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AMERICAN HUSTLE (USA 2013)

von Benjamin Hahn

Original Titel. AMERICAN HUSTLE
Laufzeit in Minuten. 138

Regie. DAVID O. RUSSELL
Drehbuch. DAVID O. RUSSELL . ERIC WARREN SINGER
Musik. DANNY ELFMAN
Kamera. LINUS SANDGREN
Schnitt. ALAN BAUMGARTEN . JAY CASSIDY . CRISPIN STRUTHERS
Darsteller. CHRISTIAN BALE . BRADLEY COOPER . AMY ADAMS . JEREMY RENNER u.a.

Review Datum. 2014-02-11
Kinostart Deutschland. 2014-02-13

New Jersey, 1978: Der Betrüger Irving Rosenfeld (Christian Bale) und seine Freundin Sydney Prosser (Amy Adams) gehen mit dem FBI-Agenten Richie Di Maso (Bradley Cooper) einen Deal ein. Wenn sie ihm helfen, dem Politiker Carmine Polito (Jeremy Renner) Korruption nachzuweisen, gehen die beiden straffrei aus. So beginnt die FBI-Operation ABSCAM - und ein Spiel, in dem jeder jeden zu betrügen scheint.

Manche Filme halten sich für extrem clever, sind es dann aber eigentlich gar nicht. Mit dieser enttäuschenden Feststellung in eine Kritik über AMERICAN HUSTLE einzusteigen ist jedoch reichlich unfair. Denn auch wenn die verschachtelte Dramaturgie leicht zu durchschauen ist, wirkt der lose auf einem realen Kriminalfall basierende Film zu keinem Zeitpunkt wirklich vorhersehbar. Kommen dann noch eine exzellente Besetzung, eine ansprechende Ausstattung und interessante Handlung hinzu, kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Doch so einfach ist das nicht. Dass AMERICAN HUSTLE so viel richtig macht und trotzdem nicht auf voller Linie überzeugen kann, liegt an seinen kleinen, aber vielzähligen Makeln. Da wäre zum Beispiel die Handlung, die manchmal zu weit gesponnen ist. Das Drehbuch von Regisseur David O. Russell und Co-Autor Eric Warren Singer will gelegentlich zu viel erzählen. Es verzettelt sich dabei zwar nicht seinen in Nebenhandlungen, aber an manchen Stellen wäre weniger Stoff einfach der bessere Inhalt gewesen. So wirken einige Passagen gehetzt, weil sie Wendungen etablieren müssen, die wiederum für andere Passagen relevant sind.

Das ist nicht unbedingt ein elegantes Geschichtenerzählen, weil beide Autoren zuweilen das Auge für das richtige Maß an Handlung verlieren. Immerhin kann der Film hier auf seine Besetzung zählen: denn dort, wo leichte Spannungshänger entstehen, steuern die Schauspieler gegen und zeigen eindrucksvolle Leistungen. Das gilt vor allem für Jennifer Lawrence, die trotz ihres jungen Alters die alterslos wirkende, betrogene Ehefrau mit einer fantastischen Mischung aus Wut, Trauer und Gleichmütigkeit spielt.

Zugleich steht Lawrence aber auch mit einer Szene beispielhaft für ein anderes Problem des Films: sein gelegentliches Abrutschen in den Camp. Wenn Lawrence singend zu Musik aus der Jukebox die Wohnung reinigt, dann wirkt das selbst für diesen Film arg überdreht und erinnert eher an ein Musical. Es ist nun zwar wirklich nicht so, dass sich AMERICAN HUSTLE als todernster Krimi versteht. Seine Figuren sind überzeichnet und die Ausstattung flamboyanter als die Realität der 1970er. Dennoch wirkt manche Szene selbst im humoristischen, spaßverliebten Kontext des Films wie aus der Art geschlagen.

Besonders deutlich wird das auch bei einer Szene mit Amy Adams und Bradley Cooper in einer Toilette. Hier ist jedoch auch die Zeichnung der Frauenfiguren für den leicht schalen Beigeschmack verantwortlich. Denn in der Tat ist es so, dass die Frauen in David O. Russells Film stark sexualisiert werden. Zwar sind die beiden zentralen Frauenrollen, eben gespielt von Jennifer Lawrence und Amy Adams, denkende und den Plot vorantreibende Individuen, aber letztlich unterstehen sie dennoch den alles lenkenden und beherrschenden Männern.

Das kann man natürlich mit dem Zeitgeist der 1970er abtun. Doch der Film verschenkt hier maßlos sein Potential, da er zwei in ihren Grundzügen sehr starke Frauenrollen hat, diese aber doch wieder nur durch den Mann zähmen lässt. In der Hinsicht ist AMERICAN HUSTLE ein bisschen wie ein auf 138 Minuten aufgeblasenes Musikvideo von Robin Thicke.

Wäre er in diesen Belangen besser, man könnte ihn als rundum perfekt bezeichnen. So bleibt am Ende nur ein guter Film, der zwar sehenswert ist, aber eben auch zu viel Potential verschenkt.











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