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BASKIN (Türkei 2015)

von André Becker

Original Titel. BASKIN
Laufzeit in Minuten. 97

Regie. CAN EVRENOL
Drehbuch. CAN EVRENOL . OGULCAN EREN AKAY . CEM OZUDURU
Musik. ULAS PAKKAN
Kamera. ALP KORFALI
Schnitt. ERKAN ÖZEKAN
Darsteller. MUHARREM BAYRAK . MEHMET AKIF BUDAK . MEHMET CERRAHOGLU. FATIH DOKGÖZ u.a.

Review Datum. 2015-12-30
Kinostart Deutschland. 2016-01-01

BASKIN lässt mit seiner betont dreckigen Inszenierung und den Bildern voll sadistischer Niedertracht Erinnerungen an das grenzüberschreitende Genre-Kino der siebziger und frühen achtziger Jahre wach werden. Ein schwer verdaulicher, sehr konfrontativ gefilmter Horrortrip in die buchstäbliche Hölle auf Erden. Diese liegt nicht etwa (wie so oft) in irgendeinem amerikanischen Hinterwäldlerörtchen, sondern diesmal mitten in der Türkei.

Während der Abendschicht wird eine Polizeieinheit (u.a. Muharrem Bayrak) zu einem Routineeinsatz gerufen. Ein Auftrag wie jeder andere, wären da nicht die mysteriösen Geschichten, die sich um den Einsatzort drehen. Bereits vor und auf der Fahrt wird die Gruppe Zeuge mehrerer besorgniserregender Vorfälle, die das (ausschließlich männliche) Polizeiteam allerdings geflissentlich ignoriert. Vor Ort angekommen müssen die Gesetzeshüter schnell erkennen, dass sie einen fatalen Fehler begangen haben. Noch bevor sie die Gegend und das verlassen wirkende Anwesen richtig erkundet haben geraten sie in die Fänge einer satanischen Sekte. Für die Polizisten beginnt ein Alptraum, der sie an die Grenzen ihrer Vorstellungskraft führt.

Regisseur Can Evrenol hat seine Hausaufgaben gemacht und schickt seine Zuschauer auf einen radikal und ohne Kompromisse gefilmten Höllentrip, der in seiner Direktheit einem Schlag in die Magengrube gleicht. Nach einer eher bedächtig inszenierten ersten Hälfte, die das drohende Unheil zwar ankündigt, aber darauf verzichtet es in seiner Gänze zu offenbaren, folgt im zweiten Filmabschnitt eine heftige Tour de Force, die auf äußerst ungemütliche Weise einen Frontalangriff auf das Nervenkostüm seines Publikums startet.

Die betont schmutzigen und streckenweise sehr drastischen Bilder führen in eine alptraumhafte Parallelwelt aus der es für die Protagonisten kein Entkommen zu geben scheint. Evrenol setzt dabei ganz auf die verstörende Wirkung seiner Horrorphantasie, die durch den fast vollständigen Verzicht von Jump-Scares und CGI fast schon altmodisch wirkt. Bei den handgemachten Effekten wird mit der Kamera mal angedeutet und mal in fiesen Nahaufnahmen voll drauf gehalten. Dies ist dann auch eines der größten Probleme von BASKIN, denn der Film verlässt sich zu sehr auf seine ausführliche Ekel- und Gewaltexzesse und vernachlässigt demgegenüber mitunter den Spannungsaufbau.

Weiterhin schadet es der Produktion, dass seine Figuren streckenweise arg unsympathisch angelegt sind. Dadurch wird es dem Zuschauer erheblich erschwert mitzufühlen und emotional Anteil am Martyrium der Hauptfiguren zu nehmen. Ein wenig verschenkt wird zudem die Möglichkeit mit kulturellen Codes zu spielen und hier deutliche Alleinstellungsmerkmale zu generieren. Die Darstellung des Kults und seines satanischen Treibens folgt primär gewohnten Genre-Motiven und lässt sozio-kulturell verankerte Aspekte innerhalb der Abbildung des Okkulten eher am Rande (dann aber immer stimmig und treffsicher) einfließen. Nichtsdestotrotz ist die bedrückend-jenseitige Stimmung eines der Dinge, die nach dem Abspann noch lange haften bleiben und die BASKIN schlussendlich auch positiv auszeichnen.

Trotz aller Kritik wird die türkische Produktion bei seiner Zielgruppe sicherlich gut ankommen. Evrenols düstere Horrorvision ist wahrlich kein in seiner Gesamtheit tadelloses Werk, aber dennoch ein Film, den man aufgrund seiner abgrundtief bösen Atmosphäre so schnell nicht wieder vergisst und dessen Schocks stets erbarmungslos einschlagen. Und dies ist letztlich ein Kompliment von dem so einige Genre-Produktionen nur träumen können.











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