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UNENDLICHE TIEFEN

Special.
Durch die Nacht mit... Franco Nero & Fred Williamson
von Jan Zeleny

Durch die Nacht mit... Franco Nero & Fred Williamson

Die Sonne beginnt, am flirrenden römischen Himmel unterzugehen, es ertönen die ersten Klänge von Paolo Vasiles "Il giorno del cobra" aus Enzo G. Castellaris gleichnamigem Reisser und die Kamera wischt über die Inschrift am Fusse des Reiterstandbildes Garibaldis: "Roma O Morte". Im März diesen Jahres konnte sich Kollege Baumann, ausgewiesener Poliziotteschi- und Actiongülle-Afficionado, einen persönlichen Traum verwirklichen, als er für DURCH DIE NACHT MIT... in Rom Leinwandlegende Franco "Django" Nero und Fred "The Hammer" Williamson, Superbowl-Champion und einer der grossen Namen des Blaxploitation-Kinos, aufeinander loslassen durfte. Form bekommt der Abend durch die Besuche bei Genreikone Barbara Bouchet und dem Papst des psychotronischen Action-Exzesses, Castellari persönlich ("Action wie bei Peckinpah", erklärt eine Einblendung dem perplexen Arte-Zuschauer), mit dem beide zahlreiche Filme gedreht haben.

Die Folge wird mit einer Liebeserklärung Neros an Rom und einem kurzen Spaziergang durch sein Viertel zu seiner Stammkneipe eingeleitet, wo alsbald auch Williamson auftaucht und lautstark klarmacht, aus welchem Holz er geschnitzt ist: "Where's the women?" brüllt er durch die kleine, italienische Kneipe, bevor Nero ihn hastig ins letzte Licht des Abends zerrt.

Als erstes geht es zu einem Spielplatz für grosse Jungs, einer Stuntschule, wo beide erstmal unter Zuhilfenahme eines willigen und fähigen Opfers unter Beweis stellen, dass sie zumindest immer noch so tun können, als ob sie jemanden verdreschen würden. Woraufhin Williamson umgehend wieder mit dem Aufschneiden beginnt und allen Ernstes verkündet, er würde als nächstes einen Bond-Film machen – "with me being the black James Bond!"

Es ist, als ob man zwei pubertierenden Jungs zusehen würde. Als Nero einsieht, dass es keinen Sinn hat, seinen Machismo mit dem elefantösen Ego des "Hammer" zu messen, versucht er, den europäischen Intellektuellen raushängen zu lassen und Williamson mit seiner intellektuellen Vielseitigkeit und seinem Spiel für Fassbinder zu beeindrucken ("It is a movie about homosexuality") - worauf ihn der "Hammer", der den Namen Fassbinder zum ersten Mal hört, gnadenlos auf die Rolle nimmt: "What kind of movie was it? Sexy movie? Franco - you did erotica!"

Dieses ständige Gerangel hat bisweilen etwas beinah rührend-infantiles, nervt aber mit fortschreitender Laufzeit – vor allem, als auch noch eine seit den Siebzigern zart aufgedunsene Barbara Bouchet dazukommt, die sich zwar nicht daran erinnern kann, Williamson schon mal getroffen zu haben aber prompt damit prahlt, dass sie von "unserem Freund Quentin" nach Amerika eingeladen worden sei. Später, bei Castellari, kommt das Gespräch dann - nach Williamsons x-tem Verweis auf seine Rolle in FROM DUSK TILL DAWN - nochmal auf Tarantinos geplantes INGLORIOUS BASTARDS-Remake und der "Hammer" lässt sich doch noch dazu hinreissen, ein wenig von sich und seinen Erlebnissen bei den Dreharbeiten des Originals zu berichten; worauf sich die heitere Altherrenrunde jedoch gleich wieder in unverbindlicher Nostalgie ergeht.

Zu Beginn des Abends scheint Williamsons polterndes Imponiergehabe an einem indifferenten Nero abzugleiten, im Laufe der Nacht lässt der sich dann aber irgendwann vereinnahmen und bewegt sich plötzlich auf einer ziemlich unangenehmen Ebene, auf der auch schonmal mit schmieriger Verschwörermine die sexuellen Vorzüge kleiner Hunde kolportiert werden. An solchen Stellen bröckelt der Putz des Machismo, was die Inszenierung aber leider geflissentlich wie stylish übergeht – anstatt den Finger in die Wunde zu legen und die Protagonisten konsequent der selbst heraufbeschworenen Lächerlichkeit preiszugeben, geht's, akustisch von einem weiteren schmissigen '70ies-Klopper der de Angelis-Brüder untermalt, schnell weiter zur nächsten Station.

Zumindest die äussere Form ist wie üblich über jeden Zweifel erhaben: Die Kamera fängt (sofern sie denn nicht gerade den zahlreichen hübschen Römerinnen nachstellt) die nächtliche Stadt in fiebrigen Bildern ein, auf der Tonspur feiern Italo-Synthie-Ohrwürmer mit amerikanischen Funk- und Soul-Knallern zusammen ein wüstes Stelldichein und wenn der "Hammer" seine Zigarre aus dem Mund nimmt, macht es zünftig wusch! Statt dermassen zügelloser Heldenverehrung wäre angesichts der stattfindenden Selbstdemontage aber doch zumindest etwas zaghafte Dekonstruktion auch in der Darbietung angebracht gewesen, und so bleibt eine Folge, die die hohen Erwartungen des Fans unweigerlich milde enttäuscht zurücklässt. Ab ins Kreuzverhör, Herr Baumann!



Kritik von Jan Zeleny
Gespräch mit Regisseur Hasko Baumann
Special zur Folge FRANCO NERO & FRED WILLIAMSON

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