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ACROSS THE RIVER (Italien 2013)

von André Becker

Original Titel. OLTRE IL GUADO
Laufzeit in Minuten. 88

Regie. LORENZO BIANCHINI
Drehbuch. LORENZO BIANCHINI . MICHELA BIANCHINI
Musik. STEFANO SCIASCIA
Kamera. DANIELE TRANI
Schnitt. LORENZO BIANCHINI
Darsteller. RENZO GARIUP . MARCO MARCHESE . LIDIA ZABRIESZACH u.a.

Review Datum. 2014-05-08
Kinostart Deutschland. 2014-05-08

Wie in dutzenden Horrorfilmen zuvor, lauert auch in ACROSS THE RIVER das Grauen in den Wäldern. Oder genauer gesagt: In einem verlassenen Dorf das mitten in einem abgelegenen Waldstück fernab der Zivilisation liegt. Hier strandet ein Biologe, der in den Ruinen des Dorfes mit unheimlichen Geschehnissen konfrontiert wird und bald um sein eigenes Leben fürchten muss.

Die ersten Minuten des Films sind der Einführung des Hauptprotagonisten (Renzo Gariup) gewidmet und zeigen ihn bei seiner (vermutlich) alltäglichen Arbeit in den italienischen Wäldern an der Grenze zu Slowenien. Sein Hauptinteresse gilt dem Verhalten der Tiere des Waldes. Mithilfe von Kameras, die er den Tieren umschnallt, zeichnet der Naturforscher jede Bewegung auf. In seinem heruntergekommenen Wohnmobil sieht er sich anschließend die Aufzeichnungen der Videokameras an. Immer und immer wieder.

Bereits in der ersten Viertelstunde wird deutlich das Regisseur Lorenzo Bianchini mit einer sehr reduzierten Herangehensweise die, strenggenommen nur in Ansätzen vorhandene, Geschichte aufrollt. Ruhige Kameraeinstellungen folgen dem Biologen in zum Teil unendlich langsamen und fast statisch anmutenden Bildern auf Schritt und Tritt. Jede seiner Bewegungen wird gleichberechtigt gewürdigt und im Detail eingefangen. Bianchini interessiert sich dabei vor allem für die authentische Darstellung eines Mannes, der ganz von seiner Arbeit eingenommen wird. Ein Mann der hochkonzentriert, aber auch vollkommen ausdruckslos und gänzlich ohne Gefühlsregungen seine Aufgaben verrichtet.

Bis der Naturforscher einem Tier in ein altes Dorf folgt und aufgrund andauernder Regenfällt dort festsitzt, vergeht einige Zeit. ACROSS THE RIVER verzichtet bis zu diesem Moment und auch im weiteren Filmverlauf fast vollständig auf Dialoge oder erhellende Erklärungen. Als Zuschauer weiß man allerdings längst dass der Biologe an einem unheilvollen Ort gefangen ist. Erste Hinweise darauf erhält man in der ersten Filmhälfte bröckchenweise. Im letzten Drittel manifestiert sich die Bedrohung schließlich auch für den Hauptprotagonisten endgültig.

ACROSS THE RIVER vermittelt diese Bedrohung auf äußerst effektive Weise durch den Einsatz einer stimmungsvollen Geräuschkulisse und einer eindringlichen musikalischen Untermalung. Im Gegensatz zum aktuellen amerikanischen Genre-Kino wählt Bianchini hier einen sehr unaufdringlichen Weg. Das Böse kündigt sich leise und zurückhaltend an. Der Film hat es diesbezüglich nicht nötig die Soundeffekte anschwellen und in kakophonische Sphären abdriften zu lassen. Unterstützt durch den hervorragenden Score schafft es Bianchini eine enorm bedrückende Atmosphäre aufzubauen, die gänzlich ohne billige Schocksequenzen auskommt und einen Sog entfaltet, dem man sich nur schwerlich entziehen kann.

So wirkungsvoll ACROSS THE RIVER auch Stimmung und Gänsehaut erzeugt, ist nicht zu leugnen, dass der Film streckenweise extrem zäh voreinschreitet und einige Längen vorweist, die den Unterhaltungswert des Films deutlich schmälern. Der künstlerisch durchaus ambitionierte Film ist somit eine zwiespältige Angelegenheit. Zwischen Experimentalfilm und minimalistischer Schauergeschichte verliert sich Lorenzo Bianchinis Grusel-Geschichte oftmals in redundanten Bilderfolgen, die zwar die kompositorischen Fertigkeiten des Regisseurs unterstreichen, aber letztlich die dramaturgische Ebene negativ beeinflussen.

ACROSS THE RIVER kann insofern nicht vollends überzeugen. Stilsicher und inszenatorisch stimmig, sorgt zu viel Leerlauf dafür dass der Film trotz intensiver Momente nicht die richtige Balance findet und wirkliche Spannung nur sporadisch aufflammt. Einen Blick ist Lorenzo Bianchinis Werk dennoch wert. Selten sah man ausgewählte Horrorfilmmotive dermaßen reduziert und gleichermaßen effektiv aufbereitet wie hier.











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