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BEDINGUNGSLOS (Dänemark 2007)

von Marc Zeller

Original Titel. KÆRLIGHED PÅ FILM
Laufzeit in Minuten. 100

Regie. OLE BORNEDAL
Drehbuch. OLE BORNEDAL
Musik. JOACHIM HOLBEK
Kamera. DAN LAUTSEN
Schnitt. ANDERS VILLADSEN
Darsteller. ANDERS W. BERTHELSEN . REBECKA HEMSE . NIKOLAJ LIE KAAS . CHARLOTTE FICH u.a.

Review Datum. 2009-03-05
Kinostart Deutschland. 2009-04-09

Ein Mann liegt am Boden, die Augen weit geöffnet, dem Ende nahe oder bereits tot. Es regnet in Strömen, und in die Pfützen mischt sich Blut, das Blut des Mannes, das auch seine Kleidung rot färbt. Eine Frau kommt herbeigerannt, in ihrem Gesicht steht Verzweiflung geschrieben. Das ist Mette, wie die männliche Stimme aus dem Off preisgibt, Mette, deren Tränen sich unter den Regen mischen, und unter das Blut des Sterbenden.

Der tragische Anfang von BEDINGUNGSLOS ist, man ahnt es bereits, auch das Ende der düsteren Geschichte, die Regisseur Ole Bornedal erzählen wird. Außer dramatisch ist dieser abrupte Kickstart in den Film besonders eines: Noir, das schreien die klassisch anmutenden Bilder lauthals von der Leinwand ins Publikum hinein und versprechen einen Thriller über Liebe und Tod, gescheiterte Existenzen und die große Frage, wie es bloß soweit kommen konnte.

Jonas (Anders W. Berthelsen) weiß natürlich, was passiert ist, schließlich ist er es, der da blutüberströmt im Regen liegt. Nach und nach bekommen es auch die Zuschauer erzählt: Der Polizeifotograf Jonas lebt ruhig und zurückgezogen mit Frau und Kindern in einem Vorort von Kopenhagen. Bis Julia (Rebecka Hemse) kommt. Die junge Frau tritt urplötzlich in Jonas' Leben, als dieser mit seinem liegengebliebenen Auto einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem Julia schwer verletzt wird. Sein schlechtes Gewissen und eine eigenartige Faszination treiben Jonas daraufhin ins Krankenhaus, wo er sich als Julias Freund ausgibt, um zu ihr auf die Intensivstation gelassen zu werden. Ein paar Lügen und Ausflüchte später hat Jonas sich unsterblich verliebt und sein altes Leben mit Mette (Charlotte Fich) und den Kindern hingeschmissen, um ein neues zu beginnen: Als Sebastian, der Freund an der Seite der unter Gedächtnisverlust leidenden Julia. Doch wo ist der wahre Sebastian (Nikolaj Lie Kaas)? Als Unerklärliches im Krankenhaus vorgeht, stellt Jonas Nachforschungen an. Die Kollegen bei der Polizei finden heraus, dass Sebastian ein Verbrecher war und bereits tot ist – erschossen in Asien, kurz vor Julias Unfall ...

Als JUST ANOTHER LOVE STORY lief er auf dem letztjährigen Fantasy Filmfest, mit einem knappen dreiviertel Jahr Verspätung kommt BEDINGUNGSLOS nun auch regulär in die Kinos. Und zeigt, dass Ole NIGHTWATCH Bornedal die Vorbilder für seinen Noir-Thriller gut studiert hat. Er zitiert nicht nur, sondern lässt den Film durch Dialoge und die von Jonas gesprochenen Off-Beiträge die Konventionen kommentieren; er lehnt sich nicht nur stilistisch an, sondern formiert Optik, Klang und Struktur zu einem tragenden Gesamtkonzept, in das die Dreiecksgeschichte zwischen Jonas, Julia und Sebastian eingebettet ist. Die gewollte Wirkung macht also die Handlung, nicht umgekehrt, wie man das eigentlich erwarten würde. Leider stutzt Bornedal durch diesen Fokus seine Storyline zu sehr auf die passende Schablone zusammen: Vieles wirkt überkonstruiert, manches nicht ganz logisch, und erklärt wird ohnehin nicht alles. Über die deutliche Stildominanz lässt sich streiten, über Mängel am Inhalt ebenfalls. Effektiv ist BEDINGUNGSLOS trotzdem, weil die kraftvollen Bilder und die bemerkenswert eingesetzte Ton- und Musikuntermalung in einem sinnlichen Dauerfeuer vergessen lassen, woran man eigentlich noch herumkritteln wollte. Es scheint, als wolle Bornedal ohnehin nur auf ein Exempel hinaus: Der Däne komponiert den Niedergang seines Protagonisten kompromisslos und konterkariert hierfür die schlummernden Sehnsüchte des fest gebundenen Menschen mit einem fatalen, unumkehrbaren Szenario. Die Zutat, die den Prozess im Film irreversibel macht, ist natürlich die Liebe. Eine Liebe, die an Besessenheit grenzt, sowohl beim Durchschnittsmenschen Jonas als auch beim Psychopathen Sebastian – beide sind Karten im selben Spiel, und bei diesem wird es keine Gewinner geben. Dies unterstreicht auch die unerwartet heftige Gewalteskalation am Ende; Gefangene macht eine solche Geschichte eben weder bei den Gefühlen noch beim Abgang.











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