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AKTE X: JENSEITS DER WAHRHEIT (USA/Kanada 2008)

von Florian Widegger

Original Titel. THE X-FILES: I WANT TO BELIEVE
Laufzeit in Minuten. 105

Regie. CHRIS CARTER
Drehbuch. FRANK SPOTNITZ . CHRIS CARTER
Musik. -
Kamera. BILL ROE
Schnitt. RICHARD A. HARRIS
Darsteller. DAVID DUCHOVNY . GILLIAN ANDERSON . AMANDA PEET . BILLY CONNOLLY u.a.

Review Datum. 2008-07-21
Kinostart Deutschland. 2008-07-24

Weibliche Agenten verschwinden spurlos, im Eis findet man einen abgetrennten Arm und alles was das FBI hat, ist ein pädophiler Ex-Priester mit Visionen von Tätern und Opfern. Man sucht zunächst Hilfe bei Dana Scully, die mittlerweile als Ärztin todkranken Kindern helfen will und bittet sie, Fox Mulder zur Mitarbeit zu bewegen. Der trägt Vollbart, hat eine neue Synchronstimme und ist alles andere als begeistert. Doch er beginnt, an die seherischen Fähigkeiten des Priesters zu glauben, begibt sich – nach einer gründlichen Rasur – auf die Suche nach den vermissten Agentinnen und deckt nach und nach eine illegale Organhandelsorganisation inklusive vorstehendem Frankensteinarzt mit diabolischen Absichten auf.

AKTE X – ach, was waren das für Zeiten. Die Serie löste in den 90ern einen wahren Mystery-Boom aus und zahlreiche Nachzügler folgten auf ihren Spuren: Von dem recht gelungenen quasi Spin-Off MILLENNIUM (da wird auch schon lange ein Kinofilm versprochen) bis hin zu PSI FACTOR und Konsorten. Immerhin beehren Mulder und Scully nach knapp 10 Jahren wieder die Kinoleinwand – die Erwartungen sind hoch und entsprechend ernüchternd fällt das Ergebnis aus. JENSEITS DER WAHRHEIT ist eine auf 100 Minuten Lauflänge ausgedehnte Serienfolge, die man tatsächlich mit einigem guten Willen auf das übliche 45 Minuten Format zusammenstutzen hätte können.

Faszinierend war an der Serie immer der Hang zum Mystischen, spannende Geschichten über Aliens oder Naturphänomene – die Wahrheit ist irgendwo da draußen. In JENSEITS DER WAHRHEIT jedoch spielen diese Elemente keine wesentliche Rolle mehr. Die Auflösung ist recht platt und ganz und gar "weltlich" – die Erschaffung eines neuen Körpers – die Frankensteinmär lässt grüßen. Aber es ist egal, wenn der Priester bei einer seiner Visionen aus den Augen blutet. Dieses eigentlich mysteriöse Phänomen wird im weiteren Verlauf nicht weiter behandelt.

Vor allem die Fans von Gillian Anderson alias Dana Scully werden etwas enttäuscht sein über ihre Rolle im Film: Sie bringt Mulder lediglich dazu, dem FBI zu helfen, hat ansonsten aber keine wesentliche Funktion für den Verlauf der Geschichte. Stattdessen erzählt der Film in einem zweiten Erzählstrang von ihren Schwierigkeiten, einem kleinen Jungen das Leben zu retten und gibt die Ärztin, die mit Fachbegriffen nur so um sich schmeißt.
Aber auch die Fox Mulder-Fans werden sich vor allem im Schlussteil wundern, wo die Intelligenz und das Genie des Agenten geblieben sind, versucht er doch tatsächlich im Alleingang und nach einem Autounfall (man sollte eben nicht am Handy rumfummeln, wenn man einen Wagen verfolgt und gleichzeitig schlechte Fahrverhältnisse vorherrschen) die verrückten Wissenschaftler zu stoppen. Doch keine Sorge, wie aus dem Nichts sollten Scully und Walter Skinner, der dem Film am Schluss die Ehre erweist, noch zur Rettung eilen.
Es ist tatsächlich das wirklich beschämende Finale, das an seiner Vorhersehbarkeit und Spannungsarmut dem Film die Krone aufsetzt.

Dabei fängt alles viel versprechend an: Mulder sprüht zunächst vor Sarkasmus geradezu über, selbst der Film erlaubt sich in einer kongenialen Verbindung des typischen Akte X Pfeifers, einem Foto von George W. Bush und verdutzten Gesichtern von Mulder und Scully einen echten magic moment. Und wer wissen will, was sich in den letzten Jahren zwischen Mulder und Scully (die sich zu Beginn noch mit Vornamen anreden, dann aber wieder auf Nachnamen wechseln) getan hat, wird in einer ausführlichen Szene entsprechend aufgeklärt. Ich will ja nicht alles verraten.

Wirklich schade, dass Mulder und Scully die meiste Zeit im Film getrennt vorgehen und verschiedene Ziele verfolgen. Gerade das Zusammenspiel der beiden war ein wesentliches Kernelement der Serie – hier gibt's nur ein recht peinliches Mulder-Solo. Spätestens nach dem ersten Drittel ist die Luft draußen, denn dann mutiert AKTE X zum AKTENZEICHEN XY.











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