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DER BUNKER (Deutschland 2015)

von Andrea Sczuka

Original Titel. DER BUNKER
Laufzeit in Minuten. 85

Regie. NIKIAS CHRYSSOS
Drehbuch. NIKIAS CHRYSSOS
Musik. LEONARD PETERSEN
Kamera. MATTHIS REISSER
Schnitt. CARSTEN EDER
Darsteller. DAVID SCHELLER . OONA VON MAYDELL . DANIEL FRIPAN . PIT BUKOWSKI u.a.

Review Datum. 2016-01-21
Kinostart Deutschland. 2016-01-21

Nahezu abgeschottet von der Außenwelt lebt eine dreiköpfige Familie in einem Bunker im Wald. Eines Tages empfangen sie einen Studenten, der einen ruhigen Ort möchte, an dem er arbeiten kann. An was er arbeitet bleibt unklar. Sein Plan wird von den Gastgebern durchkreuzt, die von ihm verlangen ihren Sohn Klaus zu unterrichten. Mit den bisherigen Lernerfolgen sind sie nicht glücklich und wollen den bisherigen Lehrer Heinrich ersetzen. Sie formulieren ihre hohen Ansprüche grob: er soll eines Tages Präsident werden. In der ersten Unterrichtsstunde erfahren sowohl der Student, als auch der Zuschauer erstmals etwas über Klaus. Schnell stellt sich heraus, dass Klaus das Gegenteil des zum Präsidenten geeigneten Hochbegabten ist. Der schon fast erwachsene Junge hat ein unbeschreiblich schlechtes Gedächtnis, hält sich für einen Achtjährigen und wird von den Eltern genauso behandelt.

Heinrich wird erwähnt, tritt jedoch nicht in Erscheinung. Später erfahren der Student und der Zuschauer, dass Heinrich der Anführer einer extraterrestrischen Spezies sein soll, der mit seinem Volk in der Wunde am Bein der Frau lebt. Von dieser Wahnvorstellung wird das Leben der Familie beherrscht. Heinrich scheint für die Frau mehr zu sein als ein Rat- und Befehlsgeber. Ist er aber mit etwas nicht zufrieden, drangsaliert er sie. Die Wunde schmerzt die Frau und behindert sie beim Gehen.

Die Mutter stellt dem Studenten Heinrich vor - wenn man das so nennen kann. Als er die Wunde berührt wird etwas in ihm ausgelöst. Er scheint Heinrich zu hören. Nach diesem Erlebnis kommt er mit seiner Arbeit voran. Die Frau "unterstützt" ihn gewisser Maßen dabei. Während des Koitus mit ihr arbeitet er weiter und die Ideen sprudeln aus ihm heraus.

Weniger erfolgreich erweist er sich als Lehrer. Klaus und der Student werden zur Strafe vom Vater übers Knie gelegt. Am Rande der Verzweiflung lässt der Student seine Vorstellungen von Kindeserziehung fallen und schlägt dem Jungen bei jeder falschen Antwort auf die Finger. Das funktioniert bei Klaus erstaunlich gut und er kann dann tatsächlich die Hauptstädte diverser Länder auswendig. Klaus und der Student freunden sich an. Der Junge lernt nun auch was spielen ist. Das verärgert die Mutter und Heinrich. Der Student wird mit einem Diplom entlassen. Klaus ist traurig, wütend und erkrankt daraufhin. Der Student beschließt mit Klaus heimlich zu verschwinden. Bei seinem Versuch wird er von der Frau mit einem Messer verletzt aber nicht getötet. In dieser Szene wechselt die Hintergrundbeleuchtung mehrfach von rot zu blau. Dieses Farbenspiel unterstreicht die Emotionen, die Grund für die Tat sind und die Kaltblütigkeit mit der sie ausgeführt wird.

Klaus entscheidet sich daraufhin das Elternhaus zu verlassen. Mit der Mutter kommt es zu einer Rangelei bei der er gegen ihre Wunde tritt. Der Vater hingegen schließt dem Jungen die Tür auf und entlässt ihn in eine ihm unbekannte Welt. Der Student verbleibt als Haushaltshilfe im Bunker.

Die Eltern und der Student bleiben namenlos und ihre Kleidung farblich trist. Lediglich in der letzten Szene sind die Eltern farbenfroh gekleidet und fröhlich, während der Student mit freiem Oberkörper und verbundener Stichverletzung am Bauch den Staubsauger bedient.

Klaus hingegen trägt zumeist farbenfrohe Kleidung. Er und Heinrich sind die einzigen Figuren mit Namen. Dieser Aspekt verdeutlicht ihre Sonderstellung. Alle anderen scheinen austauschbare Werkzeuge zu sein, deren Zweck die Ausführung Heinrichs Anordnungen sind und die Vorbereitung von Klaus auf eine Zukunft als Präsident.

Wie es zu der Wahnvorstellung kommt und warum Klaus so ist, wie er ist, sind nicht die einzigen Fragen, mit denen der Zuschauer zurückgelassen wird.

Es drängt sich einem der Verdacht auf, das mit dem Leben im Bunker das Leben in einem totalitären Regime oder einer Sekte beschrieben wird. Die Abschottung von der Außenwelt, die Abhängigkeit in der die Figuren sind und die Unterdrückung durch eine nicht greifbare Entität, die ihre Werkzeuge mit der Aufgabenverteilung in jene mit Macht und jene ohne unterteilt. Die Wunde repräsentiert eine Ideologie, die jene die ihr ausgesetzt sind, behindert und quält.

Der Zuschauer wird mit vielen Fragen und etwas verstört zurückgelassen. Ähnlich dürfte es jenen ergehen, die kleine Einblicke in totalitäre Regime haben. Wer es nicht erlebt hat, kann es schwerlich begreifen oder nachempfinden.

Mit DER BUNKER hat Nikias Chryssos uns ein bizarres und stellenweise sehr lustiges Werk präsentiert, dass uns nachdenken lässt.











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