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UNENDLICHE TIEFEN

Special.
Durch die Nacht mit... Pierre Woodman & Brian Yuzna
von Thorsten Hanisch & Jan Zeleny

Durch die Nacht mit... Pierre Woodman & Brian Yuzna

Jan Zeleny im Gespräch mit Brian Yuzna

Pierre Woodman & Brian Yuzna Wie ist es dazu gekommen, dass Sie mit Monsieur Woodman DURCH DIE NACHT MIT... zogen?
    Hasko Baumann nahm Kontakt zu mir auf und schlug vor, dass ich Pierre in Prag für die Sendung treffen sollte. Ich war noch nie in Prag, war noch nie in einer Art "reality show" und hatte Pierre noch nie getroffen. Ich war in Malaga, Spanien bei einem Kameraseminar und auf dem Rückweg nach Jakarta, also nahm ich Haskos Einladung an, einen kurzen Umweg über Prag zu machen...

Wie denken Sie über die Pornoindustrie? Haben sich ihre Ansichten in irgendeiner Weise geändert, nachdem Sie die Möglichkeit hatten, einen Teil des Apparats aus nächster Nähe zu betrachten?
    Wie die meisten Menschen habe ich da etwas gemischte Gefühle.
Einerseits glaube ich an die Freiheit des Ausdrucks, aber ich bin mir bewusst, dass die Pornoindustrie eine ungesunde und sogar kriminelle Ausbeutung einiger ihrer Angestellten bedeuten kann. Ausserdem hat sie mit Glücksspiel, Drogen, Videospielen etc. einen Suchtaspekt gemein, was nicht unbedingt zum Besten des Konsumenten sein muss. Sie kann gesellschaftliche Entpersönlichung von Sexualität und intimen persönlichen Beziehungen fördern, ebenso Frauenfeindlichkeit und eine sexuelle Verdinglichung junger Menschen.

Andererseits denke ich auch, dass es oft in Wirklichkeit die Unterdrückung sexueller Begierde und Fantasie ist, die sexuelle Probleme in unserer Gesellschaft hervorruft – genau wie Gewalt im Film ein gesundes Ventil sein kann, kann auch Pornographie ein Ventil für sexuelles Verlangen sein, das sonst Probleme verursachen könnte. Auf einer anderen Ebene glaube ich, dass das Individuum die Möglichkeit haben sollte, sein eigenes psycho-sexuelles Selbst zu erforschen und das ist im wahren Leben unmöglich. Man müsste sein oder ihr ganzes Leben sexuellen Experimenten widmen, um die eigenen sexuellen Motivationen zu erforschen und wäre selbst dann nicht in der Lage, mehr als einen Bruchteil der Fantasieerfahrungen zu machen die der Gebrauch von Pornographie/erotischer Literatur und visuelle Medien ermöglichen. Viele ungesunde oder gefährliche Fantasien lassen sich durch Pornographie sicher erforschen.

Pierre Woodman & Brian Yuzna Es gab einen Punkt, den ich während der DURCH DIE NACHT MIT...-Folge anzubringen versuchte, von dem ich denke, dass er entscheidend für eine Diskussion über Pornographie ist, und das ist das Ausmass in welchem die Unterdrückung von Sexualität für die Entstehung und Entwicklung von "Zivilisation" nötig ist. Wir befinden uns in einem ständigen Kompromiss zwischen der Freiheit des Einzelnen und den Bedürfnissen der Gesellschaft an sich. In der westlichen Welt (und insbesondere in den Vereinigten Staaten) gewichten wir die Rechte des Einzelnen sehr hoch, während man sich in der östlichen Hemisphäre eher um die Rechte der Gesellschaft zu sorgen scheint. Es scheint mir, besonders in Amerika, dass sich die Spannung zwischen der politischen Rechten und der politischen Linken neuerdings zu grossen Teilen aus sexuellen Themen speist – Rechte von Frauen und Homosexuellen, Abtreibung, Pornographie. Dasselbe gilt für die extreme religiöse Rechte, seien es chassidische Juden, Opus Dei oder der radikale Islam. Sexualität wird als Sünde unterdrückt. Von diesem Standpunkt ist Pornographie eine Sünde der Gesellschaft, kein Mittel zur Unterhaltung oder Erforschung des Selbst für das Individuum.
Ich glaube, dass Pornographie ein dermassen weites Feld mit so vielen verschiedenen Ebenen ist, dass es etwas naiv ist, Verallgemeinerungen über Pornographie, wie ich Sie in dieser Antwort auf Ihre Frage treffe, aufzustellen. Was für den einen schon pornographisch ist, mag für eine andere Person milde Erotik sein.

