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KAPITELWAHL

X-MEN - STAFFEL 3.1 - 3.4 (USA 1994)

von Stefan Mader

Original Titel. X-MEN
Laufzeit in Minuten. 148/126/125/125

Regie. diverse
Drehbuch. diverse
Musik. RON WASSERMAN
Kamera. -
Schnitt. SHARON JANIS . JOHN C. WALTS
Darsteller. CATHAL J. DODD . CEDRIC SMITH . LEONORE ZANN . CATHERINE DISHER u.a.

Review Datum. 2010-01-21
Erscheinungsdatum. 2009-07-02
Vertrieb. CLEAR VISION/ROUGH TRADE

Bildformat. 1.33:1
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . ENGLISCH (DD 2.0)
Untertitel. DÄNISCH . FINNISCH . NIEDERLÄNDISCH . NORWEGISCH . SCHWEDISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Eines fällt gleich innerhalb der ersten Minute der dritten X-MEN-Staffel auf: die Zeichnungen sind besser, detaillierter und auf das Inking wird mehr Wert gelegt. Den Charakteren wird plötzlich mehr als ein generisches Standardfreitzeitoutfit auf den Leib gezeichnet – überspitzt formuliert könnte man sagen, die X-Men gehen diesmal nicht mehr im Kampfdress zum Bäcker. Logan hat ausgeprägtere, wölfischere Eckzähne und trägt dann und wann in Close-Ups auch mal Bartstoppeln zur Schau. Ja, auch das ist neu – in einigen Episoden wird eine etwas "filmischere" Optik bemüht. Das geht sogar soweit, dass in einer Folge kurz das Zeichentrickäquivalent einer Handkamera zum Einsatz kommt. Allerdings wird in der dritten Staffel die Animation stellenweise schlampiger: vereinzelt kommt es vor, dass Charaktere sprechen ohne dass der Mund sich bewegt - angesichts des sonst relativ hohen Standards der Serie ist ein so gravierendes (mehrfach auftauchendes) Versäumnis völlig unverständlich...

Inhaltlich wird in der dritten Season, die mit 25 Folgen doppelt so umfangreich ausfällt die beiden Staffeln davor, geklotzt und nicht gekleckert, denn die zusätzliche Zeit wird genutzt, um komplexere, umfangreichere Geschichten zu erzählen. Ganze fünfzehn Folgen werden für explizite Zwei- oder Mehrteiler verwendet, die üblichen sekundären Handlungsbögen freilich nicht mitgerechnet.
Zum Dreh- und Angelpunkt der Staffel mausert sich ohne jeden Zweifel eine der bekanntesten, auch 2006 in X-MEN 3 (halbherzig) aufgegriffenen, X-Men-Storylines - die Phoenix Saga, die hier in insgesamt neun Folgen erzählt wird.
Eingestimmt wird das geneigte Publikum darauf mit dem die Staffel eröffnenden Zweiteiler "Out Of The Past", in dem neben Wolverines alter Bekannter Lady Deathstrike auch die Morlocks aus Staffel 1 nochmals auftreten und der sozusagen den Boden für den anschließenden ersten, fünf Episoden umfassenden Brocken der Phoenix Saga ebnet. Darin bittet eine Außerirdische namens Lilandra Professor Xavier um Hilfe, den mächtigen M'Kraan-Kristall vor ihrem Bruder, dem Herrscher der Shi'ar, in Sicherheit zu bringen. Dieser möchte sich die Macht des Kristalls nämlich zueigen machen, selbst wenn dabei die ganze Galaxis als Kollateralschaden draufgeht. Das versucht die Phoenix Force, eine mythische Kraft die den M'Kraan beschützt, zu verhindern und erwählt Jean Grey aufgrund deren telepathischer Fähigkeiten zu ihrem Wirt, verleiht ihr nie da gewesene Superkräfte und macht sie so zu Phoenix, der Verkörperung der Kristallswächterin. Wie nicht nur eingefleischte Comicsfans wissen werden, kann die Bedrohung abgewendet werden, doch der Sieg erfordert ein großes Opfer und lässt die X-Men geschockt zurück.
Im Vierteiler "The Dark Phoenix" zur Mitte der Staffel kehrt Jean zurück, ihre Probleme sind damit aber noch lange nicht ausgestanden. Die Telepathen Emma Frost und Jason Wyngarde vom Inneren Kreis des Hellfire Club (hier, wohl in einem weiteren fehlgeleiteten Versuch, junges Publikum nicht zu verstören, unter Inner Circle Club firmierend) manipulieren Jeans geschwächten Geist, um sie zum Beitritt zu ihrem Zirkel zu bewegen. Das eigentliche Ziel des Hellfire Club ist es freilich, die Phoenix Force für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Derart geschwächt kann Jean die mittlerweile völlig unberechenbare Phoenix Force nicht mehr im Zaum halten und als ganze Sonnen verschlingende Dark Phoenix stellt sie eine ebenso große Gefahr dar wie zuvor der Shi'ar-Despot. Das ruft erneut Lilandra auf den Plan, die als nunmehrige Herrscherin der Shi'ar die Zerstörung der Phoenix Force und somit Jean Greys fordert.
Bereits angesichts dieser arg verknappten Darstellung wird offensichtlich, dass die Phoenix Saga deutlich komplizierter als das Durchschnittscomic ausfällt und allgemein mehr Sci-Fi als Superheldengeschichte ist, was im Kontext der Serie auch etwas befremdlich wirkt (für Weltraumausflüge sind sonst eher die Fantastic Four zuständig). Dennoch ist der Versuch, diese von vielen Kennern zu den wichtigsten X-Men-Geschichten gerechnete Storyline im Zeichentrickmedium zu adaptieren und die epische Breite der zwischen 1976 und 1980 von Chris Claremont und John Byrne verfassten Vorlage beizubehalten, lobenswert. Inhaltliche Vereinfachungen sind unumgänglich, die essenziellen Punkte wurden jedoch in den Cartoon übernommen und letztlich stellt die Serie sogar die geradezu metaphysische Frage in den Raum, inwiefern Jean und (Dark) Phoenix als eingeständige Wesen oder als verschiedene Aspekte des selben Wesens betrachtet werden können. Nebenbei: kommt es nur mir so vor oder haben wir es hier tatsächlich mit einer Analogie zur christlichen Trinitätslehre zu tun?

