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ALL IS LOST (USA 2013)

von Martin Eberle

Original Titel. ALL IS LOST
Laufzeit in Minuten. 106

Regie. J.C. CHANDOR
Drehbuch. J.C. CHANDOR
Musik. ALEX EBERT
Kamera. FRANKIE DE MARCO . PETER ZUCCARINI
Schnitt. PETE BEAUDREAU
Darsteller. ROBERT REDFORD

Review Datum. 2014-01-09
Kinostart Deutschland. 2014-01-09

Der erste Blick geht in die unendliche Weite des Meeres. Dann, ganz langsam, schiebt sich etwas vom Bildrand ins Zentrum. Das Objekt, das sich zwischen Betrachter und Horizont drückt, ist ein herrenloser Übersee-Container, das einzige schwimmende Ding im ansonsten leeren Ozean.

Aus dem off ein Namenloser, "Unser Mann" - "Our Man", im Abspann einziger Posten unter der Rubrik "Cast": "I'm sorry. I know that means little at this point, but I am. I tried. I think you would all agree that I tried. To be true, to be strong, to be kind, to love, to be right. But I wasn‘t. All is lost here...". Der Abschiedsbrief an die Familie.

Acht Tage zuvor. Unser Mann (Robert Redford) wird in der Koje seines Einhandseglers von plätscherndem Wasser geweckt. Die Virginia Jean ist mitten im Indischen Ozean leckgeschlagen. Ein Übersee-Container hat sich in das Boot gebohrt. Der Ausgangspunkt für eine Reihe weiterer Unglücke und Katastrophen, die dem Mann und seinem Boot widerfahren. Jedem Problem, jeder Unbilde begegnet Redfords Figur analytisch, lösungsorientiert und klug. Kein Lamento, kein innerer Monolog, kein mit Gesicht versehener Football als tröstlicher wenn auch künstlicher Gesprächspartner. Die Zeilen aus dem Abschiedsbrief am Anfang sind so ziemlich die einzigen gesprochenen Worte im Film. Unser Mann genügt sich selbst, was soll er auch palavern, so herunter gebrochen auf das Existenzielle, das reine Überleben in einer Umwelt, die selbst in den friedlichen Momenten durch diese unfassbare Weite zwar unendlich schön aber auch ebenso erschreckend ist. Das nicht gesprochene Wort macht die Einsamkeit nur noch um so eindrucksvoller.

ALL IS LOST ist natürlich in erster Linie Robert Redfords Show. Sein Schauspiel ist grandios. Äußerlich ruhig, fast bis zum Ende, sieht man aber immer mehr seinem Gesicht das Zermürbende dieses Kampfes mit den Elementen, der Hoffnung und dem Lebensmut, auch nur durch kleinste Gesten, kleinste Blicke, deutlich an.
Dazu kommt, dass Redfords character so ganz ohne Hintergrundgeschichte auskommt, ohne verquaste Psychologisierungen oder sentimentale Flashbacks. Auch hier die Reduktion auf das Wesentliche. Und in jedem Fall eine eindrucksvolle performance, die noch mal so richtig klar macht, dass Redford einer der ganz, ganz Großen Hollywoods ist.

Regisseur und Drehbuchautor J.C. Chandor kann mit diesem seinen erst zweiten Spielfilm wahrscheinlich bereits schon jetzt als einer der kommenden Größen der Branche gesehen werden. Schon sein Debüt MARGIN CALL war - in einem ganz anderen setting - spitze, mit ALL IS LOST beweist Chandor jetzt, dass er ein mutiger und origineller Kopf ist, der mehr als ein Genre beherrscht. Und auch die Crew, mit der er sich umgibt, ist top of the pops. Kamera, Musik und Schnitt fügen sich zu einem perfekt komponierten, in seiner Zurückgenommenheit äußerst seltenenen grossartigen Filmerlebnis. Das sind schöne Aussichten für die weitere Zukunft: ganz großes Kino.











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