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UNENDLICHE TIEFEN

Special.
DEEP SPACE NINE – Special zur Serie aus dem STAR TREK-Universum
von Christian Hellwig

STAR TREK Special

THE NEXT GERNATION rund um ihren kahlköpfigen Captain flog noch über den Fernseher, da begannen im Hause Paramount auf Grund des durchschlagenden und lang anhaltenden Erfolgs der Serie bereits die Planungen für einen weiteren Ableger von STAR TREK. Der zweifache Wechsel des Staffelstabs sollte vollzogen werden: Auf den großen Leinwänden der Lichtspielhäuser sollte die altgediente erste Generation rund um Kirk, Spock, Pille & Co von der nächsten Generation abgelöst werden. DEEP SPACE NINE, die 1993 und damit ein Jahr vor dem Ende von NEXT GENERATION anlief , wurde dazu auserkoren diese Lücke zu füllen. In der Retrospektive betrachtet (und nichts anderes ist dieser Text) kann konstatiert werden, dass es dem dritten Ableger von STAR TREK nicht nur gelungen ist, diese Leerstelle zu schließen, sondern dass die Serie auch für sich beanspruchen kann zu dem ausgereiftesten und inhaltlich dichtesten zu gehören, was das Franchise je hervorgebracht hat. Dabei hatte (und hat) DEEP SPACE NINE keinen leichten Stand bei den Zuschauern und Fans der Franchise, und wurde äußerst ambivalent rezipiert. Wo die einen eine Abkehr von den in STAR TREK stets ventilierten utopischen Idealen einer egalitären Weltordnung vermuteten, sahen die anderen in DEEP SPACE NINE eine konsequente Weiterentwicklung der Franchise, welche sich von dem philosophischen und auf Harmonie bedachten Tenor unterschied, der noch von dem Franzosen Picard auf der Enterprise-D kultiviert wurde. Der Vorwurf, dass DEEP SPACE NINE die Ideale von Gene Roddenberry verraten würde, ist von daher stets ein gern geäußerter Vorwurf, den die Serie auszuhalten hat. Verifizieren lässt sich diese Aussage freilich nicht: Der Vater von STAR TREK starb 1991, so dass er nicht mehr erleben konnte, welchen Weg seine Vision in der Folge einschlagen würde. Wenn also auch jedes Gedankenspiel in diese Richtung eine kontrafaktische Angelegenheit bleibt, kann man doch davon ausgehen, dass Roddenberry das Konzept der Serie – wenn er auch bestimmt nicht bei allem erfreut gewesen wäre – gemocht hätte. Diese Annahme scheint alleine schon deshalb nicht unwahrscheinlich, weil mit Rick Berman jemand in die Fußstapfen von Roddenberry trat, dem dieser zutraute, STAR TREK in seinem Sinne weiterzuführen.

DEEP SPACE NINE
DEEP SPACE NINE

Mit DEEP SPACE NINE ging man dann im wahrsten Sinne dorthin, wo zuvor noch keine STAR TREK-Serie gewesen ist. Bildete in der ersten Serie, der nächsten Generation und auch in den Kinofilmen stets ein Raumschiff das Zentrum der Handlung, vollzog man nun einen harten Schnitt. Es sollte nicht mehr länger ein Raumschiff mit einer homogenen Crew im Vordergrund stehen, die auf ihrer Reise durch die Weiten des Weltalls von einem Abenteuer zum anderen fliegt, sondern eine Raumstation mit all ihren damit verbundenen Problemen. Dass DEEP SPACE NINE oftmals als sehr düsterer Ableger der Franchise verstanden wurde, manifestierte sich schon in der Optik der Station, ist die Raumstation DS9 doch keineswegs einen Station nach Bauart der Föderation. Einst im Orbit des Planeten Bajor errichtet, dessen Bevölkerung von den Cardassianern besetzt, versklavt und ausgebeutet wurde, fungierte die Station als militärischer Stützpunkt der Besatzer. Als sich das Volk Bajors schließlich gegen die Gewaltherrschaft erhob und mit diesem Aufstand schließlich sogar reüssierte, gaben die Cardassianer ihren Stützpunkt auf, verwüsteten ihn und ließen ihn unbemannt im All zurück. Die Föderation stieß in diese Leerstelle, bot Bajor den Schutz der Sternenflotte an, und richtete sich in der Station ein – das Grundgerüst für die Handlung der Serie war gefunden. Aus diesen Reibungspunkten bezog DEEP SPACE NINE in der Folge seine Daseinsberechtigung: Die Besatzung der Sternenflotte muss sich mit der bajoranischen Sicherheit auf der Station arrangieren, während auf der Promenade die unterschiedlichsten Kulturen wie in einem Schmelztiegel aufeinander treffen. Noch dazu wird neben der Station ein Wurmloch entdeckt, das einen Weg in den 70000 Lichtjahre entfernten Gamma-Quadranten öffnet, die Station noch mehr zu einem strategisch wichtigen Ziel werden lässt und so die Cardassianer wieder auf den Plan ruft.

