AFTER DARK Film TALK Facebook Twitter

das manifest¬  kontakt¬  impressum¬  verweise¬  übersicht¬ 
[   MEINUNGSMACHER  |   GEDRUCKTES IST TOT  |   KAPITELWAHL  |   UNENDLICHE TIEFEN
   MENSCHEN  |   GESPRÄCHE  |   FEGEFEUER DER EITELKEITEN  |   MIT BESTEN EMPFEHLUNGEN   ]
MEINUNGSMACHER

BUBBA HO-TEP (USA 2003)

von Hasko Baumann

Original Titel. BUBBA HO-TEP
Laufzeit in Minuten. 92

Regie. DON COSCARELLI
Drehbuch. DON COSCARELLI
Musik. BRIAN TYLER
Kamera. ADAM JANEIRO
Schnitt. SCOTT J. GILL . DONALD MILNE
Darsteller. BRUCE CAMPBELL . OSSIE DAVIS . ELLA JOYCE . HEIDI MARNHOUT u.a.

Review Datum. 2004-09-26
Kinostart Deutschland. direct-to-video

BUBBA HO-TEP hat eine hervorstechende Eigenschaften, auf die man nicht allzu oft trifft und die allein schon eine (verspätete?) Rezension rechtfertigt: Der Film ist originell. Und das hat er natürlich zunächst einmal Joe Lansdales Kurzgeschichte zu verdanken.

Damit wir das gleich mal klarkriegen: Bruce Campbell ist Elvis Presley. Das heißt, eigentlich ist er Sebastian Haff, ein Elvis-Imitator, der jetzt in einem Altenheim dahin vegetiert und den alten Tagen nachtrauert. Den alten Tagen als Elvis. Denn Haff behauptet, er sei der Echte und habe mit dem Imitator getauscht, als ihm das Showbiz zu dicke wurde. Haff verfiel dann den Drogen und verstarb, wie wir alle wissen, und Elvis brach sich die Hüfte und landete im Heim. Dort liegt er nun und leidet, insbesondere unter der Krebskrankheit, die seinen Penis befallen hat.

Ossie Davis ist John F. Kennedy. Das heißt, er ist natürlich schwarz und Kennedy nicht im entferntesten ähnlich, er ist nur ein armer Irrer im Altenheim. "They dyed me this color", erzählt er Elvis, "that's how clever they are". Der King tut dem alten Mann den Gefallen und nennt ihn Mr. President, und Kennedy nennt ihn Mr. Presley. Gemeinsam nehmen sie den Kampf auf gegen eine auferstandene ägyptische Mumie, die als Seelendieb ihr Unwesen im Altenheim treibt. Das ist mein Ernst. Soweit okay?

Coscarelli ist, neben dem US-Kabelfernsehen-Favoriten BEASTMASTER, hauptsächlich bekannt für seine vier PHANTASM-Filme, in denen er ein gewisses Maß Fantasie an den Tag legte. Für BUBBA HO-TEP, das wird schnell klar, stand ihm nur ein minimales Budget zur Verfügung. Mit den begrenzten Räumlichkeiten des Altenheims kann er nicht viel anfangen, viele Einstellungen sind unglücklich gewählt oder stehen zu lang oder passen schlicht nicht zueinander, ein ganz deutliches Anzeichen für mangelndes Produktionsvolumen. Die Spezialeffekte sind gerade noch lächerlich. Es ist kein einziger Presley-Song zu hören, und die Filmausschnitte sind, das ist leicht erkennbar, gar nicht aus Presley-Filmen, sondern offenbar public domain-Clips mit halbwegs ähnlichen Gesichtslosen. Die Kosten eines Songs oder Ausschnitts hätten schon das halbe Budget gefressen.

Das ist fast alles egal. Coscarelli liebt seine Figuren und seine Geschichte und bringt uns dazu, diese abstruse Story nicht nur amüsant, sondern irgendwie sogar rührend zu finden. Wenn Elvis und JFK gemeinsam den Kampf gegen das Böse antreten, der King mit Gehhilfe, der Präsident im Rollstuhl, dann hat das jenseits jeglicher Lächerlichkeit etwas geradezu Ergreifendes. Als Erzähler mangelt es Coscarelli an Timing, ein Mißstand, der BUBBA HO-TEP vom echten Kult-Hit trennt. Es ist letztlich ein Schauspielerfilm. Die zwei Hauptdarsteller sind sich zwar offenkundig ihrer Gratwanderung bewußt, stehen jedoch nicht mit modischen ironischem Tonfall neben ihren Rollen. Sie spielen diese Figuren mit Liebe und Ernst.

Die Trumpfkarte von BUBBA HO-TEP ist aber, und das haben sich vielleicht auch viele so erhofft, unser aller Lieblingskinn Bruce Campbell. Campbell ist so viehisch beliebt als Sam Raimis Prügelknabe "Ash", daß er mehr als Kultfigur denn als Schauspieler wahrgenommen wird. In BUBBA HO-TEP kann er, ausgerechnet in dieser nach Kult schreienden Rolle, das Mißverhältnis ändern. Nur in Josh Beckers Echtzeit-Experiment RUNNING TIME war Bruce so gut wie hier, und dann auch noch als Presley, den man nun nicht unbedingt in ihm gesehen hätte. Die Stimme, diese Art zu sprechen; was Campbell da macht, ist keine Elvis-Parodie, nein, er klingt so, wie Presley heute wohl klingen würde. Und in den Rückblenden, die Coscarelli ganz wunderbar hinbekommen hat, sieht Bruce Campbell plötzlich sogar aus wie der späte King. Und dabei gelingt es ihm noch, alle Facetten seiner Rolle - abseits der Imitation der Legende - zu spielen, die Traurigkeit, den Zynismus, den Rock 'n Roll und schließlich den Kampfgeist.
Hail to the King, Baby - nie war es so wahr wie jetzt.











AFTER DARK Film TALK | Facebook | Twitter :: Datenschutzerklärung | Impressum :: version 1.11 »»» © 2004-2018 a.s.