Über die alles dominierende Phoenix Saga hinaus bietet die dritte Staffel allerdings wieder eine Reihe von Wiedersehen mit bereits bekannten Charakteren:
Neben der televisionären Nervensäge Mojo und dem Shadow King haben auch Archangel und natürlich Apocalypse ihren Auftritt und ungewöhnliche Situationen ergeben sich, als Juggernaut während eines Angriffs auf das X-Anwesen seine Kräfte verliert und ist auf die Hilfe seines verhassten Stiefbruders angewiesen ist und als Wolverine und Storm von der US Army dazu genötigt werden, ausgerechnet mit Omega Red zusammenzuarbeiten. Cyclops überlegt während Jeans Abwesenheit, die X-Men zu verlassen und mit Iceman wird ein ehemaliger Schützling Xaviers eingeführt. Ebenfalls Premieren sind die Auftritte von Moira MacTaggerts Verlobtem Banshee und X-Factor, im Gegensatz zu den Comics hier ein Mutantenteam der US-Regierung. In die Kategorie "alte Bekannte" fällt hingegen die Rückkehr der X-Men ins Wilde Land in der Antarktis. Gleiches gilt für das erneute Auftauchen von Master Mold und den Sentinels, im Kampf gegen die die X-Men Unterstützung von einem lang nicht mehr gesehen Verbündeten erhalten.
Gegen Ende der Staffel erhält schließlich auch der fast schon sträflich vernachlässigte Magneto einen gebührenden Auftritt. Im Zweiteiler "Sanctuary" will er einen Asteroiden im Erdorbit zur Zufluchtsstätte für Mutanten machen und den Konflikt zwischen Menschen und Mutanten so entschärfen. Einer seiner Anhänger sinnt jedoch auf Rache an den Menschen und schmiedet ein Komplott gegen Magneto, in dem auch die X-Men eine entscheidende Rolle spielen sollen.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die dritte Staffel von X-MEN umfangreichere, komplexere Einzelgeschichten erzählen will und dies auch sehr gut bewerkstelligt. Das geht allerdings auf Kosten der die ganze Staffel umfassenden Handlungsbögen, die im Jahr zuvor noch recht ausgefeilt waren, hier jedoch fast völlig fehlen. Die Verbesserungen wiegen dies aber eindeutig auf, nicht zuletzt auch durch das vermehrte Augenmerk, das in den Zeichnungen auf Details gelegt wurde.
Und Wolverine im DIRTY HARRY-Modus ("Do you feel lucky, punk?") ist ohne Wenn und Aber zum Niederknien.

DVD.
Die Neuerungen im Vergleich zu den vorigen Staffeln liegen im Detail, aber oft sind es die kleinen Dinge, die den entscheidenden Unterschied ausmachen.
Im vorliegenden Fall sind es das Menü, das dem von SPIDER-MAN und SILVER SURFER bekannten, schmucken Comicheft-Standard angepasst wurde, und der Verzicht auf die umfangreichen, nicht überspringbaren Programmhinweise vor dem Hauptmenü. Zwar gibt es and dieser Stelle nun Werbung für die anderen X-MEN-Staffeln, die kommt allerdings in homöopathischen Dosen zum Einsatz.
Einsparungen gab es dafür bei den Tonspuren, es sind nur noch Deutsch und Englisch (jeweils in Stereo) verfügbar, die Skandinavistiker unter den X-Fans müssen sich nun mit Untertiteln begnügen. Die Qualität der vorhandenen Tonspuren und des Bildes stellen aber zufrieden. Als Extra gibt es, wie gehabt, einen gedruckten Episodenführer.








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