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AUF BRENNENDER ERDE (USA 2008)

von David Leuenberger

Original Titel. THE BURNING PLAIN
Laufzeit in Minuten. 102

Regie. GUILLERMO ARRIAGA
Drehbuch. GUILLERMO ARRIAGA
Musik. OMAR RODRÍGUEZ-LÓPEZ . HANS ZIMMER
Kamera. ROBERT ELSWIT
Schnitt. CRAIG WOOD
Darsteller. CHARLIZE THERON . KIM BASINGER . JENNIFER LAWRENCE . JOHN CORBETT u.a.

Review Datum. 2011-05-26
Kinostart Deutschland. 2011-05-26

"Mexico goes Hollywood" ist ein mittlerweile durchaus etabliertes Konzept. Mexikanische Schauspieler und Regisseure, die in ihrer Heimat oder in Europa den Durchbruch schaffen, schaffen es meist ebenfalls, sich in den USA zu etablieren. Nebst Salma Hayek und Guillermo del Toro steht kaum ein Name so sehr für dieses Phänomen wie Alejandro González Iñárritu, der 2000 mit seinem Film AMORES PERROS für eine Sensation sorgte. Besonders originell war die Narrationsstruktur, bei der verschiedene Episoden sich parallel entwickeln und der Zuschauer nach und nach den roten Faden entdeckt, der die Segmente zusammenhält. Dieses Konzept wurde in Iñárritus US-amerikanischen Produktionen fortgesetzt. Mit AUF BRENNENDER ERDE liefert Guillermo Arriaga, Drehbuchautor von AMORES PERROS wie auch der beiden nächsten Filme Iñárritus, sein Regiedebüt.

Alles beginnt mit einer Explosion. In den Trümmern des Wohnwagens findet man die noch aneinander geklammerten Überreste der zwei Liebhaber Gina (Kim Basinger) und Nick (Joaquim de Almeida). Beide waren verheiratet, wenngleich nicht miteinander. Die übrigen Familienangehörigen der beiden Verstorbenen, die erst mit dem gasleck-bedingten Unfall von der Affäre erfahren, betrachten deshalb mit großer Skepsis die entstehende Liebesbeziehung zwischen Ginas Tochter Mariana (Jennifer Lawrence) und Nicks Sohn Santiago (J. D. Pardo). Von diesem Schauplatz an der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze durchqueren wir etwa ein Jahrzehnt und weit über Tausend Kilometer und finden uns in Portland wieder, wo Sylvia (Charlize Theron) als Restaurantfachfrau ein erfolgreiches Berufsleben und als latent Depressive ein eher tristes Privatleben führt. Eines Tages trifft sie den Mexikaner Carlos (José María Yazpik). Diese Begegnung löst bei Sylvia eine Welle an unangenehmen und vergessen geglaubten Erinnerungen aus.

AUF BRENNENDER ERDE vereinigt Elemente des klassischen Familiendramas. Hinter der Fassade von oberflächlicher Liebe stecken bigotte Religiosität, (sexuelle) Frustration, Zorn, Misstrauen und Geheimniskrämerei, die oftmals zum Wunsch führen, aus der Gegenwart zu fliehen. In einem schönen Kleid kann ein durch Selbstverstümmelung oder Krankheit entstellter Körper stecken. Spätestens in Oregon angekommen fängt dieser Kreislauf wieder von vorne an. Im Kern will AUF BRENNENDER ERDE also eine aufwühlende Charakterstudie sein. Was herauskommt ist ein anstrengender Film, dessen sich kunstvoll gebende Erzählstruktur den Mittelweg zwischen absolut klischeehafter Vorhersehbarkeit einerseits und einen einfach nur ermüdenden Verwirrspiel mit dem Zuschauer andererseits nur selten findet.

Der von den oberflächlichen und emotional wenig profilierten Figuren angeödete Zuschauer fängt sehr schnell an, Dialoge drei bis fünf Sekunden vor ihrer Aussprache zu erraten (in 100 % der Fälle hat er Recht). Oder aber er errät den großen Plot-Twist eine halbe Stunde vor der ärgerlich inszenierten "großen Überraschung" (auch hier behält er Recht). Eine überaus komplexe und verschachtelte Erzählweise wirkte in Filmen wie AMORES PERROS und NICOTINA noch überaus frisch und frech. Bei AUF BRENNENDER ERDE wirkt sie regelrecht prätentiös. Drei unterschiedliche Zeitebenen mit zwei verschiedenen Orten und zahlreichen Figuren, die im Film trotz selber Person unterschiedliche Namen tragen und von unterschiedlichen Schauspielern dargestellt werden! Das klingt wahnsinnig kunstvoll, verwirrt jedoch nur. Außerdem kann damit auch grenzwertig peinliche Momente wie der Beginn eines Regenschauers während eines "dramatischen" Moments oder die Unterlegung einer etwas zu eindeutig mit Computereffekten aufgepeppten Flugzeugszene mit "sphärischer" Musik nicht übertüncht werden. Es stellt sich fast die Frage, ob der Film mit einer linearen Erzählstruktur nicht besser dagestanden hätte, gerade auch angesichts seiner sonst ziemlich konventionellen Inszenierung.

Die Schauspieler können den Film ebenso wenig retten wie die doch überaus erheiternde Erstes-Date-Szene (gemeinsame Vogeljagd mithilfe einer Steinschleuder, anschliessendes Grillen und Verspeisen inklusive). In AMORES PERROS war Arriagas Konzept der verschachtelt erzählten Episoden überzeugend. Ohne dessen messerscharfe Inszenierung und Erzählkunst ist AUF BRENNENDER ERDE jedoch so stumpf wie der Stein, mit dem sich Charlize Theron merkwürdigerweise erfolgreich den Oberschenkel ritzt.











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