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ALPHA DOG (USA 2006)

von Matthias Mahr

Original Titel. ALPHA DOG
Laufzeit in Minuten. 122

Regie. NICK CASSAVETES
Drehbuch. NICK CASSAVETES
Musik. AARON ZIGMAN
Kamera. ROBERT FRAISSE
Schnitt. ALAN HEIM
Darsteller. MATTHEW BARRY . EMILE HIRSCH . JUSTIN TIMBERLAKE . BRUCE WILLIS u.a.

Review Datum. 2007-03-21
Kinostart Deutschland. 2007-03-22

Wenn ein Regisseur ein Filmplakat prominent ins Bild rückt, will er damit immer ein Statement abgeben. Manchmal ist es sarkastisch, etwa wenn Wes Craven in seinem HILLS von '77 ein Poster von JAWS zerfetzt an der Wand hängt. Meist aber eine Verbeugung vor dem exponierten Werk. Man denke an 2001 in IRRÉVERSIBLE oder die Kinoanzeige von POINT BLANK in MEAN STREET. Als bei der Viennale '05 Xavier Beauvois LE PETIT LIEUTENANT zu sehen war, war das Polizeirevier vollgepflastert mit Filmplakaten: SAVING PRIVATE RYAN, SE7EN, THREE KINGS um nur einige zu nennen. Auf Anfrage bestätigte der beim Screening anwesende Regisseur, dass in Paris wahre "Film-Flics" Dienst führen und die Poster allesamt aus dem Revier waren in dem gedreht wurde. Allerdings fielen unter den zahllosen, meist testosteronbetonten Hollywoodstreifen drei, weit ältere, französische Filme aus den Rahmen: LOHN DER ANGST, LE SAMOURAI und, besonders verdächtig, was von Truffaut. Unter Nachhaken räumte Beauvois dann auch ein, dass er gerade diese Plakate selbst "drunter geschummelt" hat, weil ihm die Filme so am Herzen liegen.
Keine 10 Minuten in ALPHA DOG und die Kamera fängt ein Plakat von SCARFACE (1983) ein. Eine offensichtliche Sache: Nick Cassavetes, Sohn von John, drückt seine Wertschätzung von de Palmas Klassiker aus, möchte womöglich gar ihm nacheifern, doch es dauert nicht lange und es kommen einem daran Zweifel. SCARFACE ist schließlich nicht nur als einer der größten Gangsterfilme aller Zeiten bekannt, der vor und nach NEW JACK CITY rauf und runter zitiert wurde. SCARFACE war bei seinem Erscheinen auch der Film, in dem am öftesten das Wörtchen fuck Eingang fand. Dem eifert der Film gekonnt nach. Für einen Platz am Treppchen einer in der Wikipedia geführten List of films that most frequently use the word "fuck" reichte es zwar nicht ganz, im Vergleich zum nach aktuellen Stand nur noch auf Platz 36 plazierten de Palma Film liegt man aber immerhin auf Platz 4. (In absoluten Zahlen als auch nach fucks per minute.)

Das hat ALPHA DOG auch dringend nötig. Die erzählte Geschichte um den kleinen Bruder eines Neonazis, der von ein paar Junggangstas entführt wird (eher zufällig, nachdem der Anführer sich nicht getraut hat, den großen Bruder anzugreifen), damit dieser seine Schulden zahlt, basiert schließlich auf einer wahren Geschichte, die noch dazu recht dröge umgesetzt wird. Beginnend mit ein paar Kindheitsvideos: Ach wie lieb war denn selbst dieser böse Drogengangster als er ganz klein war, oder wird uns da das spätere Opfer präsentiert? Splitscreen ohne die leiseste Ahnung, wozu man das jetzt einsetzten sollte. Oho, ganz gegen Ende ein Telefonat, da passt es ja sogar mal. Der Mord, auf dem alles hinläuft so patschert ausgeleuchtet, dass man schwören könnte, das wäre vor dem Blue Screen aufgenommen. Ohne das F-Wort (und anderen weniger inflationär aber doch reichlich gebrauchten Kraftausdrücken) könnte man's leicht für ein x-beliebiges True-Crime-Drama aus dem US-TV halten. Da hilft auch das Staraufgebot nicht weiter. Bruce Willis als Vater des Haupttäters kommt fast ausschließlich in "nachgespielten" Interviewszenen vor, Harry Dean Stanton als dessen Spezi noch weniger. Sharon Stone als Mutter des Opfers hat ein paar wirklich starke Auftritte, vor allem einen, bei dem sie ihren Nazisohn vor der Polizei gleichzeitig abweist und umarmt. Das letzte Interview mit ihr, in einer unnatürlichen Fettmaske, relativiert das aber wiederum. Ein positiver Einfall ist doch noch zu verbuchen: Die Praxis, jeden Zeugen, der den Tätern und ihr Opfer über den Weg läuft, akribisch durchzunummerieren. Sehen-nicht-handeln: Das ist symptomatisch für unsere Gesellschaft und wird hier konsequent ausgedrückt. Davon abgesehen bleibt nur ein Schmunzeln über die eine oder andere Schimpftirade.











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