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KAPITELWAHL

14 BLADES (Hong Kong/China 2010)

von Andreas Neuenkirchen

Original Titel. JIN YI WEI
Laufzeit in Minuten. 108

Regie. DANIEL LEE
Drehbuch. DANIEL LEE . ABE KWONG
Musik. HENRY LAI
Kamera. TONY CHEUNG
Schnitt. nicht bekannt
Darsteller. DONNIE YEN . VICKY ZHAO WEI . KATE TSUI . WU CHUN u.a.

Review Datum. 2010-12-28
Erscheinungsdatum. 2010-10-29
Vertrieb. KOCH MEDIA

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DTS/DD 5.1) . MANDARIN (DTS/DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Regisseur Daniel Lee hatte 2008 mit THREE KINGDOMS: RESURRECTION OF THE DRAGON ein wenig Pech, dass sein Film zeitlich nah an John Woos staatstragenden Riesenwerk RED CLIFF herauskam, mit dem es die literarische Inspiration teilte. Die mediale Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf Woos Epos, und die Freundinnen und Freunde des asiatischen Kinos fanden auch, dass RED CLIFF im Vergleichstest besser abschnitt, was für dessen berauschende Komplettfassung sogar stimmen mag (allerdings keineswegs für die unglücklich kompilierte Exportversion). Nichtsdestotrotz sollte man anerkennen, dass Lee mit seinem leichtfüßigen und augenschmeichelnden Schlachtfetzen endlich mal wieder ein chinesisches Historienabenteuer präsentierte, dass sich mehr an Publikums- als an Preisrichterinteressen orientierte. Mit 14 BLADES, angesiedelt in Zeiten der Ming-Dynastie, geht er diesen Weg weiter, allerdings nicht mehr ganz so sicheren Fußes.

Donnie Yen spielt Quing Long, den Anführer der kaiserlichen Leibgarde. Als die von Umstürzlern unterwandert wird, wird er zum Gesetzlosen. Auf der Flucht entführt er die junge Qiao Hua (Vicky Zhao Wei), Tochter des Anführers einer Art Söldnerbande. Das Stockholm-Syndrom kannte man schon im alten China, und so reitet Quing Long bald mit seiner neuen Freundin, ihren alten Kumpeln und ein paar Räubern gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber.

Diese Geschichte ist das große Problem von 14 BLADES. So schwammig sie hier klingt, ist sie tatsächlich. Vieles muss immer wieder monologisch und dialogisch lang erklärt werden, und ist danach noch immer nicht klarer. In dieser Schwammigkeit haben auch die Figuren kaum Konturen, auf der guten wie der bösen Seite. Es fehlt ein markanter Oberschurke, eine stets präsente Bedrohung, um den Film auch spannend zu halten, wenn gerade niemand niemandem im freien Flug ins Gesicht tritt. Ob Quing Long Held oder Wicht ist, ist lange unklar. Ambivalente Figuren mögen generell pflegeleichten Pappkameraden vorzuziehen sein, aber bei diesem Film hätten eindeutigere Positionen identifikationsfördernd gewirkt.
Die 1A-Besetzung, die aus Stars der Stunde, vielversprechenden Newcomern und alten Schlachtrössern hübsch bunt zusammengewürfelt ist, wirkt an diese Charaktere verschenkt. Donnie Yen kann man unmöglich nicht lieben, aber man kann ebenso unmöglich abstreiten, dass man ihn schon motivierter als hier gesehen hat. Außerdem hat er leider mit Bart eine beängstigende Ähnlichkeit mit DJ Bobo (kann aber besser tanzen). Ex-‚Miss Hong Kong‘ und TV-Star Kate Tsui könnte als bezopfte Killerin eine Wiedergängerin Maggie Qs als ähnlich frisierte Schurkin in THREE KINGDOMS sein, was alles andere als schlimm ist. Schade nur, dass sich ihre Auftritte in so engen Grenzen halten. Selbst für eine klassische Geheimnisvolle Fremde bleibt sie zu fremd. Sammo Hung hat lediglich einen kurzen Gastauftritt, der sich interessant anlässt aber letztendlich lapidar verpufft. Nur Vicky Zhao Wei ist eine einzige Freude als zugleich mädchenhafte und resolute Qiao Hua. Allein kann sie den Film aber nicht stemmen.

Trotz aller Unzulänglichkeiten bleibt 14 BLADES ein sympathischer Film. Denn er stellt Spaß und Abenteuer an die erste Stelle, wie es sich für einen Film dieser Art gehört. Action und Action-Helden werden zelebriert, auch wenn man auf die Zelebration mitunter etwas warten muss. Die Kämpfe zu Lande und in der Luft sind auf dem hohen Niveau, das man von den Verantwortlichen vor und hinter der Kamera erwarten darf. Die Spezialeffekte sind originell erdacht und handwerklich gut gelungen, so lange man kein ewig gestriger CGI-Verweigerer ist. Die Kostüme und vor allem Kulissen sind eine Schau und exzellent ins Bild gerückt.
Die Rückkehr des Spaßfaktors in das Wuxia-Genre ist äußerst begrüßenswert, seit genrefremde Regisseure wie Ang Lee oder Wong Kar Wai sich redlich bemühten, jeden Spaß an fliegenden Fecht- und Faustkämpfen gründlich zu verderben und einen unglücklichen Trend zum Kunstgewerblichen Vorschub leisteten. Daniel Lee ist mit seinem unbedingten Unterhaltungswillen weiterhin auf dem richtigen Weg. Er könnte nur ab und an mal einen Zahn zulegen.

DVD.
Bild und Ton sind fein. Die deutsche Synchronisation ist zwar keine Katastrophe, aber in Original-Mandarin wird weit natürlicher und lebhafter palavert. Das einzige Extra ist ein einigermaßen interessantes Making-Of, in dem Donnie Yen sagt: "Ich musste einen falschen Bart tragen. Das war neu für mich." Womit wohl die Herausforderung der Rolle bestens umrissen ist. Außerdem erhellt alles, was Daniel Lee in der Doku sagt, die Story des Films viel mehr als alles, was im Film gesagt wird.








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