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BEGINNERS (USA 2010)

von Florian Lieb

Original Titel. BEGINNERS
Laufzeit in Minuten. 105

Regie. MIKE MILLS
Drehbuch. MIKE MILLS
Musik. ROGER NEILL . DAVE PALMER . BRIAN REITZELL
Kamera. KASPER TUXEN
Schnitt. OLIVIER BUGGE COUTTÉ
Darsteller. EWAN MCGREGOR . CHRISTOPHER PLUMMER . MÉLANIE LAURENT . GORAN VISNJIC u.a.

Review Datum. 2011-05-24
Kinostart Deutschland. 2011-06-09

Eine von Hollywoods goldenen Regeln lautet: Hunde ziehen immer. Süß und knuffig - des Menschen bester Freund eben. Je kleiner desto besser, weshalb Mike Mills' Jack Russell Terrier Arthur in dessen jüngsten Film BEGINNERS ohnehin punkten dürfte. Die Tatsache, dass der Regisseur dem kleinen Kläffer auch noch eine eigene, wenn auch stumme und per Untertitel mitteilende Stimme schenkt, tut da ihr übriges. Ohnehin ist der ganze Film so knuffig und herzerwärmend, ohne dass er deswegen gleich ein Meisterwerk wäre oder lange im Gedächtnis bleibt. Wenn aber Arthur noch mit Frankreichs zartester Versuchung, Mélanie Laurent, sowie dem allzeit sympathischen Ewan McGregor ergänzt wird und Christopher Plummer einen 75-Jährigen spielt, der sein Coming Out erlebt, kann man Mills und seinem semi-autobiographischen Film aufgrund seiner charmanten Art nicht böse sein.

Nach 45 Jahren Ehe und dem Tod seiner Frau gestand Mills' Vater ihm mit 75 Jahren, dass er homosexuell sei. Fünf Jahre später verstarb er an Krebs. Jene Vater-Sohn-Beziehung, die erst wirklich aufblühen will, als der Vater nach Jahrzehnten endlich zu sich selbst stehen darf, ist die eine, authentische, Facette von BEGINNERS, die Mills durch das fiktive Aufeinandertreffen seines Alter Egos Oliver mit der französischen Schauspielerin Anna im Gleichgewicht hält. Die Geschichte über Liebe und Beziehungen/Beziehungsängste erzählt Mills fortan parallel per Schnitttechnik und sich dabei gegenseitig ergänzend. Dass dabei nicht nur ein harmonisches, sondern sehr unterhaltsames Bild von vier Beziehungen (Vater-Mutter, Vater-Sohn, Vater-Lebensgefährte, Sohn-Freundin) und den unterschiedlichen Generationen entsteht, ist dabei sicherlich die größte Stärke dieser kleinen Indie-Dramödie.

Dabei ist der Film gar nicht einmal so herausragend. Was genau Christopher Plummers Hal und Goran Visnjics Andy aneinander finden, bleibt ebenso im Dunkeln wie die Anziehung zwischen McGregors Oliver und Laurents Anna. Über die Figuren erfährt man nur sehr wenig, beispielsweise dass Annas Vater suizidgefährdet ist, was dazu führt, dass die Tochter kaum Kontakt zur Familie unterhält. Die am Ende eher beiläufig und sporadisch erwähnte Begründung für Olivers seit Jahrzehnten gescheiterte Beziehungen zählt ebenfalls dazu. Insofern sollte es nicht verwundern, dass Arthurs stumm untertitelte Kommentare im Grunde auch nichts zur Handlung beitragen, außer nun mal süß und knuffig zu sein. BEGINNERS ist, wie erwähnt, kein Meisterwerk, nicht mal ein Film, der eine sonderlich plausible oder eindringliche Geschichte erzählt, dafür jedoch stimmungsintensiv ist und Gefühle zu transportieren versteht.

Über allem steht natürlich die Tatsache, dass Hal einst mit externen Problemen zu kämpfen hatte, die ihn zwangen, seine Homosexualität hinter dem Deckmantel einer heterosexuellen Ehe zu verbergen. Während Olivers Lebenskrise selbstgeschaffen ist. Für sein Alter von 38 Jahren wird der Figur im Laufe des Films dann ein ziemlich spätes Coming of Age beschert, was angesichts der offenen und verspielten Beziehung des Charakters zu seiner Mutter verwundert. Ohnehin wird die in den Rückblenden nur grob angerissene, aber unwahrscheinlich interessante Figur der Mutter, sehr vernachlässigt, da es schließlich deren Ehe mit Hal ist, beziehungsweise war, die für Olivers Beziehungshemmungen im späteren Leben sorgte. Allzu tiefgründig in seiner Charakteranalyse gibt sich Mills' Film folglich nicht, was ihm schnell zur Krux werden könnte, würde die wunderbare Verpackung nicht zum eigentlichen Geschenk avancieren.

Das Ensemble macht es dem Zuschauer jedenfalls leicht, mit ihm zu sympathisieren, wobei es auch nicht schadet, dass die Chemie zwischen McGregor und Laurent zu stimmen scheint. Die musikalische Untermalung trägt neben den warmen und farbenfrohen Bildern ihren Teil dazu bei, den guten Eindruck des Filmes, auch dank des überzeugenden Schnitts von Olivier Bugge Coutté, aufrecht zu erhalten. So ist BEGINNERS letztlich ein typischer, subtil anbiedernder Indie-Film, dem man seine Schwächen nicht wirklich vorhalten will, dessen Stärken ihn jedoch auch nicht zur Ausnahmeerscheinung machen. Insofern ist Mills' Geschichte wenig mehr als eine mit Fiktion angereicherte Anekdote über das Coming Out seines an Krebs verstorbenen Vaters. Aber immerhin eine nette und weitestgehend unterhaltsame Anekdote. Vielleicht liegt der Wohlwollen gegenüber dem Film aber auch nur an Arthur. Hunde ziehen eben immer.











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