Aber ich bin abgeschweift. Ich habe während meines Abends mit Pierre einiges über die Industrie gelernt, in der er arbeitet. Ich hatte einige Vorstellungen, denen er widersprach. Zum Beispiel dachte ich, dass die Pornofilmindustrie in den Siebzigern "offener" und unterhaltsamer war, bevor das organisierte Verbrechen ins Spiel kam. Es interessierte mich, wie Pierre selbst ins Geschäft gekommen war, wie sehr Sex sein Leben bestimmt, wie die Pornoindustrie selbst jetzt, da sie legal ist, eine Grauzone bildet, die die Öffentlichkeit auf eine erregende Weise kitzelt, aber der sie nach wie vor keinen Respekt zollt. Das sieht man auch daran, dass Pierre es für nötig hält, unter Pseudonym zu arbeiten. Ich habe nicht wirklich viel der Pornoindustrie aus nächster Nähe gesehen. Wir sahen dabei zu, wie Pierre ein Fotoshooting inszenierte, aber es war sehr soft (und trotzdem nicht akzeptabel für die Produzenten von DURCH DIE NACHT MIT..., so dass es nicht in der Sendung zu sehen ist). Was ich interessant finde, zumindest in Pierres Fall, ist die Bedeutung seiner eigenen sexuellen Beziehungen für seine Arbeit und die grosse Wichtigkeit des persönlichen Erlebens des Orgasmus, gar in einer Sorte Film von der ich dachte, dass es dort aufgehört hätte, zu existieren.

Am Ende führen Sie aus, dass Woodmans Filme im Endeffekt kein bisschen weniger künstlich sind als ihre eigene Arbeit. Caylian Curtis und ihren massiv modifizierten Körper neben Ihnen zu sehen erinnerte mich in der Tat an Mindy Clarke in RETURN OF THE LIVING DEAD III oder die BRIDE OF RE-ANIMATOR. Was waren Ihre Gedanken?
    Pornofilme als Genre sind sicherlich genauso künstlich wie jedes andere Genre. Pierres Filme sind artifizieller als viele andere. Es gibt zum Beispiel "Amateurpornos", in dem Sinne, dass sich normale Menschen beim Sex filmen und das an Pornovertriebe verkaufen können. Diese Art Porno ist weniger synthetisch als Pierres, genauso wie meine Art von Horrorfilmen einen Hang zum fantastischen Element hat, der sie ebenfalls künstlich macht. Was die BRIDE OF RE-ANIMATOR und Julie in RETURN III betrifft, glaube ich, dass es da einen sehr offensichtlichen sexuellen Bezug gibt. Die Art von fetischistischer Qual und verbotenem Verlangen, die die BRIDE oder Julie ausmacht, ist klar im erotischen Bereich. Wo die Grenze ist, bevor das in "Pornographie" abrutscht, ist strittig. Horror und Blut verursachen eine Erregung, die pornographisch sein kann, obwohl sich die meisten Horrorfilme wahrscheinlich besser mit "Soft Core"-Pornographie als mit der Art Hardcore vergleichen lässt, die Pierre macht. Der Grund weshalb ich das sage ist, dass ein Horrorfilm normalerweise viel Zeit darauf verwendet, auf einen Gipfel von Angst oder Erregung hinzuarbeiten. Heutzutage geht es in den meisten Pornos gleich zur expliziten Sache. Hauptsächlich, weil die meisten Pornos gezielt zur Masturbation eingesetzt und in kurzen Segmenten konsumiert werden, denke ich. Das Genre des erotischen Thrillers hat ein wenig mehr mit dem Horrorfilm gemein, aber das Vorurteil gegenüber explizitem Sex ist jenes, dass ein Horrorfilm die Schwelle zu expliziter Blutigkeit überschreiten darf, während ein erotischer Thriller, der die Schwelle zu explizitem Sex überschreitet sofort als Porno abgestempelt wird und als solches das Thrillerpublikum verliert – und als Porno findet er kein Publikum, weil der Pornokonsument zu ungeduldig ist um auf den expliziten Sex zu warten.

