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CARRIERS (USA 2009)

von Martin Eberle

Original Titel. CARRIERS
Laufzeit in Minuten. 90

Regie. ÀLEX PASTOR . DAVID PASTOR
Drehbuch. ÀLEX PASTOR . DAVID PASTOR
Musik. PETER NASHEL
Kamera. BENOÎT DEBIE
Schnitt. CRAIG MCKAY
Darsteller. LOU TAYLOR PUCCI . CHRIS PINE . PIPER PERABO . EMILY VANCAMP u.a.

Review Datum. 2009-09-03
Kinostart Deutschland. 2009-10-01

Silberner Sport-Mercedes auf einem amerikanischen Highway, "ROAD WARRIOR" auf die Motorhaube gemalt. Im Auto vier junge Menschen aus der Hollywood-Konfektionsabteilung: die niedliche Schüchterne, die sexy Kesse, der nachdenkliche Schlaui und sein Bruder, der pseudorebellische Idiot, Bier am Hals und lustige Archlochstunts wie freihändiges Fahren ohne zu gucken. Alles wie gehabt, man erwartet den nächsten Aufguss einer Genre-Gurke. Doch es kommt anders. Ein Wagen, der die Weiterfahrt versperrt, die Bitte des Fahrers um etwas Benzin, dessen kleine Tochter im Fond linst zu den Jungmenschen. Daddys Schraubenschlüssel als Argumentationshilfe lässt die Situation eskalieren, Gaspedal, Seitenstreifen, der aufgeschrabbte Öltopf lässt die fiese Angeberkarre ein paar Kilometer weiter den Geist aufgeben. Mit Desinfektionsmittel und einer Knarre geht's zurück... soviel ist klar: das hier ist kein Freizeitausflug schnöseliger Jungamerikaner, vielmehr ist hier etwas ganz gehörig aus den Fugen geraten: ein sehr ansteckender tödlicher Virus, der die Welt entvölkert und die zwischenmenschliche Bande, Mitgefühl, Empathie, auf eine harte Probe stellt.

Das Regisseur- und Brüderpaar Àlex und David Pastor zeigt eine Zeit des Übergangs vom zivilen Miteinander zum postapokalyptischen Chaos, ein Roadmovie, das die Brüder Ryan (Chris Pine) und Danny (Lou Taylor Pucci) begleitet. Zusammen mit zwei Begleiterinnen, Ryans Freundin Bobby (Piper Perabo, die Freche) und Dannys Bekannter Kate (Emily VanCamp, die Schüchterne) versuchen sie sich mit ihren Surfbrettern ans Meer durchzuschlagen, an einen Ort, an dem sie unbeschwerte Zeiten erlebt hatten, der ihnen als Erweckung einer untergehenden Normalität dienen soll.

Bei CARRIERS entledigen sich die Gebrüder Pastors allen überflüssigen Ballasts: keine verschwurbelten Wissenschaftsexkurse zur Herkunft des Virus, kein plumper Erklärbär, der durch den Plot tappst, kein überstrapazierter Zombiehorror inklusive ausgelutschter Schockmomente. Vor allem aber, und das ist besonders eindrucksvoll, verzichten sie auf fadenscheinig konstruierte Auswege. Sie lassen ihre Protagonisten in dem Dilemma, das die Desintegration der sozialen Welt für sie bedeutet. Die vier müssen Entscheidungen treffen, die entweder das Überleben unwahrscheinlicher machen oder aber zu ihrer eigenen Entmenschlichung führen. Heuchlerische Gutmenschenexzesse à la DEEP IMPACT um die groß- und edelmütigsten Taten ("Nimm DU den letzten Platz im Rettungsheli!", "Nein, nimm DU ihn, deine kleine Tochter braucht dich dringender!", "Nein, sie braucht DICH dringender!", "Nein, DICH!!!", "Nein, DICH!!!" usw. usf.) trösten hier nicht.

CARRIERS nimmt sein Ausgangsszenario sehr ernst, beobachtet beiläufig diesen einen kleinen Aspekt einer globalen Katastrophe, eine kleine sympathische Gruppe auf ihrer sonnenbeschienenen Reise into the heart of darkness. Er lässt eine neue Härte einziehen, die nichts mit dem Fremden zu tun hat, das auf einmal in das eigentlich geordnete Leben einbricht, sondern mit dem eigenen Überlebenswillen, in all seinen Konsequenzen, ohne Trost, ohne Auflösung, ohne fulminantes Finale. Ein kleiner, feiner Film, den ich so schon lange mal sehen wollte.











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