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KAPITELWAHL

WIEN - ES LEBE DER ZENTRALFRIEDHOF (Österreich 2005)

von Stefan Mader

Original Titel. WIEN - ES LEBE DER ZENTRALFRIEDHOF
Laufzeit in Minuten. 50

Regie. MANFRED CORRINE
Drehbuch. MANFRED CORRINE
Musik. -
Kamera. KLAUS STEFAN . HUBERT KRETSCHMER . CHRISTIAN GIESSER . FRANZ RIESS
Schnitt. nicht bekannt
Darsteller. -

Review Datum. 2005-12-05
Erscheinungsdatum. 2005-10-24
Vertrieb. POLYBAND

Bildformat. 1.78:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . ENGLISCH (DD 2.0)
Untertitel. keine
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
UNIVERSUM, die Naturfilmreihe des Österreichischen Rundfunks, begleitet mich im Grunde seit ich denken kann und stellt eine der letzten Sendungen dar, mit denen der ORF seinem Bildungsauftrag als öffentlich-rechtlicher Sender nachkommt. Natürlich besteht der Großteil der in UNIVERSUM gezeigten Filme aus Produktionen, die beispielsweise bei der BBC eingekauft wurden, doch immer wieder macht man auch mit hochwertigen Eigenproduktionen auf sich aufmerksam: Seien es nun eingehende Betrachtungen zum Leben der Stubenfliege oder ein auf Film gebannter Besuch bei den tierischen Untermietern des Wiener Stephansdoms – aufgrund eindrucksvoller Aufnahmen sind jedes Mal tolle Quoten vorprogrammiert.
So auch im Falle von ES LEBE DER ZENTRALFRIEDHOF, der, wenn die mir vorliegenden Informationen aus den Tageszeitungen stimmen, bei seiner Erstausstrahlung am 1. November dieses Jahres sensationelle 18 Prozent Marktanteil verbuchen konnte.

Autor/Regisseur Manfred Corrine bemüht sich in seinem von Wolfgang Ambros (kein Wunder, ist der Film doch nach seinem gleichnamigen Lied benannt) und Roland Neuwirth und seinen Extremschrammeln musikalisch unterlegten Film erfolgreich, dem Publikum in schönen Bildern die erstaunliche Vielfalt an Tieren näher zu bringen, die den etwa drei Millionen Tote beherbergenden Friedhof mit Leben erfüllen. Dabei spart er Würmer und Insekten (bzw. Gliedertiere allgemein) eher aus und konzentriert sich vor allem auf jene Vertreter der Fauna, die man nicht auf jedem Totenacker zu finden vermag. Angefangen von Feldhamstern und Mäusen über Hasen, Käuze, Singvögel, Krähen und Turmfalken bis hin zu Rehen bekommen wir eine ganze Reihe an Tieren präsentiert, welche man gemeinhin nicht auf Friedhöfen vermuten würde. Gerade die Anwesenheit von Rotwild erscheint ungewöhnlich, erklärt sich aber dadurch, dass der Zentralfriedhof in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vorausschauend großzügig mit etwa 250 Hektar geplant wurde (und somit zu den größten Gräberfeldern Europas zählt), obwohl der Platz zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht unmittelbar benötigt wurde. Bis in die 1980er Jahre hinein wurde auf dem Friedhofsgelände auch noch gejagt!
Neben dem naturdokumentarischen Schwerpunkt liefert ES LEBE DER ZENTRALFIEDHOF auch einen kurzen Abriss über die Geschichte des für alle Konfessionen geöffneten Gräberhains (sehr schön zum Beispiel der naturbelassene alte jüdische Friedhofsteil, wo die Gräber von Efeu umrankt werden) und besucht einige der 900 Ehrengräber, die den "Zentral-F" regelrecht zu einer Sehenswürdigkeit machen. Neben Komponisten wie Mozart, Beethoven, Schubert und Strauß, welche japanische Touristen besonders anlocken, haben hier (unter vielen anderen) auch Friedrich Torberg, Franz Werfel, Arnold Schönberg, Arthur Schnitzler, Helmut Qualtinger, Ludwig Boltzmann, Karl Kraus, Ernst Jandl, Falco und natürlich viele hochrangige Politiker Ehrengräber.

Als sehr gute Wahl erweist sich auch die Verpflichtung von Willi Resetarits als Sprecher des Begleittextes. Dieser bringt es mit seiner angenehm unhektischen Stimme und Sprachmelodie zustande, eines der wenigen Mankos von UNIVERSUM (bzw. Naturdokus allgemein) zu umgehen: Die bisweilen arg theatralisch oder reißerisch konzipierten voice-overs. Was will man mehr?

DVD.
Abgesehen von (seltenen) Blockungen in großen schwarzen Flächen gibt es technisch überhaupt nichts zu bemängeln, auch der Stereoton klingt einwandfrei. Nur vom Genuss englischen Synchro sei hier ausnahmsweise einmal abgeraten – dort kommt die oben bekrittelte, tendenziell effektheischende Vortragsweise des Textes nämlich zum Tragen.
Das Bonusmaterial kann sich wieder durchaus sehen lassen: Es besteht aus einem Making-Of zur Falkenflugszene, einem historischen Stummfilmausschnitt des Begräbnisses von Karl Lueger und einer etwa sechsminütigen Collage aus Friedhofsimpressionen. Dazu kommt ein interaktives DVD-ROM-Feature, im Zuge dessen die Möglichkeit besteht, etliche der Ehrengräber virtuell zu besuchen und sich mit Informationen über die derart Bestatteten einzudecken.








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