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BIG BAD WOLVES (Israel 2013)

von Matthias Mahr

Original Titel. MI MEFAHED MEZEEV HARA
Laufzeit in Minuten. 110

Regie. AHARON KESHALES . NEVOT PAPUSHADO
Drehbuch. AHARON KESHALES . NEVOT PAPUSHADO
Musik. HAIM FRANK ILFMAN
Kamera. GIORA BEJACH
Schnitt. ASAF KORMAN
Darsteller. LIOR ASHKENAZI . ROTEM KEINAN . TZAHI GRAD . DOVAL'E GLICKMAN u.a.

Review Datum. 2013-10-26
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Das Thema von BIG BAD WOLVES ist der sexuelle Missbrauch von Kindern, bis hin zum sadistischen Mord, und das Folterverhör am mutmaßlichen Täter durch Polizei und Verwandte. Kann so ein Film böser und irritierender beginnen als auf die folgende Weise?
Drei Kinder, darunter zwei Mädchen, spielen im Wald verstecken. Eines der beiden versteckt sich in einem Schrank, in dem kurz darauf nur ihr Schuh aus rotem Lackleder aufgefunden wird. Die beiden Mädchen sind dabei stark geschminkt. Die Blicke, die sich zwischen dem anderen Mädchen und dem Jungen treffen, nachdem dieser sie in ihrem Versteck gefunden hat, sprechen ein Übriges. So ist diese Eingangssequenz eindeutig sexuell konnotiert, suggeriert einen Geschlechtstrieb der Kinder und versetzt den Betrachter somit indirekt in die Komplizenrolle des Triebtäters.

Eine erste Talentprobe lieferte das Duo Aharon Keshales und Nevot Pabushado mit dem Slasher RABIES ab, auch bekannt unter dem Originaltitel KALEVET, einem Werk, das oft als erster harter Horrorfilm aus Israel gehandelt wird. In diesem bürsteten sie das Genre gegen den Strich, indem sie ihre Geschichte mit einer gewissen Ernsthaftigkeit inszenierten, die Erzählweise aber konsequent im Duktus der Verwechslungskomödie hielten.

Davon ist in ihrem neuen Film wenig zu sehen. Nach der gewagten Eingangssequenz und dem Vorspann wird der Film deutlich konventioneller, makabere Dialoge bewegen ihn mitunter in Richtung schwarzer Komödie. Der Einsatz des "Walkürenrittes" als Handyklingelton des rächenden Vaters eines Opfers bleibt zudem angenehm ambivalent im Dunkeln: drückt er damit aus, was für ein "Badass" er ist, Wagner ausgerechnet in Israel bei jeder Gelegenheit aus der Tasche zu ziehen? Oder soll es die höchste Form der Verunglimpfung des Komponisten darstellen, ihn auf diese Weise kläglich zum "klingeln" zu bringen? Einmal wird ikonografisch der Western bemüht, in einer Szene, die diese Symbole für Toleranz einsetzt.
Wie nach RABIES zu erwarten, richtet sich auch BIG BAD WOLVES primär an das "geeichte Genrepublikum", vorallem durch Einsatz wohldosierter härterer, mitunter fast schmerzhafter Szenen. Dennoch liegt hier mitnichten ein Torture Porn vor, da die Darstellung der Folter nie zum reinen Selbstzweck verkommt und sich dem Film eher unterordnet.
Im Großen und Ganzen bleiben Keshales und Pabushado hier dem Genre des Psychothrillers treu, auch wenn der Film auf dieser Ebene nicht komplett überzeugen kann. Die Figuren wirken in ihren Aktionen nicht immer glaubwürdig, auch in Anbetracht der jeweiligen Situationen, in denen man rationales Handeln oft wirklich nicht voraussetzen kann. Das wird besonders in Schlüsselszenen merklich, welche die Geschichte in eine gewisse Richtung drängen. So wird die Charakterisierung dem Spannungsbogen und dem Überraschungsmoment untergeordnet. Nicht schlimm, so wird das Publikum bis zum Schluss in Atem gehalten, aber halt nicht perfekt in der Wirkung.

Auch wenn RABIES insgesamt vielleicht doch noch der in sich etwas stimmigere Film ist, hat BIG BAD WOLVES die Begabung der beiden Filmemacher erneut unterstrichen. In einem Land, dessen Filmschaffen sicherlich nicht primär mit dem Horrorkino in Verbindung gebracht wird, ist es umso beachtlicher, solche Produktionen auf diesem Niveau zu realisieren.











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