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AN EDUCATION (Großbritannien 2009)

von Florian Lieb

Original Titel. AN EDUCATION
Laufzeit in Minuten. 95

Regie. LONE SCHERFIG
Drehbuch. LYNN BARBER . NICK HORNBY
Musik. PAUL ENGLISHBY
Kamera. JOHN DE BORMAN
Schnitt. BARNEY PILLING
Darsteller. CAREY MULLIGAN . PETER SARSGAARD . ALFRED MOLINA . DOMINIC COOPER u.a.

Review Datum. 2010-01-19
Kinostart Deutschland. 2010-02-18

Ein altes Sprichwort besagt: man lernt fürs Leben und nicht für die Schule. Seines Zeichens eine Umkehrung eines Zitats von Seneca dem Jüngeren, aber inzwischen zum geflügelten Wort verkommen. Und letztlich ist es ohnehin irrelevant, in welcher Reihenfolge man es liest, lernt man doch selbst fürs Leben, wenn man für die Schule lernt. Schließlich soll diese einen auf das (Berufs-)Leben vorbereiten. Aber mancher kennt es wohl aus seiner eigenen Jugendzeit, dass man sich mitunter fragt, wozu man eigentlich all diese Bücher liest und all diese Aufsätze schreibt. Besonders, wenn man in den sechziger Jahren als 16-Jährige auf einer reinen Mädchenschule war. So wie Jenny (Carey Mulligan), der ihre Schulleiterin (Emma Thompson) in einer Szene erklärt, dass man es ohne Bildungsabschluss nicht weit bringt. Woraufhin Jenny entgegnet, dass dies auch nicht der Fall sei, wenn man einen habe. Speziell als Frau.

In AN EDUCATION präsentiert die dänische Regisseurin Lone Scherfig dem Zuschauer eine Episode aus dem Leben der britischen Journalistin Lynn Barber. Diese hatte sich als Schülerin selbst mit einem älteren Mann eingelassen, was sich letztlich negativ auf ihre Schullaufbahn ausgewirkt hatte. Bestseller-Autor Nick Hornby adaptierte Barbers gleichnamige Autobiographie nun in dieses Drama mit humoristischem Unterton, in welchem Mulligan den Part der becircten Schülerin übernimmt. Ihre Figur der Jenny lechzt dabei nicht so sehr nach Bildung an sich, sondern vielmehr nach einem bohemehaften Lebensstil. Obschon ausgesprochen frankophil, muss Jenny auf Wunsch ihres Vaters (Alfredo Molina) stattdessen Latein büffeln. Nur so kommt sie nach Oxford, nur so kann sie sich später selbst versorgen. Oder sie findet Jemanden, der dies für sie übernimmt. Und als der weitaus ältere David (Peter Sarsgaard) in ihr Leben tritt, scheint dieser Moment früher gekommen zu sein, als selbst Jennys Vater erwartet hätte.

Die Zuneigung Jennys zu David resultiert hierbei primär aus dessen freigeistigem Lebensstil. Gemeinsam mit seinen Freunden Danny (Dominic Cooper) und Helen (Rosamunde Pike) lebt er das Leben, das Jenny sich wünscht. Sie besuchen klassische Konzerte, ersteigern Bilder von Edward Burne-Jones und machen Ausflüge nach Oxford oder Paris. Sie zelebrieren joie de vivre, wie Jenny es wohl nennen würde. Ihre Intelligenz und Kunstkenntnis sorgt dafür, dass die 16-Jährige innerhalb der Clique nicht untergeht. Im Gegenteil. Bald schon interessiert sich auch Danny für sie, ist seine eigene Freundin Helen doch eher ein Püppchen. Eine hübsche Verpackung, allerdings ohne Inhalt. Wie man sich jedoch denken kann, ist die Affäre zwischen David und Jenny keine ungefährdete. Weniger wegen des Altersunterschieds - den David in Gegenwart von Jennys Eltern durch seine Nonchalance stets problemlos wett macht -, denn wegen der Leichen, die der adrette Lebemann in seinem Keller vergraben hat.

Es mag einem vielleicht etwas befremdlich vorkommen, wie wenig sich Jennys Eltern im Endeffekt gegen die Liaison mit David wehren, schließlich sind die Sechziger nicht zu vergleichen mit Epochen wie in Fontanes "Effi Briest" oder Austens "Stolz & Vorurteil". Dennoch geht es Patriarch Jack zuvorderst traditionell darum, dass seine Tochter später versorgt ist. Insofern kann die Beziehung der beiden Liebenden auch ohne weitere Einschränkungen blühen und gedeihen. Der Fokus von Scherfigs Film liegt auch weniger auf der Liebe respektive Beziehung zwischen Jenny und David, als dem Mehrwert, den diese Romanze für Jenny bereithält. Zudem verbessern sich ihre (Latein-)Noten im Laufe der Zeit, entgegen der eigentlichen Vermutung, dass das Gegenteil der Fall sein müsste. In AN EDUCATION scheint das Leben also in der Tat der bessere Lehrmeister zu sein, wirkt es doch so, als könne Jenny alles haben. Erfolg in der Schule und einen bohemehaften Lebensstil.

Die Kostüme überzeugen und beschwören gemeinsam mit der Ausstattung und der Beleuchtung ein Gefühl der frühen Sechziger. Auf gewisse Art mag AN EDUCATION somit durchaus ein period piece sein, welches besonders durch Molinas Figur oftmals in den Bereich der Komödie abzudriften vermag. Allerdings spult Scherfigs Film sein Ende zu überhastet ab. Ein Vorwurf, den sich auch Hornby für sein Drehbuch gefallen lassen muss, das zwar anders, aber nicht besser die Geschichte abschließt. Man verzeiht es Scherfigs Film jedoch, der insgesamt sehr gute Unterhaltung bietet, insbesondere auch dank dem überzeugenden Ensemble.











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