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CABIN FEVER 2: SPRING FEVER (USA 2009)

von Jenny Jecke

Original Titel. CABIN FEVER 2: SPRING FEVER
Laufzeit in Minuten. 100

Regie. TI WEST
Drehbuch. JOSHUA MALKIN
Musik. RYAN SHORE
Kamera. ELIOT ROCKETT
Schnitt. JANICE HAMPTON
Darsteller. RIDER STRONG . NOAH SEGAN . GIUSEPPE ANDREWS . ALEXI WASSER u.a.

Review Datum. 2010-02-15
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Manchmal schämt man sich geradezu, wenn man im Kino sitzt und lacht. Sagt einem das Geschehen auf der Leinwand zu, dann sollte man eigentlich dazu stehen, wartet auch der Rest der Welt mit hämischer Kritik. Doch CABIN FEVER 2: SPRING FEVER ist in dieser Hinsicht eine ganz besonders schwere Herausforderung der eigenen Prinzipien. Das Sequel von Eli Roths Debüt ist nämlich überaus schlecht. Nicht die Nonstop-Geschmacklosigkeit ist hier aber das niederschmetternde Kriterium, sondern die handwerkliche Einfältigkeit, mit der diese vorgetragen wird. Vom Drehbuch, das selbst für einen Low Budget-Splatter über matschige Körperteile und vereiterte Pusteln mager geraten ist und am Ende der Zersetzung anheim fällt, bis zum Hackebeil-Schnitt, fällt es unglaublich schwer, dem Film irgendeinen positiven Aspekt abzuringen, legt man die inhaltlichen und formalen Karten auf den Tisch.

Die Idee, fleischfressende Bakterien auf eine Gruppe von Menschen loszulassen und diese mit den nicht zimperlichen Eindämmungsmaßnahmen der Polizei zu konfrontieren, kann hypothetisch gesehen für Horror sorgen oder einfach nur die Freude am eigenen Ekel befriedigen. CABIN FEVER 2 hat sich für letzteres entschieden. Weder baut der Film irgendeine Form von Spannung auf, dazu fehlt nicht nur das inszenatorische Können, vielmehr in erster Linie die Intention. Noch entwickelt er ein auch nur geringfügiges Interesse an seinen Figuren. Vollgestopft mit unsympathischen und teilweise extrem ätzenden Stereotypen, bergen die Geschehnisse die Wurzeln eines entweder absolut nervenden oder vollkommen uninteressanten Filmerlebnisses schon in sich.

Eine High School ist diesmal Ort der Infektion, weil das lokale Trinkwasser von den menschlichen Überresten aus dem ersten Teil nicht verschont geblieben ist. Ausgerechnet beim Abschlussball, in so gut wie jeder amerikanischen Filmerzählung Fixpunkt der Auseinandersetzung zwischen Außenseitern und Beliebten, treffen sich infizierte wie (noch) nicht-infizierte, um jede erdenkliche Körperflüssigkeit auszutauschen. Die Polizei, ewig dein Freund und Helfer, ist zur Stelle, um die Schule abzuriegeln. Jeder potenzielle Krankheitsüberträger, dem das nicht genehm ist, wird erschossen. So weit kommen freilich die wenigsten, denn was als Pickel beginnt, durch seine rapide Zersetzung Gliedmaßen und Genitalien nicht verschont lässt, hat verheerende Auswirkungen auf die Lebenserwartung der Opfer. Und sorgt für eine Riesensauerei.

Soviel könnte man aus den Erzählelementen machen, dass es einem schaudert bei dem Gedanken, wie wenig Einfallsreichtum hier am Zuge war. Eine Satire auf die High School-Society zu erwarten, zeugt eindeutig von zu hohen Ansprüchen, aber auch ein Film, der nicht mehr als doofes Gematsche sein will, kann im Rahmen seiner Verhältnisse gut sein. CABIN FEVER 2 ist uninspiriert und manövriert sich zunehmend in Richtung Sleaze. So attraktiv letzterer Punkt auch klingt, sind die Geschmacklosigkeiten viel zu häufig von der Sorte, auf die man auch volltrunken nur schwer mit einem Lachen reagieren kann. Der Grad der Unterhaltung hängt damit vom eigenen Seelenzustand ab. Eine extrem schlechte Laune zu haben, z.B. weil die Filmvorführung auf Grund technischer Probleme mehrmals unterbrochen wird, kann dem Film entgegen kommen. Dann wird wohl über alles gelacht, Hauptsache Blut spritzt auf der Leinwand. Zumindest darin enttäuscht der Film nicht, auch wenn man danach für längere Zeit auf Bowle verzichten wird. Insofern erscheint CABIN FEVER 2 wie ein Mario Barth-Witz. In dunklen Stunden des Lebens kann man sich darüber amüsieren, doch lauert das schlechte Gewissen schon, sobald man wieder Luft holt.











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