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THE BROWN BUNNY (USA 2003)

von Thorsten Hanisch

Original Titel. THE BROWN BUNNY
Laufzeit in Minuten. 93

Regie. VINCENT GALLO
Drehbuch. VINCENT GALLO
Musik. diverse
Kamera. VINCENT GALLO
Schnitt. VINCENT GALLO
Darsteller. VINCENT GALLO . CHLOE SEVIGNY . CHERYL TIEGS u.a.

Review Datum. 2005-07-26
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Der Anfang: Wir sehen ca. 3min lang ein Motorradrennen. Nächste Szene: Gallo lädt sein Motorrad in seinen Van. Er fährt. Stoppt an einem Laden und will die Verkäuferin Violet dazu bewegen, mitzukommen. Dazu haucht Gallo ein "Please, Please, Please come with me", dass nicht weniger als den kompletten Schmerz dieser Welt beinhaltet.

Es wirkt. Violet steigt in seinen Van. Es wird gefahren. Plötzlich stoppt Gallo vor einem Haus. Er knutscht Violet und gibt ihr 5 Minuten Zeit, die Sachen zu packen. Doch Vincent fährt weiter. Ein wenig später wird immer noch gefahren. Der Unterschied ist nur, dass jetzt Musik einsetzt. Man merkt schon hier: Ein wahrlich entspannter Film.

Unser Hauptprotagonist hält vor einem weißen Haus an. Er besucht die Eltern seiner Freundin. Doch sie können sich kaum mehr erinnern. Deswegen geht Gallo. Und fährt wieder. Musik setzt ein. Stop. Gallo in der Hocke, trinkt 'nen Kaffe. Gallo fährt weiter. Nächste Station: Zoohandlung. Schaut sich Tiere an. Holt sich Info zu Hasen und geht wieder. Gallo beim Essen. Gallo beim Pissen. Gallo beim Fahren. An einem Rastplatz wird halt gemacht, Cola gekauft und eine etwas verlebt aussehende Frau angesprochen.

Sie knutschen. Plötzlich ist Vincent ganz, ganz arg traurig. Und was macht man in solchen Momenten? Richtig, man setzt sich in den Van und fährt.

Als nächstes sehen wir Gallo in Unterhosen auf einem Bett. Jetzt zieht er sich eine Jeans an, kämmt sich die Haare und - genau - fährt. Und fährt. Musik setzt ein. Gallo guckt wieder ganz traurig. Und traurig gucken kann er, unser Vincent. Es wird Nacht. Gallo fährt immer noch. Doch dann gibt's urplötzlich satte Action: Gallo hält an 'ner Tanke und tankt.

Und weiter geht's. Mittlerweile ist er in den Bonneville Salt Flats angekommen. Dort packt er das Motorrad aus und fährt eine Runde. Optisch ist das wirklich sehr schön anzusehen. Als nächstes sitzt der lonely biker wieder im Van und fährt. Kurze Zeit später kriegt Gallo von einer Nutte Sex angeboten. Doch unser Held verneint und fährt weiter… und wird gleich darauf wieder angesprochen, worauf er wieder verneint. Das gleiche Spiel noch mal. Doch dieses Mal dreht er um, quatscht mit dem Mädchen, lädt sie zu sich in den Van ein und spendiert ihr Fastfood. Doch Gallo merkt offenbar, daß er doch lieber alleine fährt. Er schmeißt das Mädel raus und fährt weiter.

Als Nächstes dürfen wir Zeuge werden, wie - bitte den Atem anhalten - Gallos Motorrad in der Werkstatt gerichtet wird. Danach geht's wieder ins Hotelzimmer, zum Waschen.

Doch schon in der folgenden Einstellung ist der nun Gesäuberte back on the road again. Freundin Daisy ist seine nächste Station. Aber sie ist nicht da, was uns in einer erschöpfenden Sequenz klargemacht wird. Wieder Hotelzimmer. Wieder Wäsche.

Doch - jetzt wird's interessant - er nimmt den Telefonhörer und bestellt Chloe Sevigny aufs Zimmer. Die kifft erstmal 'ne Runde, hält ein kleines Schwätzchen und - jetzt kommt sie, DIE Szene - kaut in einer ziemlich unaufgeregten, erstaunlich erotischen Sequenz Vincents dicken, langen Gallo. Nach etwas Text (man erfährt böses aus Chloes Vergangenheit) geht's in den Endspurt: Gallo traurig. Chloe weg. Gallo fährt. Film aus.

Wer die vorgehenden Zeilen langsam und konzentriert liest, ist voll und ganz in der hypnotischen Grundstimmung von Vincent Gallos wahnwitzigem, bis zum Abwinken egozentrischen Egotrip drin.

THE BROWN BUNNY IST Vincent Gallo durch und durch, und als Konsequenz dessen wird die banale Story über die Gemüts- und Gefühlswelt des bis zum Anschlag selbstverliebten Allround-Talents transportiert und formal dem Zuschauer mit einer selten gesehenen Konsequenz oktroyiert. Der skandalumwitterte Blowjob wirkt dabei trotz logischer Integrität seltsam isoliert und steht als autonome Entität für sich selbst.

Letztendlich aber lohnt es sich nicht wirklich, sich allzu viel Gedanken um THE BROWN BUNNY zu machen, man sollte Gallos jammrigen Seelentrip lieber als das nehmen, was er letztendlich ist: Ein filmisches Äquivalent zu einer guten Ambient-Platte, bei deren Ende kräftig abgespritzt wird. Und das funktioniert: Rezensent erleichtert, Rezensent dreht sich um, Rezensent schläft, Film aus.











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