Die Art von Mädchen, die Pierre in seinen Filmen hat, wie die stark geschminkte Caylian Curtis, erinnert mich klar an eine Art schmerzhaft unterdrückter sexueller Energie, tatsächlich noch viel mehr als die Braut oder Julie deren verbotenes Verlangen blutig aus den Nähten platzt, und die selbst die Raserei der Leidenschaft durch ihre Schreie und ihre Gewalt zum Ausdruck bringen können. Caylian wirkt trotz ihrer aufdringlichen Posen und ihres Äusseres viel verklemmter. Definitiv ein gutes Thema, um sich in einem Horrorfilm damit auseinanderzusetzen...

Als Sie über CALIGULA sprechen, sagen Sie, dass Pornographie, sobald sie kommerziell erfolgreich wird, keine Pornographie mehr ist. Ich denke zwar, das mag auf die Siebziger zutreffen, glaube aber nicht, dass das heutzutage angesichts von Prestigeproduktionen wie PIRATES noch Gültigkeit besitzt?
    Ich bin nicht sicher, welchen PIRATES Sie meinen. Wie auch immer, vielleicht bin ich da etwas oberflächlich. Ich versuchte, eine Verbindung zwischen Porno- und Horrorfilmen aufzuzeigen. Und in der Welt des Horrorfilms verhält es sich grundsätzlich so, dass ein Horrorfilm, sobald er finanziell erfolgreich ist, als "Thriller", "psychologischer Thriller" oder "Science Fiction Thriller" etc. bezeichnet wird, nie als "Horrorfilm". Das liegt daran, dass sich der Begriff "Horrorfilm" zu einem Etikett für B-Filme entwickelt hat. Aus diesem Grund führt jemand wie William Friedkin den EXORZISTEN mit den Worten ein, es wäre "kein Horrorfilm". Aus diesem Grund behaupten auch viele Horrorfilmregisseure normalerweise, dass es ihre eigentliche Absicht ist, einen Kommentar zur Lage der Gesellschaft etc. abzugeben. Das liegt daran, dass der Horrorfilm kein respektiertes Genre ist. Eigentlich geht es nur um Semantik. Ich habe versucht, mich während unserer Sendung mit Pierre zu vergleichen indem ich sagte, dass Horror nur einen Schritt über dem Porno steht, was den Respekt in der Filmbranche anbelangt. Er hat dem schnell, und ich glaube er mit Recht, widersprochen indem er sagte, dass ich immer noch Projekte in der Mainstream Industrie vorschlagen kann obwohl ich ein Horrorregisseur bin, was er als Pornoproduzent nicht kann. Da hat er wohl Recht.

Als Sie die "Fantastic Factory" in Barcelona etablierten, war es ihr erklärtes Ziel, nicht nur Genre-Filme zu produzieren, sondern Möglichkeiten für junge Talente zu schaffen. Was waren ihre Erfahrungen dort und was ist daraus geworden?
    Ich glaube, das war ein voller Erolg. Wir hatten, denke ich, einen grossen Einfluss auf die kommerzielle spanische Filmindustrie. Und der Höhepunkt unserer Arbeit wurde nach meiner Abreise mit Jaume Balagueros und Paco Plazas brillantem, einheimischem Zombiefilm namens REC erreicht. Dieser Film wäre ohne die Fantastic Factory nicht möglich gewesen.