DEEP SPACE NINE
DEEP SPACE NINE

Die gewollte Heterogenität der Serie mit all ihren Konflikten zeigte sich nicht zuletzt auch in der Zusammensetzung der Protagonisten der Serie: Der farbige Commander Benjamin Sisko (Avery Brooks) bringt gleich seinen Sohn Jake (Cirroc Lofton) mit an Bord der Station. Familiäre Unterstützung, die dieser gerade in Bezug auf die Zusammenarbeit mit seiner impulsiven und heißblütigen bajoranischen 1. Offizierin Major Kira Nerys (Nana Visitor), die einst im bajoranischen Widerstand auch mit fragwürdigen Mitteln gegen die Besatzer kämpfte, gut gebrauchen kann. Mit Colm Meaney, der als Miles O'Brien schon in THE NEXT GENERATION von Zeit zu Zeit zu sehen gewesen war und nun in DEEP SPACE NINE eine Hauptrolle als Chefingenieur der Station bekam, fand auch ein alter Bekannter Aufnahme in die Stammbesetzung. Komplettiert wurde diese durch den frisch von der Akademie kommenden jungen, idealistischen und naiven Arzt der Station Dr. Julian Bashir (Alexander Sidding), der attraktiven Trill Jadzia Dax (Terry Farrell), dem Chef der Sicherheit und Gestaltwandler Constable Odo (Rene Auberjonis), sowie dem verschlagenen und geschäftstüchtigen Ferengi Quark (Armin Shimerman), der die Bar der Station leitet. Ergänzt wurden diese Figuren durch ein im Verlauf der Serie immer dichter werdendes Netz von zahlreichen Nebendarstellern, wie zum Beispiel dem cardassasianischen Schneider Garak.

DEEP SPACE NINE
DEEP SPACE NINE

Wie in jeder Serie brauchte auch DEEP SPACE NINE einige Zeit um richtig in Fahrt zu kommen. Die Charaktere mussten beleuchtet, Spielräume ausgelotet und Konflikte skizziert werden. Was sich allein schon durch die Besetzung andeutete, sollte im weiteren Verlauf der Serie zur Gewissheit werden. Kein Ableger von STAR TREK hatte es zuvor geschafft, seine Protagonisten in dem Maße weiterzuentwickeln, wie es in DEEP SPACE NINE geleistet wurde. Beziehungen und Freundschaften wurden geknüpft und verworfen, und je länger die Serie lief, desto weniger autark wurden die Folgen voneinander, sondern hingen von einander ab. Zahlreiche Gastauftritte, unter anderem von Q, halfen die Brücke von dem direkten Vorgänger zur neuen Serie zu schlagen. Die Quoten blieben jedoch auf zwar akzeptablem, für Paramount aber nicht überragendem Niveau. Die Folge war, dass zu Beginn der vierten Staffel mit dem Klingonen Worf (Michael Dorn) eines der Zugpferde der TNG-Crew als festes Besatzungsmitglied an Bord geholt wurde. Mit der Rückkehr von Dorn sollten, so der Plan der Verantwortlichen, die Zuschauer zurückgewonnen werden, die sich nach dem Ende von THE NEXT GENERATION von STAR TREK abgewandt hatten. Mit der Doppelfolge "Rückkehr des Kriegers" wurde diese Rückholaktion in einem dramatischen und kurzen Waffengang zwischen der Föderation und dem Klingonischen Imperium besiegelt. Schon früh in der Serie war mit dem Dominon der prägende Antagonist von DEEP SPACE NINE in die Serie eingeführt worden. Im weiteren Verlauf der Geschichte vollzogen die Verantwortlichen rund um Berman einen für STAR TREK-Verhältnisse wirklich harten Schnitt: Sie führten die Serie und damit die Föderation in einen blutigen, langen und verlustreichen Krieg zwischen der Föderation, den Klingonen (und später den Romulanern) auf der einen Seite, und dem Dominion, den Cardassianern, und Breen auf der anderen Seite. Der Alpha-Quadarant wurde zum Schlachtfeld – Krieg, Gewalt und Terror wurden so zum essentiellen Bestandteil des STAR TREK-Universums. Verschwörungen und die Arbeit von Geheimdiensten wie der ominösen Sektion 31, die für sich in Anspruch nimmt, die Ideale der Föderation schützen zu wollen, diese jedoch in ihren Aktionen letztlich verrät, prägten in der Folge – immer wieder unterbrochen von humorvollen Episoden – das Bild der Serie.

