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KAPITELWAHL

WAHL DER WAFFEN (Frankreich 1981)

von Hasko Baumann

Original Titel. LE CHOIX DES ARMES
Laufzeit in Minuten. 130

Regie. ALAIN CORNEAU
Drehbuch. MICHEL GRISOLIA
Musik. PHILIPPE SARDE
Kamera. PIERRE-WILLIAM GLENN
Schnitt. THIERRY DEROCLES
Darsteller. GERARD DEPARDIEU . CATHERINE DENEUVE . GERARD LANVIN . YVES MONTAND u.a.

Review Datum. 2010-07-13
Erscheinungsdatum. 2010-06-03
Vertrieb. KINOWELT HOME ENTERTAINMENT

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . FRANZÖSISCH (DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Der junge Gauner Mickey (Gérard Depardieu) bricht mit zwei Komplizen aus dem Gefängnis aus. Aber die Flucht verläuft denkbar unglücklich; zuerst erschießt Mickey einen Polizisten, und dann werden er und sein älterer Freund auch noch an eine rivalisierende Gangsterbande verraten. Der schwer verletzte Serge weist Mickey den Weg zum Gestüt von Noël (Yves Montand), einem ehemaligen Gangster, von dem er sich Hilfe verspricht. Tatsächlich verhält sich der mittlerweile sehr wohlhabende, glücklich mit seiner Frau Nicole (Catherine Deneuve) verheiratete Noël einem alten Ehrenkodex entsprechend und unterstützt die Flüchtigen, obwohl es unweigerlich die mißtrauische Polizei auf dem Plan rufen wird. Der abgeklärte Inspektor Bonnardot (Michel Galabru) und sein hitzköpfiger, übereifriger junger Kollege Sarlat (Gerard Lanvin) erweisen sich dabei als ungünstige Ermittlerkombination. Der aggressive Mickey traut dem überlegten Noël nicht über den Weg, und Noël seinerseits möchte Mickey schnellstmöglich aus seinem Leben verschwinden sehen. Als Mickey seine kleine Tochter in Gefahr sieht und Noël seinerseits um Nicoles Sicherheit bangt, nimmt eine Kette tragischer Mißverständnisse ihren Anfang und endet unweigerlich in der schlimmstmöglichen Katastrophe.

Wie großartig die französischen Genrefilme der 70er und frühen 80er Jahre waren, vermag man erst jetzt in vollen Ausmaß zu begreifen. Es ist kaum zu verstehen, warum der französische Film damals und bis heute Zielscheibe dünner Witzchen über ausgetrocknetes Intellektuellenkino war und ist. Natürlich atmet auch WAHL DER WAFFEN den Geist des wohlüberlegten, lakonischen und gleichwohl hochdramatischen europäischen Kinos, jedoch vergißt Altmeister Alain Corneau dabei nicht die genrespezifischen Spannungselemente. Mit seiner hochinteressanten Figurenkonstellation und wortkargen, effizienten Dialogen bietet er einer sagenhaften Besetzung ein adäquates Spielfeld. Unweigerlich denkt man an Regisseure wie Jacques Becker, Claude Sautet oder Jean-Pierre Melville, was insbesondere an dem aristokratischen Gangstertyp liegen mag, wie ihn Yves Montan hier verkörpert. Ihm gegenüber steht mit Mickey ein impulsiver, stets konfrontativer Wilder, der das Wissen um die eigene Armseligkeit mit Gewalt zu bekämpfen sucht. Gérard Depardieu rüpelt sich so rücksichtslos uneitel und augenrollend durch seinen Part, daß man seinen damaligen Status als Frauenschwarm erst begreifen kann, wenn er seine Tochter anschaut: Plötzlich ist da Wärme im Blick, Verletzlichkeit, und die stets angestrengten Gesichtszüge entspannen sich und legen die Sensibilität dieses groben Klotzes frei.

Corneau gelingt es mit seinem sehr passend betitelten Film, Gewalt als Lösungsmittel in jeder Form abzulehnen; obwohl es zu vielfältigen Ausbrüchen kommt, führt jeder Gewaltakt, egal von welcher Seite begangen, die Charaktere immer tiefer in den Abgrund. Es obliegt Noël, sich diesem Strudel zu entziehen und der Brutalität, völlig frei von Egoismus, die reine Menschlichkeit entgegenzusetzen. So wirkt WAHL DER WAFFEN noch lange nach. Nur die oft allzu pathetische Filmmusik Philippe Sardes und die Überlänge des Films trüben, wenn auch geringfügig, den Genuß.

DVD.
Die Bildqualität dieser DVD aus der Arthaus-Reihe ist schlicht atemberaubend. Corneaus herrlich breite Bilder kommen ebenso wunderbar und klar zur Geltung wie die Close-Ups von Catherine Deneuves Gesicht. Ein Traum. Die deutsche Tonspur bietet zwar eine, zu damaligen Zeiten üblich, erstklassige Synchronfassung, liegt aber leider nur in Mono vor. Das ist insofern schade, als daß Corneau wirklich bemerkenswert mit den Stereoeffekten umgegangen ist; sparsam, aber um so wirkungsvoller. Dafür ist die französische Stereo-Tonspur leider sehr leise bei den Dialogen, bei den Toneffekten aber viel zu laut (Kinomischung)? Als Extras gibt es eine Bildergalerie mit Aushangfotos und dem französischen Kinoplakat sowie den Originaltrailer, der verständlicherweise mit der großen Besetzung hausieren geht, aber auch schon mal übelst eine Schlüsselszene spoilert.








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