Zuerst haben Sie eine Produktionsfirma in Barcelona aufgebaut, jetzt sind sie einen grossen Schritt weiter und nach Indonesien gegangen, um dort nicht nur neue Filme, sondern in der Folge die Industrie selbst zu fördern. Was andere wahrscheinlich nur für ein mühsames Risko halten würden, scheinen Sie geradezu als eine weitere Herausforderung zu suchen und zu begrüssen. Das nenne ich mal idealistisch, wo sich doch 99% Ihrer "Genrekollegen" damit zufrieden geben, ihre eigenen Hits wiederzukäuen und zu banalen Remakes zu verwursten. Sie produzieren momentan sogar einen finnischen Film! Was treibt Sie?
    Mein Antrieb ist, von Filmen leben zu können. Scheinbar konnte ich micht besonders gut in das System einfügen, so dass ich gezwungen war, weniger traditionelle Möglichkeiten zu suchen. Als jemand, der in "fremden" Ländern aufgewachsen ist, scheine ich sozusagen "on the road" zu Hause zu sein. Wenn man in eine dermassen verschiedene Kultur wie Indonesien kommt, mit der grössten islamischen Bevölkerung der Welt, auf dem echten "Ring of Fire" aktiver Vulkane, ein Land, das regelmässig von Erdbeben und Tsunamis heimgesucht wird, scheint es einem wie an der Schwelle zur Apokalypse. Na ja, ein bisschen Übertreibung schadet nie. Im Ernst, die javanesische Kultur ist reich und faszinierend und es gibt hier eine allgegenwärtige Akzeptanz jeder Art von Geistern und übernatürlicher Aktivität. Im Budget eines Films müssen wir tatsächlich einen "Dukun" (eine Art indonesischer Schamane) einplanen, der dafür sorgt, dass es nicht regnet, und einen weiteren als Talisman. Das ist definitiv ein guter Platz für meine Fantasie! Bis jetzt hat es mir wirklich Spass gemacht, dort zu arbeiten. Es ist eine Wahnsinnsherausforderung und die Menschen, mit denen ich arbeite, sind talentiert, interessant, und grossartige Mitarbeiter mit einer einzigartigen Herangehensweise an das Genre.

An einem Punkt sagen Sie: "Ich mag die "künstliche Eigenschaft" von Filmen. Ich mag den Gedanken, dass sie nicht real sind." Was vermutlich erklärt, warum Sie keinerlei Hemmungen hatten, die Grenzen auf spielerische Weise so weit auszuloten, wie Sie das in ihren berüchtigteren Filmen getan haben?
    Die "künstliche" Eigenschaft, auf die ich mich beziehe ist jene Art Filmemachen, die Méliès begründet hat und die die deutschen Expressionisten in den 1920'ern weitergeführt haben, bis hin zu den Genrefilmemachern von heute. Es bedeutet lediglich, Film zu benutzen, um Träume, Mythen und Fantasie darzustellen. Ich möchte damit nicht sagen, dass ich kein gutes Drama oder eine romantische Komödie zu schätzen weiss, denn das tue ich. Aber was ich wirklich liebe ist Expressionismus im Kino – der Aufbau des Bildes um Gefühle und Ideen darzustellen, so wie es die Kunst tut, nicht lediglich um die "Realität" abzubilden. Und ja, das hat dazu geführt, dass ich mich an Spezialeffekten, starker Lichtsetzung und bizarren Situationen erfreue. Was die manchmal transgressive Natur meiner Filme betrifft, denke ich, dass das ein anderes Thema ist, das nicht zwingend mit der expressionistischen oder fantastischen Ästhetik verbunden ist.

Es trifft zu, dass ich ein Feigling bin, in dem Sinne dass mich der Horror des wahren Lebens sehr unbehaglich stimmt. Mich also mit Gewalt, Vergewaltigung, Tod durch Krankheit, etc. auseinanderzusetzen, die ja die Grundlage für das meiste an Fernseh- und Filmunterhaltung darstellen, fällt mir schwer. Wenn man jedoch die selbe Situation nimmt und den Täter durch ein Alien, ein Monster, etc. ersetzt, dann kann ich damit umgehen – und mich davon unterhalten lassen. Horrorfilme sind oft wie Attraktionen in einem Freizeitpark – man kann den Nervenkitzel, den Adrenalinrausch, Angst und Schwindel geniessen – aber befindet sich zu keinem Zeitpunkt wirklich in Gefahr...

