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BASHING (Japan 2005)

von Matthias Mahr

Original Titel. BASHING
Laufzeit in Minuten. 82

Regie. KOBAYASHI MASAHIRO
Drehbuch. KOBAYASHI MASAHIRO
Musik. HAYASHI HIROSHI
Kamera. SAITO KOICHI
Schnitt. NAOKI KANEKO
Darsteller. URABE FUSAKO . TANAKA RYUZO . OTSUKA NENE . KATO TAKAYUKI u.a.

Review Datum. 2006-01-19
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Vor sechs Monaten kehrte Yuko aus dem Irak nach Japan zurück. Das Mädchen hat dort als Volontär für eine Hilfsorganisation gearbeitet und musste nach einer Geiselnahme befreit werden. Dies gilt in der Bevölkerung als besondere Schmach für die Japanische Gesellschaft, man wirft Yuko vor sich zunächst für die Probleme eines fernen Landes engagiert und dann statt in der Gefangenschaft zu sterben überlebt zu haben. Dabei wird sie von Menschen verfolgt, die sie zu einem großen Teil nur aus Zeitungsberichten kennen. Die Ächtung äußert sich ihn Telefonterror, bösen e-Mails, die ihr und ihren Vater (der seit 30 Jahren in der gleichen Firma gearbeitet hat) den Job kosten werden und Anpöbelungen in der Öffentlichkeit.

Der Film versteht es subtil Spannung aufzubauen. In einer Szene sieht man Yuko im Supermarkt zwei Teller Suppe zum Mitnehmen kaufen. Sie fährt mit dem Rad nachhause. Sie steigt die Treppen hinauf. Je länger die Szene andauert, desto unruhiger wird der Zuschauer. Ist nicht nachvollziehbar? Klingt kaum aufregend? Ist es aber nach dem, was man zuvor gesehen hat. Manches mutet seltsam an. Das Motiv des Exfreundes gehört zum Unergründlichsten. Erst drängt er monatelang per Telefon auf ein Treffen, dann stößt er sie weg wie alle Anderen. Wenn er sie fallen lassen wollte hätte er dies wohl auch leichter haben können. Sehr gut gelöst ist hingegen das Verhältnis Yukos zur Stiefmutter. Die Annäherung der Beiden wird auf gänzlich unorthodoxe Weise und doch ungemein glaubwürdig gezeigt. Wenn die Frau des Vaters meint, Yuko hätte zum ersten Mal "Mutter" zu ihr gesagt ist das die Erklärung eines Prozesses, der eigentlich nur für völlig unaufmerksame Zuseher erläutert hätte werden müssen. Das war international verständlich.

Die Mentalität, auf Grund derer Juko von der Gesellschaft geschlagen wird bleibt für ein westliches (möglicherweise generell für ein außerjapanisches) Publikum hingegen völlig unverständlich. Zwar war in gewissen Fällen (Osthoff anyone) das eine oder andere Gezeter oder gar Anschuldigungen zu vernehmen, eine vergleichbare Kombination aus Stalking und Mobbing blieb aber bislang sicher aus. Ein klein wenig erinnert dies an ein heimisches Problem. In Österreich besteht seit der Unterzeichnung des Staatsvertrags die Verpflichtung in Gemeinden mit einer signifikanten sprachlichen Minderheit zweisprachige Ortstafeln aufzustellen. Nirgendwo gab es damit Probleme, lediglich in Kärnten wiedersetzt sich ein sturer Mob bis heute gegen eine adäquate Einhaltung dieses Vertragspunktes und der Landeshauptmann gefällt sich in der peinlichen Rolle eines bornierten Hanswursts. Reagiert man darauf mit Kopfschütteln meinen diese Leute: "Das kann man als Nichtkärntner nicht verstehen." Sie mögen damit 100% recht haben (wiewohl die Hoffnung bleibt, dass auch der eine oder andere Kärntner dies nicht versteht), eine Rechtfertigung ist es dennoch nicht. Ähnlich sonderbar die Praxis in manchen muslimischen Ländern Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung wurden wegen Ehebruch zu steinigen. So gibt es also mancherorts Befindlichkeiten, die unergründlich bleiben und man kann auch hier dem Film nicht vorwerfen, die Motivation der Ausgrenzung einem nicht näher bringen zu können. Dies bleibt allein ein Problem der Japanischen Gesellschaft. Die Geschichte soll fiktiv aber auf wahren Vorbildern beruhend sein und wirkt absolut glaubwürdig.

Zweifellos kein schöner Film aber packend genug um einen gefangen zu nehmen. Ohne graphische Gewalt schnürt er einem des Öfteren die Kehle zu.











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