermag ich nicht zu sagen; es sich anzusehen macht auf jeden Fall keinen Spaß. Die ständigen faden Scherze über ihre Lesbenszenen in BOUND sind an Verklemmtheit kaum zu überbieten, und sich breitbeinig von einer fiesen Puppe besamen zu lassen, ist vielleicht auch nicht der klügste Karriereschritt.

Don Mancini, seit je her Kopf der CHUCKY-Filme, fand das alles aber ungemein lustig und weiß auch überhaupt nicht, wann Schluß ist. Der Auftritt von John Waters als Paparazzo ist absolut reizlos (beim Casting hört der Gag schon wieder auf), das Hollywood-Setting ebenfalls, da der Film fast nur in Tillys Haus spielt und dementsprechend für zwofuffzich in Rumänien gedreht wurde, und mit Insiderwitzen kann man mir auch gestohlen bleiben: Ed Wood-Referenzen sind für Eingeweihte nur noch öde und für den erheblich größeren Rest eh unverständlich, und SHINING darf auch mal in die Parodien-Schonzeit gehen. Die Morde sind deftig, aber schlecht in Szene gesetzt, und die erstaunliche Geschwätzigkeit der Puppenszenen springt mehrere Meter weit über die Grenze des Erträglichen.

Die Ödnis dieser hysterischen Nervensäge von Film macht der Mörderpuppe den Garaus. Ich kann nur hoffen, daß Jennifer Tilly das alles schadlos übersteht. Bleib weg von Typen wie Don, Mädchen.











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