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KAPITELWAHL

TRIUMPH DES GEISTES (USA 1989)

von Sebastian Moitzheim

Original Titel. TRIUMPH OF THE SPIRIT
Laufzeit in Minuten. 116

Regie. ROBERT M. YOUNG
Drehbuch. ANDREZJ KRAKOWSKI. LAURENCE HEATH
Musik. CLIFF EIDELMAN
Kamera. CURTIS CLARK
Schnitt. NORMAN BUCKLEY
Darsteller. WILLEM DAFOE . EDWARD JAMES OLMOS . ROBERT LOGGIA . WENDE GAZELLE u.a.

Review Datum. 2010-09-05
Erscheinungsdatum. 2010-05-14
Vertrieb. S.A.D.

Bildformat. 1.85:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . ENGLISCH (DD 2.0)
Untertitel. keine
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Die Zeit des Zweiten Weltkrieg, besonders die Verbrechen des Holocaust, in Spielfilmen darzustellen ist bis heute eine heikle Angelegenheit, an der sich dennoch immer wieder Filmemacher versuchen. Neben fiktionalisierten Versionen wie zuletzt Quentin Tarantinos INGLOURIOUS BASTERDS gibt es auch eine ganze Reihe an Filmen, die möglichst detailgetreu und authentisch die Verbrechen der Nazis darstellen wollen und sich dazu an wahren Geschichten bedienen. Ein solcher Film ist TRIUMPH DES GEISTES. Das in Deutschland im Kino nie gezeigte Drama von 1989 basiert lose auf der wahren Geschichte von Salamo Arouch.

Salamo (Willem Dafoe) ist Boxer und Balkan-Meister in seiner Gewichtsklasse. 1943 wird der griechische Jude mit seiner Familie und seiner Verlobten Allegra (Wendy Gazelle) ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Als seine Vergangenheit als Profi-Boxer bekannt wird, zwingt ihn das Lagerpersonal, gegen andere Insassen zu boxen. Der Gewinner der Kämpfe überlebt, der Verlierer wird erschossen. Um sein eigenes und das Überleben seines Vaters (Robert Loggia) zu gewährleisten, kämpft Salomo bis zuletzt gegen die anderen Insassen.

TRIUMPH DES GEISTES ist schwierig zu beurteilen. Einerseits zeigt der Film besonders zu Beginn eindringlich die Grausamkeiten, die die Insassen von Auschwitz erdulden mussten. An Originalschauplätzen gedreht legt er sichtlich viel Wert auf Detailtreue und Authentizität und zeichnet, so lange die eigentliche Geschichte um die Boxkämpfe noch nicht richtig begonnen hat, ein beklemmendes Bild der Schrecken des KZ. Auch Willem Dafoes zurückgenommenes, nuanciertes Spiel trägt zur dichten Atmosphäre bei.

Auf der anderen Seite steht allerdings die Geschichte der Boxkämpfe. Diese könnten aufgrund ihrer Inszenierung genauso gut aus ROCKY oder einem ähnlichen Sportfilm stammen und dienen, obwohl auch aus Sicht der Hauptfigur moralisch fragwürdig, in erster Linie zum Spannungsaufbau, lassen den Zuschauer also mit Salomo mitfiebern. Selbst, als er sich gegen Ende weigert, gegen einen anderen Insassen zu kämpfen, weil dieser ihm zu schwach erscheint, tut er dies mit der Begründung "Das ist nicht Boxen." - und lässt so alle vorherigen Kämpfe als "normalen" Sport dastehen. Salomo ist am Ende zwar ein gebrochener Mann, wird aber, wenn nicht als Held, so zumindest als tapferer, willensstarker Mann stilisiert - sein Überleben, als einziger seiner Familie, ist eben der titelgebende TRIUMPH DES GEISTES.

Diese Interpretation, das Überleben Salomos auf Kosten anderer als "Triumph" darzustellen, ist bedenklich, suggeriert sie doch, dass das Schicksal der Insassen von Auschwitz letztlich in deren eigener Hand lag, von ihrer eigenen Willensstärke abhängig war. Es wäre definitiv falsch, Regisseur Robert M. Young und den Drehbuchautoren Andrzej Krakowski und Laurence Heath vorzuwerfen, diese Aussage zu beabsichtigen - zu deutlich werden die Willkür der KZ-Aufseher und die Grausamkeit gegenüber den Insassen gezeigt. Der Vorwurf, dass eine solche Interpretation zu Gunsten von Dramaturgie und Spannung in Kauf genommen wird, ist aber sehr wohl berechtigt - die Kämpfe dienen nicht nur zur Unterhaltung des Lagerpersonals, sondern auch des Zuschauers.

Aufgrund der hohen Detailverliebtheit und der dichten Atmosphäre lohnt es zwar trotz aller Kritik, TRIUMPH DES GEISTES anzusehen; über die fragwürdige Inszenierung sollte man dabei aber nicht hinwegsehen: TRIUMPH DES GEISTES hätte mit ein wenig mehr Reflexion und dem Verzicht auf die "packenden" Boxkämpfe ein interessantes Charakterdrama sein können, verliert durch seine Zugeständnisse an das Sportfilm-Genre allerdings an Haltung und Sensibilität für sein Thema.

DVD.
Zwar fehlt es bei dunklen Szenen an Kontrast, bedenkt man das Alter des Films, sind Bild- und Tonqualität auf der DVD allerdings hervorragend. Das Bonusmaterial dagegen kann weniger überzeugen, wird doch außer Biografien und Filmografien der Beteiligten und einer Bildergalerie nichts geboten. Auch das gänzliche Fehlen von Untertiteln fällt negativ ins Gewicht.








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