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AMITYVILLE HORROR (USA 2005)

von Hasko Baumann

Original Titel. THE AMITYVILLE HORROR
Laufzeit in Minuten. 89

Regie. ANDREW DOUGLAS
Drehbuch. SCOTT KOSAR
Musik. STEVE JABLONSKY
Kamera. PETER LYONS COLLISTER
Schnitt. ROGER BARTON . CHRISTIAN WAGNER
Darsteller. RYAN REYNOLDS . MELISSA GEORGE . JESSE JAMES . PHILIP BAKER HALL u.a.

Review Datum. 2005-04-15
Kinostart Deutschland. 2005-04-21

"For God's sake, get out!" So lautet die amerikanische Tagline für den neuen AMITYVILLE HORROR - eine Steilvorlage für jeden Filmkritiker. "Nur raus da" muß man den Kinobesuchern dieses Remakes zwar nicht zurufen, aber zum "Nix wie rein" ist es auch noch ein weiter Weg.

Stuart Rosenbergs Original-AMITYVILLE zog die Leute vor 16 Jahren mit demselben Werbespruch ins Kino, war aber, da wollen wir mal ehrlich sein, der schläfrigste Beitrag zum legendären "Sommer des Schreckens" 1979. Irrsinnig Kasse gemacht hat die Mär von der Familie Lutz (angeführt von James Brolin und Margot Kidder), die in ein Haus mit übler Vergangenheit zieht, trotzdem. Das war nämlich so: Der vorige Bewohner hat seine gesamte Famile abgeknallt, Fluch liegt auf Haus, Papa Lutz dreht am Rad und kommt bald auf denselben Trichter wie Shotgun-Daddy, die Katze hängt im Kleiderschrank, Rod Steiger hat mehr Fliegen auf der Glatze als ein Kackhaufen im Prenzlauer Berg, und Türen knarren und Vorhänge wehen, bis der Leibhaftige kommt. Damals hatte die Behauptung, die Geschichte sei "wahr", wohl noch Zugkraft, heute pellt man sich auf sowas nicht mal mehr das vielbesungene Ei.

Also hat sich Produzent Michael Bay für das Remake (das halbe Dutzend Forsetzungen wird geflissentlich ignoriert) folgendes überlegt: Nehmen wir erst einmal ein jüngeres Pärchen (Ryan Reynolds und Melissa George), dann lassen wir etwas mehr die Blutwurst kreisen als anno 1979, drehen alles schön laut und außerdem gibt’s noch eine hemmungslos bekloppte Hintergrundgeschichte rund um einen Folter-Indianer im Keller. Mal abgesehen vom Folter-Indianer ist Bays Konzept gar nicht so schlecht aufgegangen. Reynolds (schon das Beste an BLADE III) und George sind sympathisch - der Wandel vom lieben Kerl zum aggressiven Vollpsycho, der seine Lieben für Dämonenfratzen hält, gelingt Reynolds ganz ordentlich - und die ärmlicheren Momente des Originals (Rod Steiger und die Fliegen) werden auf ein erträgliches Niveau reduziert (wobei die modernen CGI-Fliegen eigentlich noch schlimmer sind). Regisseur Andrew Douglas, ein unbeschriebenes Blatt, versucht wenigstens, mit allerlei Spirenzchen sein Tempo zu halten. Hauptsächlicher Pluspunkt ist aber die ausgeklügelte Tonspur. Es kracht und knarrt in allen Boxen, und jeder visuelle Schockeffekt wird von kräftigem Gerummse begleitet, damit sich auch der hartgesottenste Fan ganz sicher erschreckt.

Das ist alles – bis zum sehr schlappen Ende – ganz unterhaltsam und dank eines gewissen Sinns für Ironie auch nicht zu doof, aber blasse Kindergesichter, tote Haustiere und verschlossene Kleiderschranktüren sind so ungewöhnlich wie ein Essen bei McDonald's und werden auch ebenso anspruchsvoll serviert. Man hat diese Spukhaus-Stories schon viel zu oft gesehen, und nicht selten besser.











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