Ich hatte stets den Eindruck, dass es in erster Linie nicht Genregeschichten an sich sind, die sie dazu treiben Filme zu machen, sondern die Möglichkeit, bestimmte Gedanken auf eine spielerische Art und Weise zu erforschen. Würden Sie zustimmen?
    Die motivierende Kraft ist einfach nur, Filme zu machen – oder zumindest war das anfangs meine Motivation, ins Geschäft zu kommen, ein Produkt herzustellen das mir so viel Freude bereitet hat. Und natürlich wollte ich Filme machen, die mir gefielen, was in der Regel die schrägen sind. Wenn man einen Film macht, oder auch irgendetwas anderes, neigt man dazu, seinen eigenen Interessen zu folgen. Für mich ist es ein starker Antrieb, einen guten Film zu machen, der zu seinen eigenen Bedingungen innerhalb seines Genres funktioniert. Ich glaube nicht, dass ich damit besonders erfolgreich war, obwohl ich mich schwer bemühe. Mit den Ideen unter der Oberfläche herumzuspielen ist für mich etwas Natürliches, da ich an den unseren Überzeugungen zugrunde liegenden Ironien und Absurditäten und den Konventionen des Geschichtenerzählens interessiert bin. Was ich an Horror liebe, ist, dass es sich normalerweise mit dem Bereich von Religion und Psychologie befasst. Die Situationen selbst sind absurd und lächerlich, und aus diesem Grunde halten viele Leute Horror für ein "geringeres" Genre. Aber es ist das Gebiet des Horrors selbst, das solch eine melodramatische und fantastische Behandlung notwendig macht. Dieses Übertreibung macht es für mich zum traumähnlichsten aller Filmgenres, und ja, es macht Spass, mit den Ideen, die es beinhaltet, herumzuspielen. Ich glaube aber, dass das "Erforschen", wie Sie es nennen, weniger die treibende Kraft ist, die mich dazu bringt, Filme zu machen, als vielmehr eine Haltung während des Filmemachens um mein Interesse aufrechtzuerhalten und bei der Sache zu bleiben. Unglücklicherweise glaube ich ich, dass dieses Empfinden nicht besonders mainstream ist und auf vielerlei Art den Erfolg der Filme beschränkt, indem sie den Fokus verlieren und am Ende zu oft uneinheitlich sind.

Was denken Sie als Filmemacher, der schon immer eher an der fantastischen Seite des Horrors interessiert schien statt lediglich die Bluthunde bedienen zu wollen, über die ganze "Torture Porn"-Welle?
    Das ist etwas, was ich nicht wirklich verstehe. Manchmal kann es berauschend sein, es gibt da etwas an Fleisch und Schmerz, das auf die Ursprünge des Horrorgenres im Westen zurückgeht, die meines Erachtens mit der katholischen Religion in Verbindung gebracht werden können, die Leiden mit Erlösung gleichsetzt. Wir sehen das nicht nur in Horror-, sondern auch in Actionfilmen, in denen der Held in extremem Masse leiden muss, bevor er sich erheben, erretten und triumphieren kann. Das interessante ist der Begriff "Torture Porn" an sich. An welchem Punkt werden Schmerz, Gewalt und Blut pornographisch? Und ist es tatsächlich der Schnittpunkt zwischen Porno und Horror? Es scheint mir, dass es der Punkt ist, an dem fleischlicher Schmerz von Transzendenz und Erlösung (ich weiss, grosse Worte für B-Film-Unterhaltung) losgelöst erscheint, wenn etwas rundum als "Porno" kritisiert wird. Wenn man die endlosen Auspeitschungen in diesem grossartigen Horrorfilm DIE PASSION CHRISTI behalten, aber sämtliche Szenen der Erlösung entfernen würde, wäre es dann "Torture Porn"? Oder würde die blosse Tatsache, dass es sich um die erlösende Gestalt, die wir als Jesus kennen handelt genügen, um das Leid und Blut in Kontext zu setzen?

Ich habe gelesen, dass Sie ein grosser Fan von Kim Deitch sind und schon immer MILES MYCROFT, PSYCHIC DETECTIVE adaptieren wollten – das stelle ich mir sehr spannend vor! Ist das immer noch etwas, was Sie eines Tages gerne realisieren würden?
    Ja, das würde ich. Obwohl Kims Kunst seitdem in den Mainstream Einzug gehalten hat. Er ist nach wie vor ein Künstler, dessen Arbeit ich verehre.

Mr. Yuzna, vielen Dank für das Gespräch!


Kritik von Jan Zeleny
Gespräch mit Regisseur Hasko Baumann
Gespräch mit Pierre Woodman
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Special zur Folge PIERRE WOODMAN & BRIAN YUZNA

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