DEEP SPACE NINE
DEEP SPACE NINE

Der ohnehin schon relativ düstere Tenor von DEEP SPACE NINE nahm zur Mitte der Serie noch zu, als die zahlreichen inhaltlichen Schwerpunkte, so spielt unter anderem auch die Religion in DS9 eine wesentliche Rolle, in den Hintergrund rückten. Daran konnte auch der 30. Geburtstag von STAR TREK, der 1996 zu feiern war, und mit einer wunderbaren Episode die Sisko & Co zurück auf die Enterprise von James Kirk versetzte gebührend zelebriert wurde, nichts ändern. Das dramatischere Auftreten der Serie manifestierte sich nicht zuletzt auch im Aussehen von Sisko, der sich mit Beginn der vierten Staffel eine Glatze scheren und einen Bart stehen ließ und in seinem Auftreten um einiges dominanter wurde. Schon eine Staffel zuvor wurde der Station mit der "USS Defiant" ein Raumschiff zur Seite gestellt, was es Serie ermöglichte, ihren Handlungsschauplatz zu erweitern. Bezeichnend ist jedoch die Optik dieses Schiffs geraten, das nichts mehr mit der freundlich anmutenden Weitläufigkeit einer Enterprise-D zu tun hat, sondern als Schlachtschiff konzipiert ist, und in der klaustrophobischen Enge nicht von ungefähr an ein U-Boot erinnert. Der Waffengang zwischen der Föderation und dem Dominion zauberte nicht nur absolut epische und für TV-Verhältnisse atemberaubende Raumschlachten mit hunderten von Raumschiffen auf den Fernseher, sondern zeichnete für eine ganze Reihe von überragenden Folgen der Serie verantwortlich. Herauszuheben ist in diesem Zusammenhang ohne jeden Zweifel die Episode "Im fahlen Mondlicht", die sich intensiv mit Fragen der Moral in Zeiten des Krieges auseinandersetzt, und nicht nur für STAR TREK-Verhältnisse eine düstere Antwort auf diese Fragen findet.

DEEP SPACE NINE
DEEP SPACE NINE

1999 fand die Serie nach insgesamt sieben Staffeln und 176 Episoden ihr Ende. Die Doppelfolge "Das, was du zurücklässt" beendete den Krieg und führte die zahlreichen Handlungsstränge, die sich über die Jahre aufgebaut hatten, zu einem Abschluss. Nun hieß es also Abschied nehmen. Die Verantwortlichen Berman und Piller hatten ein rundes Ende für eine Serie gefunden, das allerdings auch ein sehr endgültiges war. Dass eben nicht immer alles gut wird, ist eine Prämisse, die die Serie über sechs Jahre hinweg kultiviert hatte, und der man auch am Ende treu blieb. DEEP SPACE NINE wird zu Unrecht als stiefmütterlicher Ableger der Franchise belächelt. Diese Serie gehört jedoch mit zu dem Besten, was die Franchise jemals hervorgebracht hat. Es ist eine Serie, der all jene mal eine Chance geben sollten, die der irrtümlichen Meinung sind, J.J. Abrams wäre im aktuellen STAR TREK der erste gewesen, der die Franchise zu einer ernsten Angelegenheit gemacht hat.



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Rückblick
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