AFTER DARK Film TALK Facebook Twitter

das manifest¬  kontakt¬  impressum¬  verweise¬  übersicht¬ 
[   MEINUNGSMACHER  |   GEDRUCKTES IST TOT  |   KAPITELWAHL  |   UNENDLICHE TIEFEN
   MENSCHEN  |   GESPRÄCHE  |   FEGEFEUER DER EITELKEITEN  |   MIT BESTEN EMPFEHLUNGEN   ]
UNENDLICHE TIEFEN

Special.
Godzilla: Märchen von einer Echse, die auszog Karate zu lernen
von Alexander Karenovics
GODZILLAS RÜCKKEHR (Japan 1955)

Original Titel. GOJIRA NO GYAKUSHU
Laufzeit in Minuten. 82

Regie. MOTOYOSHI ODA
Drehbuch. SHIGEAKI HIDAKA . TAKEO MURATA
Musik. MASARU SATO
Kamera. SEIICHI ENDO
Schnitt. HUGO GRIMALDI . KAZUJI TAIRA
Darsteller. HIROSHI KOIZUMI . SETSUKO WAKAYAMA . MINORU CHIAKI . TAKASHI SHIMURA u.a.

Wie wir uns erinnern, ist Godzilla am Ende des letzten Films gestorben, respektive desintegriert worden. Sogar sein Skelett war für einen Augenblick am Meeresgrund zu sehen. Wie also hat er überlebt?

Große Überraschung: für seine Rückkehr hat man weder Quantenphysik bemüht, noch genetisches Potential genutzt, stattdessen die denkbar einfachste Lösung gewählt: es gibt noch einen! So ist das schwarz-weiße Urviech dann auch das einzige, was das Sequel mit dem Original-GOJIRA gemeinsam hat; keine Meta-Ebene mehr, keine Öko-Schelte. Dafür mehr Action, mehr Zerstörung, mehr Monster. Ja, richtig gelesen: Godzilla bekommt Gesellschaft. Schon wieder Tokyo zu zerstören wär' ja langweilig, und um die geringere Größe des neuen Spielplatzes (Osaka) zu kompensieren, wurde das Volumen der Monster-Fraktion verdoppelt. Auch auf den ersten Kontakt muß man nicht halb so lange warten wie im ersten Teil.

Die Hafenstadt Osaka lebt bevorzugt vom Fischfang; Flugzeug-Scouts machen Schwärme von Meeresgetier ausfindig und lotsen Fang-Kutter per Funk in reich besiedelte Jagdgründe. Auf einem dieser Erkundungsflüge gerät ein Pilot in Schwierigkeiten, muß auf dem Wasser notladen und findet Zuflucht auf einem Atoll, wo er prompt einem epischen Zweikampf beiwohnen darf: Godzilla gegen Anguirus, ein stachelbewehrter Vierbeiner, dessen Gestalt dem Ankylosaurus nachempfunden wurde. Keine Viertelstunde später prügeln die beiden erneut aufeinander ein, diesmal jedoch im Hafenbezirk vom nächtlichen Osaka. Militärische Präsenz, brachiale Zerstörungswut, taumelnde Architektur, Dauerfeuer und non-stop fauchende Pyroeffekte lassen den ersten Teil schnell wie einen Stummfilm aussehen. Unter der Latexhaut dürfte es ziemlich heiß geworden sein. Dabei gehen die Kontrahenten erstaunlich schnell aufeinander los (Undercranking sei Dank), mit einer bei weitem nicht so schwerfälligen Abfolge von Schlägen, Tritten und Stürzen wie in den Duellen einiger Nachfolger.

Hört sich toll an. Ist es auch. Nicht so toll ist dagegen die Figurenzeichnung nicht-geschuppter Kreaturen a.k.a. Humanoide geraten; "sympathisch aber blass" bringt es auf den Punkt. Sonderlich viel Zeit verschwendet der Film glücklicherweise nicht mit menschlicher Problematik (die, im Vergleich zum ersten Teil, ohnehin egales Beiwerk bleibt), daher ist es nur recht und billig, wenn ein Gros der Laufzeit von Militär und Monstern annektiert wird. Am ehesten wird man sich an das hervorragende Finale in der verschneiten Gebirgsgegend von Hokkaido erinnern - vor allem optisch eine nette Abwechslung zum urbanen Getöse quer durch Osaka.

Bleibt anzumerken, daß auch GODZILLA KEHRT ZURÜCK nicht von einer Alternativ-Fassung für die US-Kinos verschont geblieben ist, welche, oh Wunder, nicht im geringsten diskussionswürdig ist. Zunächst einmal wird durch mehr Stock-Footage der an sich flotte Plot unnötig ausgebremst, und spätestens beim permanent dahin plappernden Voice-Over mit Hang zum Über-Analysieren liegen die Nerven blank; kaum eine Szene ohne sinnlosen Kommentar: "Ich senkte die Augen, eine Träne floss aus meinem Auge" oder "Wir zündeten ein Feuer an". Hallo, ich hab' Augen? Als Sakrileg darf die Umbenennung von Godzilla in Gigantis gewertet werden. Zumindest erzählt der Film im Wesentlichen dieselbe Geschichte, anstatt uns mit Raymond Burr die Sicht auf die Action zu versperren. Konsequenter synchronisiert wurde ebenfalls, im Falle von Minoru Chiaki sogar etwas zu konsequent: der wird in der US-Fasssung nämlich zum debil stammelnden Vollidioten.

Unterm Strich kein meilenweit herausragendes Highlight der Reihe, dazu weiß der Film einfach zu wenig mit seinen Versatzstücken und Charakteren anzufagen; dank halsbrecherischem Tempo (in der japanischen Fassung) aber immer noch ein verdammt unterhaltsames Abenteuer, welches hier mit gutem Gewissen empfohlen wird. Darauf ein Roaarrr!











AFTER DARK Film TALK | Facebook | Twitter :: Datenschutzerklärung | Impressum :: version 1.20 »»» © 2004-2021 a.s.